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Werder-Trainer Florian Kohfeldt (l., mit Stürmer Aron Johannsson) hatte das Spiel gegen Frankfurt von vorne nach hinten geplant - andersherum als Vorgänger Alexander Nouri.

Von vorne nach hinten gedacht

Kohfeldt: Offensive hat Vorrang

Frankfurt - Die Gefühlslage nach dem Abpfiff? Dreimal darf geraten werden! Miserabel natürlich. „Ich bin alles andere als zufrieden. Wir haben schließlich keine Punkte“, sagte Florian Kohfeldt, dessen erstes und vielleicht auch letztes Spiel als Cheftrainer des SV Werder statt der Wende nur eine weitere Niederlage gebracht hatte.

1:2 gegen Eintracht Frankfurt verloren – alles wie gehabt, möchte man meinen. Aber einiges war unter Kohfeldt trotzdem anders. Vor allem die Grundausrichtung des Teams. Der 35-Jährige war die Partie komplett anders angegangen als sein Vorgänger Alexander Nouri und hatte das Spiel von vorne nach hinten geplant und nicht von hinten nach vorne.

Offensivplan Basis für Defensivplan

„Das Entscheidende für uns war, einen Offensivplan zu entwickeln – und auf Grundlage dieses Offensivplans den Defensivplan zu entwerfen. Das war mit der Schlüssel in der ersten Halbzeit, der zu mehr Spielfreude geführt hat“, sagte Kohfeldt. Der späte Gegentreffer hatte ihm den Abend dann dennoch gründlich vermiest. Sebastien Haller hatte Eintracht Frankfurt in der 89. Minute zum 2:1-Sieg geschossen.

Und alle Bremer fragten sich anschließend, wie das hatte passieren können. Die einfachste Antwort: Ludwig Augustinsson und Thomas Delaney hatten Haller schlicht nicht im Auge, als der Franzose im Rücken von Niklas Moisander entwischt war. Kohfeldt: „Natürlich sprechen wir darüber, dass man in solchen Momenten mannorientiert sein muss. Aber es war zum einen eine super Flanke, zum anderen trifft Haller den Ball perfekt.“

Werder geht die Puste aus

Doch die tiefere Wahrheit hinter dem entscheidenden Gegentor war noch eine andere. Werder war schlicht die Puste ausgegangen, um das lange erfolgreich praktizierte System bis zum Schluss durchzuhalten. Auch Kohfeldt sah es so: „Wir haben dann teilweise nicht mehr den Schritt nach vorne gemacht, um das zu erfüllen, was wir vorher besprochen hatten.“

Und besprochen war, nach vorne zu attackieren, sich verlorene Bälle sofort zurückzuholen, mit dem Ball mutig zu agieren und dabei in der Abwehr hoch, aber trotzdem sicher zu stehen. Gesagt, getan. Jedenfalls in Halbzeit eins. In Halbzeit zwei wurde es dann weniger und weniger. „Da muss die Mannschaft dran arbeiten, dass sie das Niveau über 90 Minuten halten kann“, meinte Kohfeldt, rückte dann aber das Positive in den Vordergrund: „Ich glaube, dass uns der Auftritt in der ersten Halbzeit insgesamt positiv stimmen sollte.“

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Einzelkritik: Moisanders Premiere, Gebre Selassies Ausfall 

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: 1,96 Meter ist der Keeper lang – und selbst wenn nochmal 20, 30 Zentimeter dazugekommen wäre, hätte er gegen das 0:1 nichts machen können. Bei Willems' Schuss (64.) und Moisanders Beinahe-Eigentor verhinderte Pavlenka binnen weniger Momente zweimal den erneuten Rückstand. Note 2,5 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Wieso um alles in der Welt rückte er vor dem 0:1 in die Mitte und ließ Rebic rechts unbewacht? Auch in der Folge mit Schwächen im Stellungsspiel, ließ zudem die Flanke zum 1:2 zu. Note 5 © nordphoto
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic (Mitte): Nach zwei Spielen auf der Bank gab der Innenverteidiger sein „Comeback“ in der Startelf. Lamine Sane blieb für ihn draußen. Veljkovic bedankte sich mit dem Assist zum 1:1. Hinten wirkte er oft aber nicht sicher. Note 3,5  © nordphoto
Niklas Moisander
Niklas Moisander: Premiere für den Finnen. Erstmals traf er in der Bundesliga – und das auch noch gegen seinen finnischen Nationalmannschaftskollegen Lukas Hradecky im Eintracht-Tor. Als Abwehrchef hatte Moisander in einer Phase der ersten Halbzeit einige heikle Situationen zu überstehen. Danach sicherer. Note 2,5 © nordphoto
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson (bis 90.): Der Linksverteidiger begann schwach, biss sich dann aber in die Partie. Am Ende musste er sich aber gemeinsam mit Delaney ankreiden lassen, Haller bei dessen 2:1 nicht gestört zu haben. Insgesamt bleibt bei dem Schweden das Gefühl, dass er unter seinen Möglichkeiten spielt. Note 4  © nordphoto
Philipp Bargfrede
Philipp Bargfrede (bis 67): Der 28-Jährige spielte sowohl im defensiven 4-4-2 als Dirigent vor der Viererkette, als auch im offensiven 4-1-4-1 als erster Aufbauspieler eine Schlüsselrolle. Er füllte diese mit großer Routine aus. Festzuhalten bleibt aber auch: 90 Minuten schafft Bargfrede offenbar nicht mehr. Note 3 © Gumz
Fin Bartels
Fin Bartels: Stürmer? Nicht wirklich! Bartels rückte bei Frankfurter Ballbesitz auf der rechten Seite weit zurück – wie auch Junuzovic auf links. In seinem 100. Bundesliga-Spiel für Werder spulte Bartels ein großes Laufpensum ab, blieb aber ohne Durchschlagskraft. Note 3,5  © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein (bis 90.): Wechselte zwischen den Positionen „6“ und „8“ hin und her, war folglich vorne wie hinten zu finden. Was durchaus Gefahr brachte. Seine Vorlage für Junuzovic war Zucker (40.), sein Schlenzer aus 20 Metern auch (42.). Beide Male parierte Hradecky. Note 3 © nordphoto
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Dem Dänen kam in der defensiven Organisation die Rolle des ersten Störenfrieds zu. Delaney lief die Frankfurter an, suchte die Zweikämpfe. Nach der Bargfrede-Auswechslung übernahm er dessen Position. Note 3,5  © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovic: Der Kapitän kam über links und hatte richtig gute Aktionen. Zweimal legte er bestens für Kruse auf, einmal kam er selbst zum Abschluss, traf freistehend den Ball aber nicht richtig (40.). Aus der Szene hätte er mehr machen müssen. Note 3 © nordphoto
Max Kruse
Max Kruse: Eurosport-Experte Matthias Sammer nannte ihn den „Schlepper“ – weil Kruse oft den Ball nach vorne trug und auch viele Räume zulaufen musste. Mit etwas mehr Fortune (und etwas weniger Hradecky-Klasse) hätte er eine seiner zwei Großchancen (2./42.) genutzt. In der zweiten Halbzeit war von ihm nicht mehr so viel zu sehen. Note 3,5  © nordphoto
GER, 1. FBL, Eintracht Frankfurt vs SV Werder Bremen
Florian Kainz (ab 67.): Rückte auf die linke Seite, brachte aber auch nicht mehr den entscheidenden Impuls. Note -  © nordphoto
Ishak Belfodil
Ishak Belfodil (rechts, ab 90.): Letzte Hoffnung, Teil 1. Note -  © nordphoto
Aron Johannsson
Aron Johannsson (ab 90.): Letzte Hoffnung, Teil 2. Note - © nordphoto
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