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Niklas Moisander lobte trotz der Niederlage gegen Frankfurt Trainer Florian Kohfeldt.

Nach Werder-Niederlage gegen Frankfurt

Die Krise im Kopf: Zwischen Frust und Aufbruchstimmung

Bremen - Als Werder Bremen am Samstagmorgen den Rückflug von Frankfurt nach Bremen antrat, da hatte die Reisegruppe eine sehr überschaubare Größe.

Das Trainerteam um Interimschef Florian Kohfeldt war dabei, dazu nur wenige Spieler. Der große Rest verstreute sich am Flughafen in alle möglichen Richtungen. Entweder um zu den Treffpunkten der jeweiligen Nationalmannschaft zu reisen oder um das lange Wochenende irgendwo in Europa zu verbringen. Denn Kohfeldt hatte dem Team trotz der nächsten Pleite drei Tage frei gegeben. Erst am Dienstag, 10.00 Uhr, trifft sich die Mannschaft wieder. Frage: Dann mental erholt vom frustrierenden Frankfurt-Erlebnis?

Den entscheidenden Gegentreffer in der 89. Minute kassiert zu haben, hatte die Bremer umgehauen. Das Spiel sei „schwer in Worte zu fassen“ gewesen, meinte Mittelfeldmann Maximilian Eggestein. Ein „sehr enttäuschendes“ Ende habe die Partie gehabt, meinte Abwehrchef Niklas Moisander, „es war ein weiterer schwerer Schlag“. Und trotzdem: Irgendwie nahmen die Bremer Profis doch das Gefühl mit in die drei freien Tage, dass der Abend in Frankfurt möglicherweise der Anfang der Wende gewesen sein könnte.

Moisanders Plädoyer für Trainer Florian Kohfeldt

„Wir haben mehr Chancen kreiert, die Einstellung war da, wir müssen diesen Weg fortsetzen“, sagte Moisander, dessen Worte auch wie ein Plädoyer für Kohfeldt gewertet werden konnten. Oder sogar sollten. Noch deutlicher erklärte der Finne: „Wir haben verloren, aber der Trainer hat in den wenigen Tagen einen guten Job gemacht.“ Die Mannschaft habe „eines unserer vielleicht besten Spiele in der Saison gemacht“, so Moisander. Mit Abstrichen war das sogar richtig. Aber dennoch hat die Sieglosserie weiter Bestand. Saisonübergreifend sind es nun schon 14 Spiele, die Werder auf einen Dreier wartet – negativer Vereinsrekord.

Dass deshalb der Kampf Trübsal gegen Aufbruchstimmung die Bremer Gefühlswelt bestimmt, ist leicht nachzuvollziehen. Kohfeldt muss ab Dienstag dafür sorgen, dass alle wieder die Kurve zum Positiven kriegen. Niklas Moisander deutete in Frankfurt schon mal an, dass das jedoch so leicht nicht sein wird: „Wir versuchen immer, positiv zu bleiben. Aber mental wäre es eine ganz andere Sache gewesen, wenn wir gewonnen oder unentschieden gespielt hätten.“

Einzelkritik: Moisanders Premiere, Gebre Selassies Ausfall 

Jiri Pavlenka
Jiri Pavlenka: 1,96 Meter ist der Keeper lang – und selbst wenn nochmal 20, 30 Zentimeter dazugekommen wäre, hätte er gegen das 0:1 nichts machen können. Bei Willems' Schuss (64.) und Moisanders Beinahe-Eigentor verhinderte Pavlenka binnen weniger Momente zweimal den erneuten Rückstand. Note 2,5 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie
Theodor Gebre Selassie: Wieso um alles in der Welt rückte er vor dem 0:1 in die Mitte und ließ Rebic rechts unbewacht? Auch in der Folge mit Schwächen im Stellungsspiel, ließ zudem die Flanke zum 1:2 zu. Note 5 © nordphoto
Milos Veljkovic
Milos Veljkovic (Mitte): Nach zwei Spielen auf der Bank gab der Innenverteidiger sein „Comeback“ in der Startelf. Lamine Sane blieb für ihn draußen. Veljkovic bedankte sich mit dem Assist zum 1:1. Hinten wirkte er oft aber nicht sicher. Note 3,5  © nordphoto
Niklas Moisander
Niklas Moisander: Premiere für den Finnen. Erstmals traf er in der Bundesliga – und das auch noch gegen seinen finnischen Nationalmannschaftskollegen Lukas Hradecky im Eintracht-Tor. Als Abwehrchef hatte Moisander in einer Phase der ersten Halbzeit einige heikle Situationen zu überstehen. Danach sicherer. Note 2,5 © nordphoto
Ludwig Augustinsson
Ludwig Augustinsson (bis 90.): Der Linksverteidiger begann schwach, biss sich dann aber in die Partie. Am Ende musste er sich aber gemeinsam mit Delaney ankreiden lassen, Haller bei dessen 2:1 nicht gestört zu haben. Insgesamt bleibt bei dem Schweden das Gefühl, dass er unter seinen Möglichkeiten spielt. Note 4  © nordphoto
Philipp Bargfrede
Philipp Bargfrede (bis 67): Der 28-Jährige spielte sowohl im defensiven 4-4-2 als Dirigent vor der Viererkette, als auch im offensiven 4-1-4-1 als erster Aufbauspieler eine Schlüsselrolle. Er füllte diese mit großer Routine aus. Festzuhalten bleibt aber auch: 90 Minuten schafft Bargfrede offenbar nicht mehr. Note 3 © Gumz
Fin Bartels
Fin Bartels: Stürmer? Nicht wirklich! Bartels rückte bei Frankfurter Ballbesitz auf der rechten Seite weit zurück – wie auch Junuzovic auf links. In seinem 100. Bundesliga-Spiel für Werder spulte Bartels ein großes Laufpensum ab, blieb aber ohne Durchschlagskraft. Note 3,5  © nordphoto
Maximilian Eggestein
Maximilian Eggestein (bis 90.): Wechselte zwischen den Positionen „6“ und „8“ hin und her, war folglich vorne wie hinten zu finden. Was durchaus Gefahr brachte. Seine Vorlage für Junuzovic war Zucker (40.), sein Schlenzer aus 20 Metern auch (42.). Beide Male parierte Hradecky. Note 3 © nordphoto
Thomas Delaney
Thomas Delaney: Dem Dänen kam in der defensiven Organisation die Rolle des ersten Störenfrieds zu. Delaney lief die Frankfurter an, suchte die Zweikämpfe. Nach der Bargfrede-Auswechslung übernahm er dessen Position. Note 3,5  © nordphoto
Zlatko Junuzovic
Zlatko Junuzovic: Der Kapitän kam über links und hatte richtig gute Aktionen. Zweimal legte er bestens für Kruse auf, einmal kam er selbst zum Abschluss, traf freistehend den Ball aber nicht richtig (40.). Aus der Szene hätte er mehr machen müssen. Note 3 © nordphoto
Max Kruse
Max Kruse: Eurosport-Experte Matthias Sammer nannte ihn den „Schlepper“ – weil Kruse oft den Ball nach vorne trug und auch viele Räume zulaufen musste. Mit etwas mehr Fortune (und etwas weniger Hradecky-Klasse) hätte er eine seiner zwei Großchancen (2./42.) genutzt. In der zweiten Halbzeit war von ihm nicht mehr so viel zu sehen. Note 3,5  © nordphoto
GER, 1. FBL, Eintracht Frankfurt vs SV Werder Bremen
Florian Kainz (ab 67.): Rückte auf die linke Seite, brachte aber auch nicht mehr den entscheidenden Impuls. Note -  © nordphoto
Ishak Belfodil
Ishak Belfodil (rechts, ab 90.): Letzte Hoffnung, Teil 1. Note -  © nordphoto
Aron Johannsson
Aron Johannsson (ab 90.): Letzte Hoffnung, Teil 2. Note - © nordphoto

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