Werder-Trainer Hans Tilkowski am 7. Mai 1977.
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Ex-Werder-Trainer Hans Tilkowski am 7. Mai 1977.

Dreimal stand Werder nach sieben Spieltagen ähnlich schlecht da wie jetzt – und reagierte unterschiedlich

Folgenreiche Fehlstarts

Bremen - Sieben und vier, das sind zwei Zahlen, die im Großraum Bremen derzeit häufig Verwendung finden. Ob in der Stadt, beim Bäcker oder am Stammtisch – die Sieben und die Vier sind vielerorts Thema. Oder besser: Sie sind der Kern eines Themas, das Bremen bewegt.

Sieben Spiele, vier Punkte, so der Zusammenhang, abzulesen in der Bundesliga-Tabelle. Einen schlechteren Saisonstart hat Werder zuletzt vor 41 Jahren hingelegt. In der Serie 1976/77 stand das Team – umgerechnet auf die Drei-Punkte-Regel – nach sieben Spielen sogar nur mit drei Zählern da. 1998 und 2014 waren es ebenfalls vier. 

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Verein mit den zu diesem Zeitpunkt drei schlimmsten Fehlstarts seiner Geschichte unterschiedlich umgegangen ist. Zweimal musste der Trainer schon im Oktober gehen, einmal ging es am Ende auch ohne Entlassung glimpflich aus.

Saison 1976/1977

Eigentlich hätte man es ahnen können, das Omen war jedenfalls denkbar schlecht. Vor der Saison stellt Werder um Neu-Manager Rudi Assauer den Fischkonzern „Nordsee“ aus Bremerhaven als ersten Trikotsponsor der Vereinsgeschichte vor – mit weitreichenden Folgen: Die Mannschaft spielt in den kommenden zwei Jahren nicht mehr in grün-weiß, sondern in den „Norda“-Farben blau-weiß. Sportlich läuft es im neuen Outfit zunächst überhaupt nicht für Trainer-Rückkehrer Hans Tilkowski und seine Elf.

Nach den ersten sieben Partien gegen Schalke (2:3), Hamburg (2:2), Saarbrücken (0:2), Karlsruhe (1:1), Gladbach (0:2), Duisburg (2:2) und Hertha (1:2) warten die Bremer noch immer auf einen Sieg. Drei Punkte bedeuten Tabellenplatz 16. Tilkowski, der das Traineramt erst im Sommer von Otto Rehhagel übernommen hat, darf trotzdem in Ruhe weitermachen – und schafft die Wende. Bis zur Winterpause führt er Werder durch sechs Siege und zwei Unentschieden auf Rang neun.

7. Mai 1977, Eintracht Braunschweig gegen Werder Bremen: Vor 18.000 Zuschauern gewinnen die Hanseaten unter Trainer Hans Tilkowski am 32. Spieltag mit 1:0.

Mit dem Abstiegskampf hat die Mannschaft danach bis zum Saisonende nichts zu tun. Kurzzeitig ist sogar die Qualifikation für den Uefa-Cup in Reichweite, doch daraus wird am Ende nichts: Die Bremer werden unaufgeregt Elfter.

Saison 1998/1999

Der Wunschstürmer landet nach langen und zähen Verhandlungen zwar doch noch in Bremen, den Arbeitsplatz kann der 25-jährige Brasilianer namens Ailton seinem neuen Trainer aber auch nicht retten: Wolfgang Sidka wird im Oktober entlassen.

Wolfgang Sidka am 17.10.1998 im Weserstadion. Werder verlor mit 2:3 gegen Freiburg, Sidka seinen Job.

Aus den ersten sieben Spielen hat er mit der Mannschaft lediglich vier Punkte geholt, als es dann beim Ailton-Debüt (mit Tor!) ein 2:3 gegen Freiburg setzt, ist der Ex-Profi nicht mehr zu retten. Zwar darf er die Mannschaft unter der Woche noch beim 1:1 im Uefa-Cup gegen Marseille betreuen, danach ist für ihn aber Schluss. Drei Tage später sitzt in der Liga beim Nordderby in Hamburg schon Felix Magath auf der Bank, für den es bekanntlich auch nicht viel besser laufen sollte. Magath muss bereits im Mai 1999 wieder gehen. Für ihn übernimmt Thomas Schaaf. Der Rest ist bekannt.

Saison 2014/2015

Vor drei Jahren sieht es an der Weser tabellarisch ähnlich düster aus wie heute: Sieben Spiele, kein Sieg, vier Unentschieden, drei Niederlagen – damals ziert Werder mit dieser Bilanz sogar das Tabellenende. Am achten Spieltag kommt es für das Team von Trainer Robin Dutt dann ganz bitter: Bei Meister Bayern München setzt es eine 0:6-Klatsche, die sogar noch höher hätte ausfallen können, wenn die Gastgeber nach dem Wechsel nicht in den Schongang geschaltet hätten.

24.10.2014: Werder verliert im heimischen Stadion mit 1:0 gegen den 1 FC Köln. Trainer Robin Dutt wird entlassen.

Eine Chance gibt es danach noch für Dutt: Im Heimspiel gegen Köln darf er den neunten Anlauf für den ersten Saisonsieg nehmen. Es gelingt nicht. Freitagabend, Flutlicht – Werder verliert das Heimspiel mit 0:1. Am Ende ist es Anthony Ujah, der 2015 selbst zu Werder wechseln sollte, dessen Treffer Dutt den Job kostet. Sportchef Thomas Eichin macht danach den U23-Coach Viktor Skripnik zum neuen Chef.

Saison 2017/2018

Gute Nachrichten für Werders Trainer Alexander Nouri: Momentan sieht es so aus, als sollte der Verein nach den sieben Sieglos-Spielen ähnlich verfahren wie damals bei Hans Tilkowski: Nouri darf weitermachen, eine Trainerdiskussion gibt es bei Werder intern nicht. „Wir kommen aus dieser schwierigen Situation gemeinsam raus“, betont Sportchef Frank Baumann gegenüber der DeichStube. „Wir haben zu wenig Punkte und sind damit unzufrieden“, sagt der 41-Jährige – weist dann aber auch darauf hin, „dass die Leistungen nicht miserabel waren“.

Sieben Spiele ohne Sieg: Werder-Sportchef Frank Baumann ist sich sicher: "wir kommen da gemeinsam raus".

Damit spricht Baumann einen wichtigen Punkt an, der das Werder unter Nouri in der Tat deutlich von dem Werder unter Sidka und Dutt unterscheidet. Die sportliche Lage war damals ähnlich brenzlig, Aussicht auf Besserung bestand darüber hinaus zudem nicht. Baumann traut es Nouri nach wie vor zu, dass er die Wende schafft. In der Rückrunde der Vorsaison war es dem Coach durch eine furiose Erfolgsserie ja auch schon einmal gelungen. „Wir waren in den letzten drei Spielen zum Schluss immer näher am Sieg als der Gegner“, sagt Baumann – und betont: „Jetzt arbeiten wir hart, um gegen Gladbach gut gerüstet zu sein.“

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