Franco di Santo wechselte vom SV Werder Bremen zum FC Schalke 04. Jetzt hat er in einem DeichStube-Interview verraten, dass er gerne an die Weser zurückkehren würde.
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Franco di Santo wechselte vom SV Werder Bremen zum FC Schalke 04. Jetzt hat er in einem DeichStube-Interview verraten, dass er gerne an die Weser zurückkehren würde.

Di Santo bietet sich erneut bei Werder an

Ex-Bremer Franco di Santo im Interview: „Ich würde es lieben, zu Werder zurückzukehren“

San Lorenzo/Bremen – Vom SV Werder Bremen zum FC Schalke – etliche Spieler sind im Laufe der Zeit diesen Weg gegangen. Auch Franco Di Santo. 2015 verließ der Mittelstürmer Bremen, nachdem er in zwei Jahren 18 Tore für die Grün-Weißen erzielt hatte. Di Santo nutzte damals kurz vor Ablauf eine Ausstiegsklausel – und der Wechsel wurde ausgerechnet am „Tag der Fans“ am Weserstadion bekannt. Seitdem genießt er bei Werder-Fans nicht mehr das allerhöchste Ansehen, er dagegen sagt, den Club, die Stadt und die Fans nach wie vor zu lieben. Jedenfalls ein bisschen mehr als den FC Schalke.

Vor dem ersten Zweitliga-Duell seiner beiden Ex-Clubs befragte die DeichStube den mittlerweile 32 Jahre alten Argentinier über die alten und die neuen Zeiten. Und Franco Di Santo, der mittlerweile in der Heimat beim Club Atletico de San Lorenzo unter Vertrag steht, behauptet dabei, dass es ihm mit seinen Rückkehrabsichten zu Werder Bremen vor einem Jahr absolut ernst gewesen ist. Dass aus Bremen nie eine Antwort gekommen sei, wurmt ihn.

Wie interessiert sind Sie noch an ihren ehemaligen Arbeitgebern, Senor Di Santo?

Sehr. Ich versuche mich so gut es geht, über Werder und Schalke zu informieren – via Instagram, Twitter, eben alles, was möglich ist.

Sie haben Schalke und damit die Bundesliga im Januar 2019 verlassen. Hätten Sie es damals für möglich gehalten, dass sich Werder und Schalke zweieinhalb Jahre später in der 2. Liga wiederfinden würden?

Um ehrlich zu sein: nein, niemals. Ein gleichzeitiger Abstieg, ein Duell in der 2. Liga, wie es am Samstag ansteht – das war nichts, was in meiner Vorstellung möglich war. Aber zwei der größten Bundesliga-Vereine sind tatsächlich abgestiegen, spielen jetzt in einer Liga, die sie nicht verdienen.

Franco di Santo über Werder Bremens Abstieg: „Jeder wusste, dass es passieren kann“

Was ist aus Ihrer Sicht falsch gelaufen?

Die Situationen waren ja unterschiedlich. Bremen hat die vergangenen Jahre oft gegen den Abstieg gekämpft. Es hat zwar niemand erwartet, dass Werder absteigen würde, aber jeder wusste, dass es passieren kann. Bei Schalke war es anders. Eben waren sie noch in der Champions League, dann plötzlich in der 2. Liga – das ist wirklich verrückt. Das Team war mit vielen guten Spielern besetzt, hatte viel Qualität und Erfahrung – wie soll man dann einen Abstieg erklären? Es wurden eben viele Fehler auch abseits des Platzes gemacht. Aber sowohl Werder als auch Schalke müssen wieder aufsteigen. Die Bundesliga braucht sie. Ich bin auch sicher, dass beide zurückkommen werden – in dieser, der nächsten oder vielleicht auch erst der übernächsten Saison.

Stimmen Sie zu, wenn man Ihre Bilanz bei Werder mit 18 Toren in 51 Spielen als gut und die bei Schalke mit zwölf Toren in 88 Spielen als mager bewertet?

Nein, da stimme ich nicht zu. Ich habe in beiden Teams gute Leistungen gezeigt. Aber die Rollen waren unterschiedlich. In Bremen war ich ein reiner Mittelstürmer, habe auch einige Tore geschossen. Auf Schalke war ich mal vorderste Spitze, dann zweiter Stürmer, manchmal sogar zentraler Mittelfeldspieler mit Defensivaufgaben. Da wurde gesagt: ,Franco, wir brauchen dich hier und da und dort - kannst du das machen?‘‘ Ich habe geantwortet: ,Ja, natürlich kann ich.‘ Obwohl ich nur wenig Erfahrung mit den Positionen hatte. Ich hatte dabei das Team vor meine eigenen Angelegenheiten gestellt. Vielleicht war das die falsche Entscheidung. Trotzdem ist es zu einfach, zu sagen, Franco Di Santo hat kaum getroffen, also war er nicht gut. In der Saison 17/18, als wir uns mit Schalke als Vize-Meister für die Champions League qualifiziert hatten, gehörte ich mit 30 Einsätzen zu den Top-3-Spielern im Kader. Aber das hat kaum jemand sehen wollen. Alle sehen nur: ,Der hat die Nummer neun auf dem Rücken, der muss Tore schießen.‘ So ist das leider. Ich bin glücklich mit dem, was ich für beide Clubs geleistet habe.

Würden Sie mit einigen Jahren Abstand sagen, dass der Wechsel von Bremen zu Schalke in der Außendarstellung ziemlich schlecht gelaufen ist?

Ich sage es immer wieder: Ich habe mich an diesem Tag der Fans richtig schlecht gefühlt. Ich wollte an dem Tag das Testspiel bestreiten, aber Schalke hat mich nicht mehr gelassen. Sie hatten Angst, ich könnte mich verletzen. Dass der Wechsel ausgerechnet am Tag der Fans bekannt wurde, war vielleicht ein Fehler. Aber es war nicht mein Fehler. Die Leute werden das aber wohl nie verstehen.

Werder hat an dem Tag noch Di Santo-Trikots verkauft, dann waren Sie weg...

... und es wurde immer gesagt, ich sei dem Geld hinterhergelaufen. Aber das stimmt so nicht. Ja, der Schalke-Vertrag war besser, als der in Bremen. Aber wenn es wirklich nur ums Geld gegangen wäre, wäre ich nach China oder Dubai gewechselt. Ich habe lange gewartet mit meiner Entscheidung, wollte Werder eigentlich auch nicht verlassen, war glücklich in Bremen. Ich war wirklich traurig, Werder zu verlassen.

Franco di Santo über Rückkehr zu Werder Bremen: „Ich würde es lieben und bin mir sicher beim Aufstieg helfen zu können“

Kurios in Ihrer Karriere ist, dass Sie erst im vergangenen Sommer, mit schon 31 Jahren erstmals einen Vertrag in Ihrer Heimat Argentinien unterschrieben haben. Wie glücklich sind Sie, nach Stationen in Chile, England, Deutschland, Spanien und Brasilien doch noch in der Liga Profesional zu spielen?

Mit 13 Jahren habe ich Argentinien verlassen. Gott sei Dank durfte ich eine gute Karriere machen mit tollen Vereinen und Mitspielern. Jetzt bin ich nach langer, langer Zeit in Argentinien angekommen. Einer der Gründe ist, dass ich näher bei meiner Familie sein möchte und dass mein Baby (Tochter Aitana wurde im März geboren, d. Red.) in Argentinien zur Welt kommen kann. Ich bin glücklich hier in San Lorenzo. Dass die Rückkehr nach Argentinien endgültig ist, kann ich aber noch nicht sagen. Ich warte ab, was noch kommt.

Vor etwas mehr als einem Jahr haben Sie öffentlich mit einer Werder-Rückkehr geflirtet. Gilt das noch?

Ja, natürlich. ich würde es lieben, zu Werder Bremen zurückzukehren – auch in die 2. Liga. Ich bin mir sicher, dass ich beim Aufstieg helfen könnte.

Kein Scherz?

Nein, das war damals schon Ernst. Ich habe sogar versucht, Sportdirektor Frank Baumann zu erreichen. Aber er hat nie geantwortet, ist nicht ans Telefon gegangen. In der Zeit habe ich vielen Leuten erzählt, dass sie ihm sagen sollen, dass ich auch für weniger Geld spielen würde. Ich finde, der Respekt hätte es verlangt, dass er wenigstens reagiert und mir sagt: ,Ich brauche dich nicht, ich will dich nicht.‘

Franco di Santo fühlt sich Werder Bremen „ein bisschen näher“ als Ex-Club Schalke 04

Werder oder Schalke – welchem Club fühlen Sie sich näher?

Schwierige Frage. Ich glaube, Bremen ist mir ein bisschen näher. Denn dieser Club hat mich zu einem Kind der Bundesliga gemacht, er hat mich irgendwie in diese Liga geboren. Ich bin nach wie vor verliebt in Bremen.

Mit Santiago Garcia haben Sie damals ein argentinisches Doppel gebildet bei Werder. Er spielt mittlerweile in Chile – haben Sie noch Kontakt?

Ja, zu ihm, zu Claudio Pizarro und Alex Galvez. Wir haben eine Chatgruppe, tauschen und aus, wie die Dinge gelaufen sind, wie sie heute laufen. Santi war immer wichtig für mich, er hat mich gepusht, hat mich angetrieben.

Ihr Kapitän bei Werder war Clemens Fritz, jetzt wird er bei Werder zum Manager der Zukunft aufgebaut. Wie denken Sie darüber?

Er war unser Kapitän, und ich habe ihn in dieser Rolle immer akzeptiert. Ich weiß, dass ihm Werder Bremen sehr wichtig ist, das hat er immer gezeigt. Sollte er mal der Manager werden, dann wünsche ich ihm ganz viel Erfolg. Er ist ein guter Typ. (csa) Lest auch: Dritter Corona-Fall bei Werder Bremen: Marco Friedl in Österreich in Quarantäne! Und: Winter-Transfer? Coach Markus Anfang wünscht sich einen echten Achter für Werder Bremen!

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