Sportchef Frank Baumann erklärt, wie er den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen von einer weiteren Zusammenarbeit überzeugt hat.
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Sportchef Frank Baumann erklärt, wie er den Aufsichtsrat des SV Werder Bremen von einer weiteren Zusammenarbeit überzeugt hat.

Neuer Baumann-Vertrag läuft bis 2024

Frank Baumann bleibt: Wie der Werder-Manager den Aufsichtsrat von einer Vertragsverlängerung überzeugte

Bremen – Natürlich ging es während der digitalen Pressekonferenz, zu der Werder Bremen am Sonntagmittag geladen hatte, um Fußball. Ausschließlich sogar. Und doch geriet die Frage-und-Antwort-Runde irgendwann an einen Punkt, an dem sich Aufsichtsratsmitglied Florian Weiß, zumindest rhetorisch, bei einer anderen Sportart bedienen musste. Als „zähes Ringen“ bezeichnete der 44-Jährige die Diskussionen, die der Aufsichtsrat in den vergangenen Wochen und Monaten intern rund um die Personalie Frank Baumann geführt hatte. Ihr Ergebnis: Der auslaufende Vertrag mit dem Sportchef wurde um zweieinhalb Jahre bis Sommer 2024 verlängert.

„Frank musste uns in vielen Runden überzeugen. Das war für ihn sicherlich nicht immer ein einfacher Weg“, sagte Weiß, der gemeinsam mit Aufsichtsratschef Marco Fuchs die Entscheidung des Gremiums gegenüber den Journalisten erklärte – und dabei vehement dem möglichen Eindruck der Öffentlichkeit entgegenwirkte, dass bei Werder Bremen trotz des Abstiegs im Sommer alles einfach so weiterlaufen würde. „Ich sitze hier auf dem Podium, um zu zeigen, dass die Entscheidung für Frank Baumann das Gegenteil von einem Weiter-so ist“, sagte Weiß – und betonte: „Es ist vielmehr eine Entscheidung, die klar in die Zukunft weist.“ Kurz zuvor hatte er den Sonntag bereits als „guten Tag für Werder Bremen“ beschrieben und Fuchs hatte erklärt: „Wir sind als Aufsichtsrat einstimmig zu der Einschätzung gekommen, dass Frank Baumann die besten Voraussetzungen für den Job mitbringt. Er hat uns alle überzeugt.“ Auch Dr. Florian Weiß verteidigte im Interview die Vertragsverlängerung von Frank Baumann bei Werder Bremen.

Werder Bremen verlängert Vertrag von Manager Frank Baumann: Das sind die Gründe

Der Sportchef hörte sich die warmen Worte direkt neben Weiß und Fuchs auf dem Podium im Medienraum des Weserstadions an, ehe er ausführlich erklärte, mit welchen Argumenten er das Gremium letztlich dazu gebracht hatte, ihm ein neues Arbeitspapier vorzulegen. Nachdem Frank Baumann während des Winters zunächst mit sich selbst und seiner Familie geklärt hatte, dass er gerne Werder-Sportchef bleiben würde und für ihn klar war, „dass ich die Kraft und Leidenschaft für diese Aufgabe auch weiterhin habe“, legte er dem Kontrollgremium des SV Werder Bremen sein Zukunftskonzept vor.

Die drei strategischen Schwerpunktthemen darin lauten: 1.) Die Weiterentwicklung einer für alle Teams einheitlichen Spielidee, die „noch konsequenter“ umgesetzt und mit technischen Hilfsmitteln messbar gemacht werden soll. Bis zum Abstieg hatte sich Thomas Schaaf als Technischer Direktor federführend um dieses Thema gekümmert. „Das war eine ganz wichtige Position, die wir leider aus einer finanziellen Notwendigkeit heraus streichen mussten“, sagte Frank Baumann. Seitdem hat Werder Bremen die Arbeit intern auf mehrere Schultern verteilt. „Für die Zukunft haben wir die Position, wie auch immer sie dann heißen und besetzt wird, aber als hohe Priorität angesiedelt“, hob der Sportchef hervor. Schwerpunktthema zwei: die „exzellente Ausbildung“ von Spielern und Trainern innerhalb des Vereins. „Die ersten Früchte dieser Arbeit ernten wir schon“, sagte Baumann und meinte damit jene Akteure aus dem eigenen Nachwuchs, die inzwischen Bestandteil des Profikaders sind. Die „gute Durchlässigkeit“ solle künftig weiter verbessert werden. Das wiederum würde bei Punkt eins – der Entwicklung einer einheitlichen Spielidee – helfen. Und sich zudem langfristig in Punkt drei niederschlagen. Dieser wiederum sieht das sogenannte „Kader-Werte-Management“ vor, worunter die strategische Zusammenstellung des Aufgebots, aber auch, vereinfacht ausgedrückt, das Prinzip „Günstig bekommen, teuer weitergeben“ verstanden werden kann. Etwas, worauf Werder seit jeher angewiesen ist.

„Wenn man sich anschaut, was die ökonomischen Treiber im Fußball sind, dann steht an erster Stelle das Thema Kaderwert“, sagte Weiß. Diesen maximiere man „über die kontinuierliche Weiterentwicklung der Spieler, die sich aktuell im Kader befinden, aber auch durch eine intelligente Transferpolitik, die auch viel mit Scouting zu tun hat“. In beiden Punkten sieht der Aufsichtsrat Frank Baumann trotz des Abstiegs aus der Bundesliga als beste Lösung für die Zukunft an. Was übrigens nur untergeordnet mit der aktuellen Erfolgsserie in der 2. Liga zu tun habe. „Natürlich sind wir alle froh, dass wir diese Erfolge haben. Sie zeigen, dass gute Arbeit geleistet wurde“, sagte Fuchs. Die Entscheidung pro Baumann sei aber nicht daran geknüpft gewesen.

Frank Baumann bleibt Werder Bremen-Sportchef: So hat er den Aufsichtsrat überzeugt

Mithilfe einer auf die Fußballbranche spezialisierten Personalagentur hatte sich das Gremium in den vergangenen Monaten auch mit Alternativen zu Frank Baumann beschäftigt. Zur Erinnerung: Erst im vergangenen Oktober war der Aufsichtsrat des SV Werder Bremen neu gewählt, waren vier von sechs Ämtern neu besetzt worden – keines davon mit ausdrücklicher Fußballexpertise. „Wir wussten alle, dass die Frage nach dem Sportchef die erste große Aufgabe ist, die uns als Gremium bevorsteht. Es war klar, dass wir sie nur professionell bewerkstelligen können, wenn wir uns mit Alternativen auseinandersetzen“, sagte Weiß – und hielt fest: „Wir haben auch andere Namen diskutiert.“ Verhandelt wurde allerdings nur mit Baumann. Weiß: „Frank hat das für uns beste Konzept geboten, auch im Vergleich mit anderen Bewerbern.“

Und so kam es schließlich, dass der 46-jährige Baumann, der das Amt des Sportchefs 2016 von Thomas Eichin übernommen hatte, zum inzwischen dritten Mal seinen Vertrag bei Werder Bremen verlängert hat. „Ich bin demütig in die Gespräche gegangen, weil ich mich nicht wichtiger nehme, als ich bin“, sagte Baumann. Und weiter: „Der Verein steht über allem, ist wichtiger als jeder Spieler, Trainer oder Geschäftsführer.“ Und soll so schnell wie möglich wieder Erfolg haben. Auf die Frage, wo er Werder denn im Jahr 2024 sehe, also dann, wenn sein Kontrakt das nächste Mal endet, antwortete Frank Baumann: „Ich möchte da keinen Tabellenplatz nennen, aber natürlich in der 1. Liga. Wir wollen dort wieder ein beständiges Mitglied sein, so wie wir es über viele Jahre hinweg gewesen sind.“ Beim Thema Wiederaufstieg als offizielles Ziel schon in der laufenden Saison blieb Baumann einmal mehr unkonkret. „Aber dass wir alle sehr ehrgeizig sind, dokumentiert die Mannschaft gerade doch Woche für Woche.“ (dco)

Zwei DeichStube-Reporter, zwei Meinungen zur Vertragsverlängerung von Frank Baumann beim SV Werder Bremen!

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