Frank Baumann bleibt Sportchef des SV Werder Bremen - zwei Reporter, zwei Meinungen zur Vertragsverlängerung.
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Frank Baumann bleibt Sportchef des SV Werder Bremen - zwei Reporter, zwei Meinungen zur Vertragsverlängerung.

Pro und Contra zur Baumann-Vertragsverlängerung

Zwei Reporter, zwei Meinungen zu Frank Baumanns Vertragsverlängerung beim SV Werder Bremen

Bremen - Der SV Werder Bremen hat den Vertrag mit Sportchef Frank Baumann bis 2024 verlängert. Die DeichStube-Redakteure Daniel Cottäus und Malte Bürger kommentieren die Werder-Entscheidung - zwei Reporter, zwei Meinungen.

Daniel Cottäus: Die richtige Entscheidung

Um das direkt vorwegzuschicken: Ja, Frank Baumann ist der Sportchef, unter dessen Führung Werder Bremen aus der Bundesliga abgestiegen ist. Und ja, mit seinen Transfers und Entscheidungen lag Frank Baumann in der Vergangenheit öfter daneben als goldrichtig. Zu rütteln gibt es daran nichts. Werder spielt seit Sommer schließlich nur noch in der 2. Bundesliga – da wäre es grober Unfug, den Manager in irgendeiner Form aus der Verantwortung zu nehmen. Und dennoch ist es eine gute Entscheidung, dass Werder den Vertrag mit dem 46-Jährigen verlängert hat. Warum? Weil Baumann seine Chance genutzt und den Verein nach dem Crash zurück auf den richtigen Weg geführt hat. Werder mischt nach 22 Spieltagen voll mit im Aufstiegsrennen, hat in Marvin Ducksch den derzeit aufregendsten Spieler der Liga sowie insgesamt einen gut funktionierenden Kader. Und – nicht zu vergessen – in Ole Werner einen Trainer, der perfekt zu Stadt und Verein passt. All das ist Baumanns Verdienst. Auch hier wäre es grober Unfug, den Manager in irgendeiner Form aus der Verantwortung zu nehmen.

Frank Baumann ist es im Sommer auf einem schwierigen Transfermarkt gelungen, die teuersten Spieler des Kaders zu guten Preisen zu verkaufen, womit er einen großen Teil zum wirtschaftlichen Überleben des Vereins beigetragen hat. Der Ex-Profi ist nach dem Abstieg trotz zum Teil beißender Kritik der Öffentlichkeit nicht davongelaufen, sondern hat sich im Sinne des Vereins der Aufgabe „Neubeginn“ gestellt. Sicher saß dabei nicht jeder Transfer, was zählt, ist aber die Gesamtbilanz – und die stimmt. Noch mal: Werder Bremen ist im Februar 2022 brandheißer Aufstiegsaspirant. Fest steht: Auch dank Baumanns Handeln ist der Club wieder zur Ruhe gekommen. Fest steht aber auch: Die Tatsache, dass es mit dieser Ruhe schnell wieder vorbei ist und Baumann bei sportlichem Misserfolg sofort wieder in die Schusslinie gerät, hat er bei seiner Vertragsverlängerung mitunterschrieben. (dco)

Werder Bremen verlängert Vertrag von Manager Frank Baumann: Richtige Entscheidung oder Drahtseilakt ins Ungewisse?

Malte Bürger: Ein Drahtseilakt ins Ungewisse

Der Zeitpunkt hätte für Frank Baumann kaum idealer sein können. Lange Zeit wankte Werder Bremen durch die 1. und anfangs auch 2. Bundesliga – und somit völlig zurecht auch der Sportchef in seinem Amt. Seine Verantwortung für den sportlichen Niedergang ist groß, woraus er selbst keinen Hehl macht. Doch jetzt, wo es endgültig um seine berufliche Zukunft ging, bekamen Mannschaft und Verein die Kurve, träumen sie gemeinsam mit den Fans von einer Rückkehr in die deutsche Beletage. Da lässt sich die Meldung von einer Vertragsverlängerung natürlich wesentlich entspannter unters Volk bringen. Und ganz unberechtigt ist sie ja auch nicht. Wer Baumann für seine Fehlentscheidungen der Vergangenheit beschimpft, muss im Gegenzug anerkennen, dass der jetzige Aufschwung auch mit seiner Person zu tun hat. Das eine ist ohne das andere nicht möglich. Eine Absolution erteilt die Verlängerung dem 46-Jährigen deshalb aber noch lange nicht. Dafür ist einfach zu viel falsch gelaufen, hat Werder zu oft eine schlechte Figur abgegeben.

Die jüngeren Erfolge samt Ducksch-Transfer und Werner-Verpflichtung genügen keineswegs, um die vorherigen Mängel aufzuwiegen. Dafür braucht es mehr personelle Volltreffer und insbesondere einen funktionierenden Langzeit-Plan. Der Aufsichtsrat des SV Werder Bremen traut dem Sportchef zu, das bisherige Ungleichgewicht zu beheben. Das ist ehrenhaft, sogar nachvollziehbar, aber auch riskant. Die Bremer verzichten in einer wichtigen Personalfrage abermals auf die Chance einer Neuausrichtung. Stattdessen wird in einem ganz langsam zur Ruhe kommenden Club erneut auf Altbewährtes gesetzt. Das kann funktionieren – oder zum Drahtseilakt mit ungewissem Ausgang werden. Die Kritiker, und davon gibt es zahlreiche, werden jedenfalls nicht leiser werden. Nun liegt es an Frank Baumann, das Vertrauen des Clubs zu bestätigen. Es werden schließlich auch wieder Tage kommen, an denen begeisternde Erfolgsserien nicht die tägliche Arbeit überblenden. (mbü)

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