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Frank Baumann hat am Montag erklärt, was sich der Verein genau von Thomas Schaaf verspricht. 

Technischer Direktor bei Werder

Baumann erklärt Schaafs Aufgaben

Bremen - Frank Baumann hat eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, wie er sich das Werder Bremen der Zukunft vorstellt. Die muss er auch haben, schließlich ist er der Sportchef des Vereins.

Am Montag hat der 42-Jährige nun ein sehr aussagekräftiges Bild gewählt, um diese Vorstellung auch für Außenstehende greifbar zu machen. „Wenn man sich unsere U13, U17, U23 oder die Bundesliga-Mannschaft anschaut, dann soll, noch bevor man das Trikot erkennt, an der Art und Weise des Fußballs zu sehen sein, dass dort Werder Bremen spielt“, sagte Baumann.

Vereinheitlichung der Spielphilosophie, ein Trainingskonzept, das von den Profis bis runter zum Nachwuchs gilt - all das möchte Werder einführen, umsetzen, leben. Und dafür hat Werder eine seiner größten Club-Legenden zurückgeholt: Thomas Schaaf.

„Er wird unsere Ausbildungsqualität erhöhen“

Am 1. Juli fängt der 57-Jährige als Technischer Direktor am Osterdeich an. Es ist eine ebenso sperrige wie nichtssagende Job-Bezeichnung, hinter der sich alle möglichen Aufgaben verbergen könnten. Baumann hat am Montag erklärt, was sich der Verein genau von Schaaf verspricht. 

„Erstmal sind wir froh, dass wir diese Position neu geschaffen haben“, sagte der Manager, „sie soll sicherstellen, dass wir, was Ausbildung und Spielkonzeption betrifft, den nächsten Schritt machen.“ Das sei für Werder ein ganz entscheidender Punkt, um zukunftsfähig zu sein. „Da wir finanziell mit den großen Clubs nicht mithalten können, muss unser Kerngeschäft die Ausbildung sein.“ Schaaf soll helfen, diesen Bereich besser zu machen.

„Er wird unsere Ausbildungsqualität erhöhen“, ist Baumann überzeugt. Schließlich habe der Meistertrainer von 2004 schon während seiner Zeit als Jugendcoach bei Werder die Bremer Grundphilosophie eines „attraktiven, erfolgsorientierten Kombinationsfußball“ mitbegründet. „Er hat den Fußball geprägt, für den Werder lange Zeit stand. Aktuell sind wir auf einem guten Weg, wieder in diese Richtung zu gehen“, sagte Baumann, der großen Wert auf die Feststellung legt, dass Schaaf mit all seiner Strahlkraft keine Gefahr für Cheftrainer Florian Kohfeldt darstellt.

 „Der Bundesliga-Cheftrainer bleibt die wichtigste Person bei Werder Bremen, weil er den Erfolg am entscheidendsten prägt.“ Es sei „komplett ausgeschlossen“, dass Schaaf nochmal auf die Bremer Trainerbank zurückkehrt. „Dafür ist die Position des Technischen Direktor einfach zu wichtig“, hob Baumann hervor.

Schaaf wird seine Tätigkeit für die UEFA fortsetzen

Schaaf wird sich vorrangig um den U-Bereich kümmern, in dem Werder zur neuen Saison erstmals mit acht hauptamtlichen Trainern arbeitet. Neben den Übungsleitern der U23 (zwei), U19, U17, U16 und U15 werden künftig auch die U14- und U13-Mannschaft von Hauptamtlichen betreut. Schaafs Arbeitsplatz wird im Leistungszentrum angesiedelt. Dort steht sein Schreibtisch, hinter dem er aber nicht ständig sitzen wird. „Er wird auch auf den Trainingsplätzen dabei sein“, erklärte Baumann.

Reisen zu den Nachwuchsleistungszentren anderer Vereine seien ebenfalls geplant. Zudem wird Schaaf seine Tätigkeit als Technischer Berater und Trainerausbilder für die UEFA fortsetzen. „So können wir sicherstellen, dass wir, was den Spitzenfußball betrifft, immer auf dem neusten Stand sind“, sagte Baumann - und betonte: „Da können wir viele Erkenntnisse gewinnen, die für unsere eigene Ausbildung wichtig sind.“ Ein Trainer für die Trainer, ja, so könne man Schaafs Rolle nennen, bestätigte Baumann, „wobei mir der Begriff Mentor noch besser gefällt.“

Über die exakte Vertragslaufzeit machte der Sportchef wie üblich keine Angaben, es soll sich aber um einen Dreijahresvertrag handeln. Schaaf hatte mehrfach betont, dass er es als langfristige Aufgabe ansieht. Baumann sagte: „Die Früchte seiner Arbeit wird man erst in ein paar Jahren sehen.“

Geht es nach dem Manager, dann hat Werder bis dahin einen spanischen Touch bekommen. Was merkwürdig klingt, erklärte Baumann wie folgt: „Wenn man sich anschaut, welches Land in den letzten zehn, 15 Jahren die beste Nachwuchsarbeit gemacht hat, dann kommt man neben Deutschland sehr schnell auf Spanien. In den spanischen Clubs sei die Position eines Technischen Direktors gang und gäbe. „Das ist für uns ein sehr gutes Vorbild.“ Eines, dem Werder nun ein Stück näher gekommen ist.

Baumann weiß natürlich auch, dass die Arbeit ab Sommer weiter und in vielen Bereichen nach der Umstrukturierung erst so richtig los geht. „Mein Job ist es, Werder Bremen zukunftsfähig zu machen, dass wir auch in fünf, in zehn Jahren noch im harten Bundesliga-Geschäfts bestehen können. Da müssen wir uns abheben.“ Mit Schaaf sei ein großer Schritt in dieser Richtung getan.

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Thomas Schaaf: Seine Karriere in Bildern

Thomas Schaaf
Schon mit elf Jahren spielt Thomas Schaaf in der Jugend des SV Werder Bremen, sein Bundesliga-Debüt gibt er in der Saison 1978/79 kurz vor seinem 18. Geburtstag. In der Saison 79/80 steigt er mit Werder ab. © imago
Thomas Schaaf
In der Zweiten Liga wird Schaaf zum Stammspieler, steigt nach nur einer Saison wieder auf und wird zur festen Größe in der Bundesliga. 1988 feiert er erstmals die Deutsche Meisterschaft. © imago
Thomas Schaaf
Drei Jahre später folgt mit dem DFB-Pokal der nächste Titel. Schaaf hat in der Saison nur wenige Einsätze, fiebert im Elfermeterschießen von der Bank aus mit. © imago
Thomas Schaaf
Der Pokalsieg läutet die goldene Ära ein, die mit dem Europapokal 1992 ihren Höhepunkt findet. Schaaf kommt im Finale für den verletzten Thomas Wolter ins Spiel. © imago
Thomas Schaaf
In den folgenden Jahren geht es wieder auf den Rathausbalkon: Werder holt 1993 die Schale erneut an die Weser... © imago
Thomas Schaaf
...und im Jahr darauf gibt es eine weitere Gravur auf dem DFB-Pokal. Thomas Schaaf (ganz rechts) ist da schon seltener auf dem Platz zu finden. 1995 beendet er seine Karriere nach 262 Bundesligaspielen. © imago
Thomas Schaaf
Auch nach dem Karriereende bleibt er dem Verein treu, wird erst Jugendtrainer und übernimmt 1999 kurz vor Saisonende die Profis. Er rettet die Mannschaft vor dem Abstieg und gewinnt einen Monat später seinen dritten Pokal – sein erster Titel als Trainer. © imago
Thomas Schaaf
2004 schafft er dann, was zuvor noch keinem bei Werder gelang: Seine Mannschaft holt zuerst die Meisterschaft... © nordphoto
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...und dann noch den Pokal in die Hansestadt. Trainer Schaaf wird als Double-Coach zur Legende. © nordphoto
Thomas Schaaf
Zusammen mit Sportchef Klaus Allofs, seinem ehemaligen Teamkollegen, prägt er ein erfolgreiches Jahrzehnt der Grün-Weißen. © nordphoto
Thomas Schaaf
In dieser Zeit ist Werder Bremen Dauergast im internationalen Wettbewerb. Trainer Schaaf kleidet sich dem Anlass entsprechend. © nordphoto
Thomas Schaaf
Seinen letzten Titel holt er 2009: Bremen verliert zwar das Finale des UEFA-Cups, geht aber zehn Tage später in Berlin als Sieger vom Platz. © nordphoto
Thomas Schaaf
Als 2013 die Erfolge nach zwei schwierigen Spielzeiten ganz ausbleiben, trennt sich der Verein schließlich nach 14 Jahren von Thomas Schaaf. Länger war nur Otto Rehhagel bei Werder im Amt. © nordphoto
Thomas Schaaf
Nach nur einem Jahr kehrt Schaaf jedoch in die Bundesliga zurück. Es folgen kurze Anstellungen bei Eintracht Frankfurt (2014/15)... © nordphoto
Thomas Schaaf
...und Hannover 96 (2015/16). Nach knapp vier Monaten wird er von den Niedersachsen beurlaubt. Es ist seine bisher letzte Trainerstation. © nordphoto
Thomas Schaaf
Bei der EM 2016 ist er dann als Beobachter für die UEFA tätig. Im Oktober 2017 ist Thomas Schaaf im Gespräch als Kandidat für den geplanten Posten des Technischen Direktors bei seinem Heimatklub Werder Bremen. © Gumz
Seit dem 30. April 2018 ist klar: Thomas Schaaf kehrt zum SV Werder zurück und besetzt ab dem 1. Juli die Position des Technischen Direktors.
Seit dem 30. April 2018 ist klar: Thomas Schaaf kehrt zum SV Werder zurück und besetzt ab dem 1. Juli die Position des Technischen Direktors. © gumzmedia

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