Ein Bild vergangener Tage: Gladbach-Manager Max Eberl im Gespräch mit Frank Baumann, Sportchef des SV Werder Bremen.
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Ein Bild vergangener Tage: Gladbach-Manager Max Eberl im Gespräch mit Frank Baumann, Sportchef des SV Werder Bremen.

Druck & Belastung im Profi-Fußball

Nach Max Eberls Rücktritt in Gladbach: Werder-Sportchef Baumann hat „allergrößten Respekt“

Bremen - Der emotionale Rücktritt von Max Eberl als Sportchef von Borussia Mönchengladbach ist seit Tagen das vorherrschende Thema in Fußball-Deutschland. „Die Person Max Eberl ist erschöpft und müde“, hatte der 48-Jährige auf einer denkwürdigen Pressekonferenz mit stockender Stimme gesagt: „Ich habe die Kraft nicht mehr, die dieser Job erfordert. Ich bin müde. Ich will raus.“ In beeindruckender Offenheit berichtete Eberl von seiner Erschöpfung, die die Entscheidung für ihn letztlich alternativlos machte. „Dafür gebührt Max der allergrößte Respekt“, betont Werder Bremens Sportchef Frank Baumann im Gespräch mit der DeichStube. Der 46-Jährige kennt Eberl seit vielen Jahren - und weiß selbst, wie groß Druck und Belastung im Profifußball werden können.

„Es ist überragend, was Max Eberl in den vergangenen Jahren in Gladbach aufgebaut hat und genauso, dass er dabei immer Mensch geblieben ist. Davor kann man nur den Hut ziehen“, sagt Eberls Pendant beim SV Werder Bremen, Frank Baumann. Gleiches gelte ausdrücklich für Eberls Entscheidung, nun Schluss zu machen.

Werder Bremen-Sportchef Frank Baumann zollt Gladbachs Max Eberls großen Respekt: „Vor ihm kann man nur den Hut ziehen“

Erwartungshaltung, Schnelllebigkeit, Druck - all das nimmt gesamtgesellschaftlich, so empfinden es viele Menschen, seit Jahren immer mehr zu. Für eine Branche wie den Profifußball, die tagtäglich unter dem Brennglas der öffentlichen Beobachtung und Bewertung steht, gilt das in besonderem Maße. Er sei „ein ganz gutes Beispiel dafür, was auf der Welt passiert“, sagte Max Eberl und spielte damit auf die Gerüchte an, die am Vorabend der Rücktritts-Pressekonferenz rund um seine Person aufgekommen waren: „Was in 24 Stunden gemacht wird, was gesprochen wird und spekuliert wird, das ist das, was mich krank macht. Ich beende was, was mir sehr viel Freude und Spaß bereitet hat, weil Fußball mein Leben ist, meine Freude. Viele Dinge drumherum sind nicht mehr meine Freude und mein Spaß.“ 23 Jahre lang hatte Max Eberl so gut wie durchgearbeitet für seinen Verein Borussia Mönchengladbach. Nun geht es einfach nicht mehr.

„Die Arbeit eines Sportchefs oder Managers ist nicht mehr mit der in früheren Zeiten vergleichbar“, sagt Frank Baumann, der sich deshalb seit Jahren schon Auszeiten in unregelmäßigen Abständen verordnet, „um zur Ruhe zu kommen und Zeit für die Familie zu haben“. Vor dem Ende seiner aktiven Profilaufbahn hatte lange festgestanden, dass der Kapitän von Werder Bremens Double-Mannschaft nach der Zeit als Spieler ins Management des Vereins aufsteigt. Auf Baumanns Wunsch hin geschah das im Sommer 2009 aber nicht direkt nach dem letzten Spiel, sondern erst nach einer halbjährigen Pause, ehe er am 1. Januar als Assistent der Geschäftsführung anfing.

Werder Bremen-Sportchef Frank Baumann will Vertrag verlängern und mit spätestens 50 eine Auszeit nehmen

Zu Auszeit Nummer zwei kam es im Sommer 2015. Frank Baumann war bei Werder Bremen inzwischen als Direktor Profifußball und Scouting beschäftigt, zog sich ein Jahr lang zurück und stieg im Mai 2016 als Geschäftsführer Sport wieder ein. Bis heute bekleidet er diesen Posten. Aktuell verhandelt er mit dem Aufsichtsrat um eine Verlängerung des auslaufenden Vertrags - mit einem klaren Ziel: Baumann möchte gerne bei Werder weitermachen, wie er am Wochenende gegenüber der DeichStube sagte. Seine nächste Auszeit hat er aber trotzdem schon fest eingeplant.

Spätestens im Alter von 50 Jahren möchte sich Frank Baumann abermals aus der Branche zurückziehen. An diesem Plan, den er bereits 2019 öffentlich gemacht hatte, hält er weiterhin fest. „Ich mache das maximal, bis ich 50 bin“, hatte der heute 46-Jährige damals gesagt. Und: „Für mich ist definitiv klar, dass ich dann eine Auszeit von einem Jahr nehmen werde. Das ist mit allen Beteiligten so besprochen.“ (dco)

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