Frank Baumann (li.) und Patrick Erras: Beide Wege führten aus Nürnberg zum SV Werder Bremen.
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Frank Baumann (li.) und Patrick Erras: Beide Wege führten aus Nürnberg zum SV Werder Bremen.

Auf den Spuren des Werder-Sportchefs

Entdecker, Werdegang, Spielstil: Die Parallelen zwischen Werder-Sportchef Baumann und Patrick Erras sind groß

Bremen – Frank Baumann hat damals, im Sommer 2013, wirklich alles gegeben. Hat das Weserstadion gezeigt, das Trainingsgelände präsentiert und sogar eine Stadtführung durch Bremen angeboten – letztlich waren die Mühen des damaligen Scoutingchefs von Werder Bremen aber allesamt vergebens: Patrick Erras wollte einfach nicht.

Gemeinsam mit seinem Bruder war das Talent des 1. FC Nürnberg in den Norden gereist, um sich bei Werder Bremen alles ganz genau anzusehen, immerhin lag ihm ein konkretes Angebot des Vereins vor. „Wir waren schon damals sehr an Patrick interessiert und wollten ihn für unsere U19 haben“, verrät der heutige Werder-Sportchef Frank Baumann im Gespräch mit der DeichStube. Sieben Jahre nach der Absage von einst haben beide Seiten nun doch noch zusammengefunden: Erras spielt in der neuen Bundesligasaison für Werder – und kann sich dabei von Tag eins an einer Vertrauensperson im Verein sicher sein: Frank Baumann. Erstaunlich zahlreich sind die Parallelen zwischen beiden Männern. Man könnte auch sagen: Patrick Erras wandelt auf den Spuren des Sportchefs.

Werder Bremen: Patrick Erras kämpfte mit Nürnberg um den Abstieg

Um mit dem Offensichtlichsten zu beginnen: Beide Spieler wechselten aus Nürnberg nach Bremen. Baumann im Sommer 1999, Erras 21 Jahre später im Sommer 2020. Zuvor waren sie beim „Club“ beide von Ex-Profi Reinhold Hintermaier entdeckt und gefördert worden. „Nachdem mir Patrick erstmals bei einem U17-Spiel der Nürnberger gegen Stuttgart aufgefallen war, habe ich mit Reinhold immer mal wieder über ihn gesprochen“, berichtet Baumann, der Erras auch deshalb nie aus den Augen verlor, auf das heimatverbundene Talent aber dennoch warten musste. 

Genau wie Baumann wagte der jetzige Neu-Bremer erst mit Mitte 20 – Patrick Erras ist im Januar 25 Jahre alt geworden – den Sprung zu einem anderen Verein. Und zwar ebenfalls nach einer Saison, in der es für die Nürnberger sportlich um die Existenz gegangen war. 

Während Erras mit dem „Club“ jüngst den Abstieg in die 3. Liga erst in der Relegation gegen Ingolstadt verhinderte (und dabei im Rückspiel sogar das entscheidende Tor vorbereitete), ging die Sache für Baumann im Sommer 1999 nicht gut aus: Am letzten Spieltag stieg der „Club“ aufgrund des schlechteren Torverhältnisses ab – und Baumann hatte mit einer vergebenen Riesenchance im Spiel gegen Freiburg die Rettung verpasst.

Frank Baumann wechselte als Absteiger zu Werder Bremen

„Ja, auch bei mir war es damals knapp“, schmunzelt der Sportchef, der letztlich als Absteiger nach Bremen wechseln musste. Nachdem er – noch so eine Parallele zu Erras – Werder 1996 nach einem Besuch im Weserstadion zunächst noch einen Korb gegeben und sich für einen Verbleib in Nürnberg entschieden hatte. Zwei Männer, ein Weg. Geht das so weiter, müsste Patrick Erras mit Werder Bremen 2025 das Double gewinnen und 2037 Sportchef des Vereins werden. Doch selbst wenn nicht: Davon, dass sie in Bremen viel Freude mit dem 1,96-Meter-Mann haben werden, ist Baumann felsenfest überzeugt.

„Es kann gut sein, dass er zunächst als Herausforderer in die Saison starten muss, aber wenn wir ihm die Bundesliga nicht dauerhaft zutrauen würden, hätten wir ihn ja nicht geholt“, sagte der 44-Jährige. 

Werder Bremen: Patrick Erras mit Defizit in Sachen Geschwindigkeit 

Mit seiner robusten Spielweise und Übersicht am Ball könnte Erras dem Bremer Spiel im defensiven Mittelfeld tatsächlich Stabilität verleihen. Allerdings gibt es bei ihm auch dieses Defizit in Sachen Geschwindigkeit, für das schon zwei von Werders Sechsern aus der vergangenen Saison – Nuri Sahin und Philipp Bargfrede – häufig kritisiert wurden. „Auf der Position im Zentrum sind andere Attribute entscheidend“, sagt Baumann und nennt das Stellungsspiel und die Fähigkeit zur Antizipation. Und außerdem habe es in Werders Geschichte ja durchaus den einen oder anderen Sechser gegeben, „der nicht unbedingt als Sprinter bekannt war“. Stimmt. Dieter Eilts etwa. Oder Mirko Votava. Und darüber hinaus noch jemanden, der diese Schwäche mit Erras teilte. Nur den Namen, den nannte Frank Baumann lieber nicht... (dco)

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