Markus Anfang, Ex-Trainer des SV Werder Bremen, sprach im ZDF-Sportstudio über den Impfpass-Skandal. Seine Entschuldigung akzeptierte Werder-Sportchef Frank Baumann.
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Markus Anfang, Ex-Trainer des SV Werder Bremen, sprach im ZDF-Sportstudio über den Impfpass-Skandal. Seine Entschuldigung akzeptierte Werder-Sportchef Frank Baumann.

Werder-Manager bezieht Stellung

Impfpass-Betrug bei Werder Bremen: Frank Baumann nimmt Markus Anfangs Entschuldigung an

Bremen – Vier Monate nach seinem Impfpass-Betrug hat sich Markus Anfang in mehreren Interviews bei seinem ehemaligen Arbeitgeber SV Werder Bremen ausdrücklich für sein Fehlverhalten entschuldigt – und dabei unter anderem auch Frank Baumann namentlich genannt. Der Sportchef erklärt nun auf Nachfrage der DeichStube: „Ich möchte erstmal nur für mich persönlich sprechen, und da nehme ich seine Entschuldigung an. Was Markus in den Interviews gesagt hat, ist für mich glaubhaft. Er hat seinen Fehler eingestanden und bereut es. Das ist für mich die Grundvoraussetzung.“

Vor vier Monaten war Markus Anfang mit seinem gefälschten Impfpass aufgeflogen – genauso wie sein Co-Trainer Florian Junge. Die Staatsanwaltschaft ermittelte, der 47-Jährige bestritt zunächst noch sämtliche Vorwürfe, trat dann aber zurück. Das Amtsgericht Bremen hat ihn zu einer Geldstrafe in Höhe von 36 000 Euro verdonnert. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) belegte den ehemaligen Trainer des SV Werder Bremen mit einem einjährigen Berufsverbot (ab 10. Juni auf Bewährung) sowie mit einer Geldstrafe in Höhe von 20.000 Euro.

Am Samstagabend äußerte sich Markus Anfang erstmals öffentlich zu seinem Vergehen. „Ich möchte mich für das, was ich gemacht habe, einfach offiziell entschuldigen. Ich bin meiner Vorbildfunktion in keiner Weise gerecht geworden. Ich habe viele Menschen, die viel Vertrauen in mich gesetzt haben, die mich unterstützt haben, enttäuscht. Ich habe sie belogen. Ich habe meiner Familie einen großen Schaden zugefügt, was mir auch wahnsinnig wehtut. Und zu guter Letzt möchte ich mich natürlich auch bei Werder Bremen entschuldigen“, sagte der Trainer im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF. Als Grund für sein Verhalten nannte er den Druck, als Ungeimpfter stets für 14 Tage in Quarantäne zu müssen, wenn eine Kontaktperson positiv getestet worden wäre. Er fürchtete, dass Werder dies als Arbeitgeber bei einem leitenden Angestellten dauerhaft nicht akzeptieren könne.

Werder Bremen und der Impfpass-Skandal: Markus Anfang hat „große Angst vor der Impfung“

„Werder war eine Riesenchance für mich“, sagte Anfang. Er habe total an seinem Job gehangen. Hinweise, dass sein Posten in Gefahr sei, habe er allerdings nicht erhalten. Und Frank Baumann betont auch, dass von Vereinsseite kein Druck aufgebaut worden sei. Trotzdem entschied sich Anfang, eine Impfung gegen Corona vorzutäuschen, ein Piks in den Arm sei für ihn auch weiterhin undenkbar. „Ich habe große Angst vor der Impfung. Ich kämpfe immer noch gegen diese Angst. Ich habe mit vielen Ärzten gesprochen. Es kann mir kein Arzt die Angst nehmen, dass mir nicht auch so etwas passiert“, sagte Anfang und spielte damit auf Herzprobleme innerhalb seiner Familie an. Er selbst habe schon einmal eine Herzmuskelentzündung gehabt. Noch schlimmer hatte es seinen Vater erwischt, der während eines Spiels, bei dem Markus Anfang als Trainer des 1. FC Köln am Spielfeldrand stand, einen Herzinfarkt erlitten hatte. „Mein Vater musste neun Mal wiederbelebt werden“, erzählte Anfang. Diese Bilder würden ihm nicht mehr aus dem Kopf gehen. Herzmuskelentzündungen können als Nebenwirkung nach einer Impfung auftreten, sind aber sehr selten.

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„Gerade Ängste muss man sehr ernst nehmen“, betont Baumann, fügt aber sogleich an: „Allerdings ist er damit falsch umgegangen.“ Gesprächsangebote hätte es ausreichend gegeben, auch von den Medizinern des Clubs. Dank seines gefälschten Impfausweises, über dessen Herkunft Anfang nichts sagte, musste er dann nicht mehr an den im Hygienekonzept der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vorgeschriebenen regelmäßigen Corona-Tests für Ungeimpfte teilnehmen. „Ich habe mich jeden Morgen selbst getestet“, behauptete Anfang: „Ich habe wirklich alles getan, dass kein positiver Fall vorkam.“ Dazu gehörte allerdings auch der für Ungeimpfte verbotene Besuch einer großen Karnevalsveranstaltung in Köln an Weiberfastnacht.

Werder Bremen: Frank Baumann erwartet, dass Markus Anfang „ab Sommer wieder als Trainer arbeiten wird“

Dass ihn Markus Anfang nach Bekanntwerden der Vorwürfe erst noch belogen habe, wirft ihm Frank Baumann nun nicht mehr vor. Obwohl er selbst jede Menge Kritik dafür einstecken musste, dass er sich öffentlich vor den Trainer stellte, um dann wenige Stunden später zurückzurudern. „Natürlich war ich sehr enttäuscht von ihm, aber man sollte sich auch immer in die Lage des anderen versetzen“, so der 46-Jährige. Allerdings möchte er darüber gerne noch ausführlich mit Anfang sprechen. „Wir hatten zuletzt ein paar Mal per WhatsApp schriftlichen Kontakt, wollten für weitere Gespräche aber erst den Abschluss der Verfahren abwarten“, so der Sportchef des SV Werder Bremen. Der Zeitpunkt ist nun gekommen.

Markus Anfang hofft natürlich, dass er irgendwann in seinen Job als Trainer zurückkehren kann. Und Baumann glaubt nicht, dass der Ex-Profi darauf lange warten muss: „Ob er eine zweite Chance als Trainer verdient hat, muss jeder Verein für sich bewerten. Ich glaube aber, dass Markus ab Sommer wieder als Trainer arbeiten wird.“ (kni)

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