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Sportchef Frank Baumann hat Trainer Alexander Nouri entlassen und ist nun auf der Suche nach einem neuen Werder-Coach.

Plädoyer für Kohfeldt nach Nouri-Entlassung

Baumanns Trainer-Roulette: Alles ist möglich

Bremen - Nach der Entlassung von Alexander Nouri ist Werder Bremen auf Trainersuche. Interimstrainer Florian Kohfeldt könnte eine Dauerlösung werden. Aber Sportchef Frank Baumann hält sich alle Möglichkeiten offen.

Da war sie wieder – diese typische Werder-Reaktion: Probleme werden erstmal intern gelöst. So präsentierte Sportchef Frank Baumann am Montag nach der Entlassung von Chefcoach Alexander Nouri nicht einen externen Nachfolger, sondern in Florian Kohfeldt den eigenen U23-Trainer. Dazu noch Double-Gewinner Tim Borowski als Co-Trainer. Sie sollen Werder fit machen für das Bundesliga-Spiel am Freitag in Frankfurt. Und dann? „Ich hätte kein Problem mit einer Dauerlösung Kohfeldt“, sagte Baumann, kündigte aber zugleich Gespräche mit anderen Kandidaten an.

Das könnten auch Trainer sein, die noch woanders unter Vertrag stehen, betonte Baumann. Bei Werder ist also alles möglich. Baumann will sich Zeit nehmen. „Die Entscheidung über unseren künftigen Bundesligatrainer ist eine ganz wichtige“, merkte er an. Auch deswegen wählte er auch die Interimslösung mit Kohfeldt. Gleichzeitig sei der ehemalige Co-Trainer von Viktor Skripnik am besten geeignet, die Mannschaft in der kurzen Zeit bis zum nächsten Spiel am Freitag bei Eintracht Frankfurt (20.30 Uhr) vorzubereiten.

Wer könnte Nouri-Nachfolger werden?

Florian Kohfeldt
Florian Kohfeldt. Geburtsdatum: 5. Oktober 1982. Eigentlich Coach bei Werder Bremen II. Nach Entlassung von Nouri ist er Interimstrainer der Profis. © nordphoto
Bruno Labbadia
Bruno Labbadia. Geburtsdatum: 08.02.1966. Letzter Verein: Hamburger SV. Arbeitslos seit: September 2016. © nordphoto
Thomas Schaaf
Thomas Schaaf. Geburtsdatum: 30. April 1961. Letzter Verein: Hannover 96. Arbeitslos seit: April 2016. © imago
Rene Weiler
Rene Weiler. Geburtsdatum: 30. September 1973. Letzter Verein: RSC Anderlecht. Arbeitslos seit: September 2017.  © imago
Tayfun Korkut
Tayfun Korkut. Geburtsdatum: 02.04.1974. Letzter Verein: Bayer 04 Leverkusen. Arbeitslos seit: Juli 2017. © nordphoto
Jos Luhukay
Jos Luhukay. Geburtsdatum: 13.06.1963. Letzter Verein: VfB Stuttgart. Arbeitslos seit: September 2016. © nordphoto
Armin Veh
Armin Veh. Geburtsdatum: 01.02.1961. Letzter Verein: Eintracht Frankfurt. Arbeitslos seit: März 2016. © nordphoto
Markus Weinzierl
Markus Weinzierl. Geburtsdatum: 28.12.1974. Letzter Verein: Schalke 04. Arbeitslos seit: Juli 2017. © nordphoto
Mike Büskens
Mike Büskens. Geburtsdatum: 19.03.1968. Letzter Verein: FC Schalke 04 (Berater), Rapid Wien (Trainer). Arbeitslos seit: April 2017 (November 2016). © imago
Michael Frontzeck
Michael Frontzeck. Geburtsdatum: 26.03.1964. Letzter Verein: Hannover 96. Arbeitslos seit: Dezember 2015. © imago
Jürgen Klinsmann
Jürgen Klinsmann. Geburtsdatum: 30.07.1964. Letzter Posten: Nationaltrainer USA. Arbeitslos seit: November 2016. © imago
Torsten Lieberknecht
Torsten Lieberknecht. Geburtsdatum: 01.08.1973. Aktuell Trainer bei Eintracht Braunschweig, Vertrag bis Juni 2020. © imago
André Schubert
André Schubert. Geburtsdatum: 24.07.1971. Letzter Verein: Borussia Mönchengladbach. Arbeitslos seit: Dezember 2016. © imago
Dirk Schuster
Dirk Schuster. Geburtsdatum: 29.12.1967. Letzter Verein: FC Augsburg. Arbeitslos seit: Dezember 2016. © imago
Mirko Slomka
Mirko Slomka. Geburtsdatum: 12.09.1967. Letzter Verein: Karlsruher SC. Arbeitslos seit: April 2017. © imago
Paulo Sousa
Paulo Sousa. Geburtsdatum: 30.08.1970. Letzter Verein: AC Florenz. Arbeitslos seit: Juli 2017. © imago
Holger Stanislawski
Holger Stanislawski. Geburtsdatum: 26. September 1969. Letzter Verein: 1. FC Köln. Arbeitslos seit: Juli 2013. © imago
Valerien Ismael
Valerien Ismael. Geburtsdatum: 28. September 1975. Letzter Verein: VfL Wolfsburg. Arbeitslos seit: März 2017. © nordphoto
Marcel Koller
Marcel Koller. Geburtsdatum: 11. November 1960. Letzter Posten: Österreich Nationalteam. Arbeitslos seit: März 2017. © imago
Jeff Saibene
Jeff Saibene. Geburtsdatum: 13.09.1968. Aktuell Trainer bei Arminia Bielefeld, Vertrag bis Juni 2019. © nordphoto
Lucien Favre
Lucien Favre. Geburtsdatum: 2. November 1957. Aktuell Trainer bei OGC Nizza, Vertrag bis Juni 2019.  © nordphoto
Andreas Herzog
Andreas Herzog. Geburtsdatum: 10. September 1968. Letzter Posten: Co-Trainer USA. Arbeitslos seit: November 2016. © nordphoto

„Florian kennt die meisten Spieler“, sagte Baumann und hielt dann ein wahres Plädoyer für den erst 35-Jährigen: „Er hat bei uns im Verein schon sehr lange eine sehr hohe Wertschätzung. Er hat die U23 in der Liga gehalten, das war nicht einfach. Er kann Spieler weiterentwickeln. Er hat eine klare Ansprache. Er ist ein intelligenter, junger, innovativer Trainer.“ Viele dieser Eigenschaften wiederholte Baumann wenig später, als er das Profil des künftigen Cheftrainers beschreiben sollte.

Kohfeldt ist ein echter Kandidat. Und er hat auch keine Sekunde gezögert, den Schritt an die vorderste Front des Traditionsclubs zu wagen. „Florian hat keine Angst vor der Aufgabe, er traut sich das absolut zu. Er war sofort bereit, das zu machen“, berichtete Baumann. In der Nacht von Sonntag auf Montag hatte er ihn informiert. Da war die Entscheidung gegen Nouri gefallen - getroffen von der Geschäftsführung in Absprache mit dem Aufsichtsrat und speziell dessen Vorsitzendem Marco Bode. Gleichzeitig wurde vereinbart, dass parallel der Trainermarkt sondiert wird.

Baumanns Grundprinzip im Kontakt mit externen Trainern

„Es werden auch Gespräche geführt“, verriet Baumann und stellte dabei klar, dass er als Sportchef das Heft des Handelns in den Händen hält. Bode würde erst auf der Zielgeraden einer Entscheidung in Kontakt mit Kandidaten treten, wenn dies nötig sei, so Baumann. Und der Weg sei durchaus noch weit. „Natürlich haben wir immer den Trainermarkt im Blick und auch eine Liste“, sagte Baumann: „Aber es ist ein Grundprinzip von mir, niemals einen anderen Trainer konkret zu kontaktieren, wenn der alte Trainer noch im Amt ist. Das kann man mir gerne vorwerfen, aber so mache ich das.“ Genauso sei es für ihn selbstverständlich, „unseren Trainer bis zum letzten Moment zu stärken und kein Stück von seiner Seite zu weichen“.

Dabei seien die Zweifel an Nouri in den vergangenen Wochen immer mehr gewachsen. „Wir hatten gehofft, dass uns ein Erfolgserlebnis die Wende bringt“, sagte Baumann. Aber die Tatsache, dass dem 1:0-Erfolg im Pokal eine desolate Leistung wie beim 0:3 gegen Augsburg folgte, habe letztlich keine andere Wahl als die Entlassung zugelassen. Die Überzeugung, es in dieser Konstellation zu schaffen, sei nicht mehr vorhanden gewesen. „Wir haben gerade im Spiel nach vorne keine Lösungen gefunden“, nannte Baumann ein Beispiel, warum Nouri und sein Co-Trainer Markus Feldhoff gehen mussten.

„Es ist nachvollziehbar“, sagte Feldhoff kurz nach seiner Entlassung auf dem Weg zu seinem Auto und bewies damit bemerkenswerte Größe: „Ich gehe als Werder-Fan, das ist ein toller Verein.“ Auch Nouri äußerte sich später via Facebook. „Ich hätte gerne weitergemacht“, schrieb er dabei: „Ein Teil von mir wird immer grün-weiß bleiben.“

Nach nur gut einem Jahr gibt es bei Werder nun schon wieder einen Neuanfang. Den vierten nach dem Ende der Ära Thomas Schaaf 2013. Ob es bei Kohfeldt bleibt, würde angeblich nicht vom Ergebnis am Freitag in Frankfurt abhängen, behauptete Baumann. Es würden alle Möglichkeiten geprüft - zum Beispiel auch das Herauskaufen eines Trainer aus einem laufenden Vertrag. „Das kann dauern, weil es korrekt laufen muss“, erklärte Baumann.

Kohfeldt streicht den freien Dienstag

Der Sportchef erweiterte damit ganz geschickt den Kreis der Kandidaten. Denn neben den arbeitslosen Trainern wie zum Beispiel Bruno Labbadia, Markus Weinzierl, Andre Schubert, Marcel Koller und Rene Weiler kommen nun auch Fußballlehrer wie Torsten Lieberknecht infrage. Der Coach von Eintracht Braunschweig war vor einem Jahr schon mal ein Kandidat, wollte damals aber nicht weg. Möglicherweise ist das nun anders.

Baumann hat in den nächsten Tagen viel zu tun. Genauso wie Kohfeldt. Der Interimscoach strich den freien Dienstag, will an diesem Tag und am Mittwoch jeweils geheim üben. Am Mittwoch stellt er sich auf einer Pressekonferenz erstmals den Fragen der Medien, am Donnerstag dann auch bei einer öffentlichen Einheit den Fans. Am Freitag wird es ernst für ihn und Werder mit dem Gastspiel in Frankfurt.

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