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Viel Taktik, System und Aufbau stand am Dienstagnachmittag auf dem Trainingsplan.

Videos, Einzelgespräche und Selbstkritik – es geht um Werders Zukunft

„Freak“ Kohfeldt lässt nicht locker

Bremen. Diese 1:2-Niederlage in Hannover – sie liegt nun schon vier Tage zurück. Und danach schenkte der Wettergott ganz viel Sonne für die Seele, doch das Leben von Werder-Coach Florian Kohfeldt hat das nicht wirklich süßer gemacht, er ist immer noch sauer.

„Irgendetwas war in Hannover anders“, sagt der 35-Jährige am Dienstagmittag: „Ich suche danach, ich will das nicht akzeptieren. Da bin ich ein bisschen auch ein Freak.“ Der Trainer lässt nicht locker, will unbedingt verhindern, dass Werder diese Saison ausklingen lässt. Deshalb gibt es zum Start in die Trainingswoche längere Videos und mehr Einzelgespräche als sonst. Dazu rücken die Führungsspieler noch mehr in den Fokus.

„Alles, was wir jetzt tun, hat Auswirkungen auf die nächste Saison“, betont Kohfeldt. Es geht mal wieder um diese Gier nach Siegen, die der Coach seit seiner Amtsübernahme Ende Oktober der Mannschaft einimpft. Dieser absolute Siegeswille war in der ersten Halbzeit von Hannover nicht zu erkennen. Ganz überraschend ist das nicht bei einem Team, das den Klassenerhalt nach einem langen Kampf quasi sicher hat. Da wird dann gerne mal der Schritt weniger gemacht. 

Doch auf diese Mentalitätsfrage allein will es Kohfeldt nicht reduzieren, er mag nicht mal von einer mangelhaften Einstellung sprechen. Er wählt einen anderen, einen sehr interessanten Weg. Er stellt sich quasi mit auf den Platz, macht sich mitverantwortlich für die Niederlage in Hannover. Dabei könnte Kohfeldt auch sagen, die Mannschaft habe die Taktik nicht richtig umgesetzt. Schließlich hat ihn der Club gerade erst vor einer Woche mit einem Drei-Jahresvertrag ausgestattet, weil er die Mannschaft so verbessert hat. Da kann es doch eigentlich gar nicht an ihm liegen. Aber bei Kohfeldt klingt das dann so: „Vielleicht brauchen wir auch andere Lösungen auf dem Platz. Da hinterfragen wir uns als Trainerteam.“

„Für mich ist die Situation auch neu“

Selbstzweifel seien das freilich nicht, betont Kohfeldt. Das gehöre schlichtweg zur Entwicklung einer Mannschaft und auch eines Trainers dazu. „Ja, für mich ist die Situation auch neu“, gesteht Kohfeldt. Es ist seine erste Station als Chefcoach eines Bundesligisten. Er hat die Mannschaft Ende Oktober mit nur fünf Punkten nach zehn Spielen übernommen – mitten im Abstiegskampf. Den will er offiziell auch noch nicht für beendet erklären. „Unsere Ausgangslage ist nicht schlecht, aber es ist nicht vorbei.“ Neun Punkte Vorsprung hat Werder auf den Relegationsplatz – bei nur noch fünf Spielen. Da ist der Abstand Richtung Europa mit nur sieben Zählern geringer. Aber davon will Kohfeldt nach der Niederlage in Hannover schon mal gar nicht reden.

Werder-Trainer Florian Kohfeldt erlebte in Hannover, was er nicht erleben wollte: „Wir hatten einen schlechten Tag, und das ärgert mich maßlos."

Irgendwann einmal soll es für Werder dort wieder hingehen. Und dafür bereitet der Trainer weiter das Fundament. „Ich will das vorleben, immer weiterzumachen“, sagt er. Die Führungsspieler sollen ihm dabei helfen. Mit ihnen - und da zählt er Max Kruse, Niklas Moisander, Zlatko Junuzovic, Philipp Bargfrede, Maximilian Eggestein und Jerome Gondorf auf wird er in diesen Tagen besonders viel sprechen. „Ich knöpfe mir aber niemanden vor oder nehme jemanden in die Pflicht“, erklärt Kohfeldt: „Das ist ein Austausch.“ Die Mannschaft soll schließlich eine Eigendynamik entwickeln, dieses Streben nach Erfolg fest verankern – und sich gerade auf dem Platz, wenn es mal nicht so läuft, selbst helfen.

Dafür sind die nächsten fünf Wochen extrem wichtig. Es geht um die Zukunft des Vereins, ob dieses Kohfeldt'sche Denken sich wirklich verfestigt. Erfolge wären dabei natürlich schön. „Aber ich kann bei den anstehenden Gegnern doch nicht sagen, jetzt gewinnen wir vier Mal“, findet Kohfeldt. Nach dem Heimspiel am Sonntag gegen Leipzig geht es noch nach Stuttgart, gegen Dortmund und Leverkusen sowie schließlich noch nach Mainz. Mit Ausnahme von Stuttgart kämpfen alle Gegner noch um lukrative Plätze oder wie Mainz ums Überleben. 

Das werden knallharte Partien bis zur Sommerpause. Hat Werder noch die Kraft dafür – physisch und psychisch? Es ist Kohfeldt und seinem Team durchaus anzumerken, dass der Abstiegskampf seine Spuren hinterlassen hat. „Natürlich freue ich mich auf die Phase, am Strand zu liegen und mir nur etwas von meiner Frau und von meiner Tochter sagen zu lassen“, gesteht Kohfeldt, grinst und fügt dann ganz ernst an: „Aber alles zu seiner Zeit. Jetzt dürfen wir als Verein nicht zufrieden sein. Wir müssen uns jeden Tag sagen, dass wir uns weiterentwickeln wollen und entsprechend arbeiten. Sonst wird das auf Dauer nichts.“

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