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Trainer Friedhelm Funkel (l.) schätzt die Arbeit von Florian Kohfeldt, dem Kollegen von Werder Bremen.

Klemm-Brett vor Werder-Spiel gegen Düsseldorf

Fortuna-Trainer Funkel im Interview: „Lebenslang Grün-Weiß trifft auf ihn zu“

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Expertise rund um Werder Bremen, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 1. Spieltag geht es um Fortuna Düsseldorf.

Seit Frühjahr 2016 betreut Friedhelm Funkel Fortuna Düsseldorf – es ist bereits seine elfte Trainerstation. Der 65-Jährige steht noch bis Ende dieser Saison unter Vertrag. Seine Prognose für die neue Bundesliga-Spielzeit, seine Meinung über den ersten Gegner Werder Bremen und dessen Coach Florian Kohfeldt hat er nun im Gespräch mit der DeichStube verraten.

Herr Funkel, Ihr Kollege Florian Kohfeldt ist als Trainer des Jahres ausgezeichnet geworden. Sie galten auch als Kandidat. Ist die Wahl gerecht?

Ich bin doch auch zum Trainer des Jahres gewählt worden, vom Magazin „11 Freunde“. Florian hat bei der Wahl durch den DFB gewonnen. Also dürfen wir uns beide freuen. Ich denke, nach der vergangenen Saison sind beide Wahlen gerechtfertigt.

Sie gehören zur Generation der älteren Trainer, Kohfeldt ist ein Vertreter der jungen Garde. Wie schätzen Sie ihn ein?

Ich sehe ihn durchweg positiv. Er leistet gute Arbeit, lässt attraktiven Fußball spielen. Auch in der Außendarstellung ist er überragend, bleibt sachlich, ist aber fundiert und spricht die Dinge klar an. Im Team mit Manager Frank Baumann funktioniert es. Die beiden passen gut zueinander, und sie passen einfach zu Werder.

Unlängst hat sich Kohfeldt recht langfristig an Bremen gebunden...

Das zeigt seine große Identifikation mit dem Club. Seine Einstellung zu Werder ist 1000-prozentig. Lebenslang Grün-Weiß trifft auf ihn zu.

Was kann Werder in dieser Saison schaffen?

Ich traue der neuen Werder-Elf viel zu. Kohfeldt will den Verein auf die nächste Stufe heben. Das ist möglich. Werder kann sich für Europa qualifizieren. Ein ambitioniertes Ziel, doch machbar.

Kommen wir zur Fortuna. Wie sind Sie mit der Vorbereitung Ihrer Mannschaft zufrieden?

Sie war ganz okay, wir müssen natürlich noch besser werden, doch das kriegen wir hin. Entscheidend wird sein, wie wir die Abgänge und Ausfälle wegstecken werden. Lukebakio (jetzt bei Hertha BSC, Anm. d. Red.) und Raman (jetzt bei Schalke 04, Anm. d. Red.) fehlen uns, Stöger fällt zudem aus. Wir haben gute neue Spieler, doch sie müssen noch integriert werden.

Was ist für die Fortuna diesmal drin?

Es geht für uns wieder um den Klassenerhalt. Mit sechs, sieben anderen Teams kämpfen wir um den Verbleib in der Bundesliga.

Worauf kommt es beim Start in Bremen an?

Ein guter Start ist wichtig, doch das erste Fazit ziehe ich nicht nach dem Auftaktspiel, sondern erst nach zehn Spieltagen. Bei Werder wollen wir mitspielen und punkten, obwohl ich weiß, wie schwer es im Weserstadion wird.

Bleibt es dabei, dass Fortuna Ihre letzte Trainerstation ist?

Ja, ich habe mich festgelegt. Mein Vertrag läuft noch ein Jahr. Mal sehen, was passiert, wann ich Schluss mache. Wenn ich als Trainer aufhöre, könnte ich in eine andere Funktion im Fußball wechseln – vielleicht auch bei der Fortuna.

Wissenswertes vor dem Werder-Spiel gegen Fortuna Düsseldorf: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Spruch von Friedhelm Funkel

„Damals bin ich so viel gelaufen wie noch nie in meinem Leben. Wenn wir heute so trainieren würden, das sage ich mal etwas überspitzt, dann käme ich in den Knast.“

Friedhelm Funkel über seine Zeit als Profi und der Arbeit mit Trainer Rolf Schafstall bei Bayer Uerdingen.

Anekdote zu Friedhelm Funkel

Es ist schon lange her. Es war in den später 70ern. Kevelaer, die Wallfahrtsstadt am Niederrhein, damals nicht nur für Gläubige, sondern auch für Berufsfußballer. Dort war die Firmenzentrale einer kleinen Sportartikelfirma beheimatet, eines Unternehmens, das sich anschickte, in Konkurrenz zu treten zu den großen deutschen Imperien der Dassler-Brüder. „Hummel“, so hieß die vor allem auch in Handballer-Kreisen beliebte Firma. Fußballer zählten auch zur Kundschaft und zum Kreis der Werbeträger. Auch ein Friedhelm Funkel, damals bei Bayer Uerdingen unter Vertrag.

In Kevelaer lernte ich ihn kennen, seither schätze ich den älteren der Funkel-Brüder. Fast gleichaltrig, funkten wir sofort auf einer Wellenlänge. Mir gefiel Friedhelm. Bodenständig und ehrlich, professionell und vorbildlich – auf dem Platz und außerhalb. Seitdem kreuzten sich unsere Wege. Eine Beziehung, ja lockere Freundschaft, die es selten gibt. Erst als Profi, später als Trainer habe ich einen aufrichtigen Menschen erlebt. Wir trafen uns in den Stadien, in Trainingslagern in Portugal oder der Türkei. Oder wir sprachen am Telefon. Der Austausch war immer herzlich, immer offen, immer respektvoll.

Das größte Kompliment, das ich ihm machen kann nach vier Jahrzehnten eines gemeinsamen Wegs im Profifußball: Friedhelm hat sich nicht verändert, er ist der gleiche geblieben. Das soll etwas heißen in der heutigen Zeit.

Trainer-Verschleiß bei Fortuna Düsseldorf

Seit über drei Jahren ist Friedhelm Funkel im Amt: Für Fortuna-Verhältnisse eine kleine Ewigkeit. Der Beweis: Von 2013 bis März 2016 waren sieben Vorgänger am Ball. Der Reihe nach: Mike Büskens, Oliver Reck, Lorenz-Günther Köstner, wiederum Oliver Reck, Taski Aksoy, Frank Kramer, Peter Hermann und Marco Kurz.

Rekordtorschütze bei Fortuna Düsseldorf

Ein Stürmer mit Bremer Vergangenheit führt die interne Torschützenliste an: Klaus Allofs, von 1990 bis 1993 bei Werder (78 Spiele, 18 Tore), hat 71 Treffer erzielt. Der gebürtige Düsseldorfer spielte von 1975 bis 1981 bei der Fortuna.

Rekordspieler bei Fortuna Düsseldorf

Auf Platz 13 der Liste mit den Spielern mit den meisten Liga-Einsätzen rangiert ein früherer Bremer: Manfred Bockenfeld, von 1989 bis 1994 an der Weser, bestritt 179-Spiele für Fortuna. Rekordhalter: Gerd Zewe mit 440 Partien.

Manfred Bockenfeld ist Rekordspieler bei Fortuna Düsseldorf und spielte auch für Werder Bremen.

Jubiläum für Fortuna Düsseldorf

In ihr 25. Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse geht die Fortuna. Der Meister von 1933 belegte zweimal den dritten Rang. Unglaublich das Abschneiden in der letzten Saison: Platz 10 im Endklassement für den von allen als Absteiger Nummer eins gehandelten Aufsteiger.

Bilanz Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf

Genau 50 Spiele haben Werder und die Fortuna bestritten. Die Bilanz fällt positiv aus für Werder: 22 Siege bei 16 Niederlagen und zwölf Remis. In der Bundesliga gab es 46 Vergleiche. Werder siegte 20 Mal und verlor 14 Partien. Die Heimbilanz in der Meisterschaft sieht so aus: 14 Siege, 7 Unentschieden und 2 Niederlagen.

Höchster Sieg von Werder Bremen

Sieben auf einen Streich, vier Tore von Frank Neubarth sowie drei Tore von Manfred Burgsmüller. Am 22. Februar 1986 besiegte Bremen mit 7:3 die Düsseldorfer, feierte so den höchsten Sieg in der Bundesliga gegen die Fortuna. Für die Ehrentreffer sorgten Manfred Bockenfeld (später auch bei Werder), Ralf Dusend und Sven Demandt. Apropos Neubarth: Er spielte achtmal gegen Düsseldorf und traf achtmal.

Dauerbrenner bei Fortuna Düsseldorf

In sein elftes Jahr bei der Fortuna geht Oliver Fink. Der gebürtige Bayer kam zuletzt in 18 Partien zum Einsatz. Auf seiner Fährte ist Adam Bodzek, der Pole, der nun in seine neunte Saison startet. Bodzek ist Stammspieler und absolvierte in der letzten Spielzeit 21 Partien.

Verlust an Flügelpower

Beide schossen zehn Tore, beide machten Tempo auf den Flügeln, beide avancierten zum Markenzeichen für Fortunas Konterfußball. Benito Raman und Dodi Lukebakio, die Stars der vergangenen Saison verließen die Fortuna. Lukebakio, nur ausgeliehen, kehrte zum FC Watford zurück und ist nun bei Hertha BSC in Berlin. Sprintkönig Raman wechselte zu Schalke 04. 13 Millionen Euro Ablöse kassierten die Rheinländer. Ersatz musste her.

Fortuna suchte nach den guten Erfahrungen wieder in Belgien und fand Nana Ampomah, einen Ghanaer, der bei Waasland-Beveren aufgetrumpft und acht Tore und sieben Assists in 30 Spielen aufzuweisen hat. Vier Millionen Euro kostete der Flügelmann, der schwärmt: „Fortuna ist ein großer Klub.“

Pech für die Fortuna und für den neuen Hoffnungsträger: Im Pokal beim farblosen 3:1 in Villingen verletzte sich Ampomah und fällt für Samstag und die nächsten Wochen aus. Weitere Spieler, die die Lücken schließen sollen: Bernard Tekpetey, ebenfalls in Ghana geboren, von Schalke ausgeliehen, sowie Thomas Pledl, ablösefrei aus Ingolstadt, und Erik Thommy, für eine halbe Million Euro geliehen vom VfB Stuttgart.

Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel im Gespräch mit Hoffnungsträger Erik Thommy (r.).

Ausfall von Kevin Stöger

„Es trifft uns hart“, kommentierte Trainer Funkel lakonisch den Ausfall seines Regisseurs. Kevin Stöger, der Antreiber und Einfädler, der Mann, der am meisten Kilometer abgespult hat, riss sich am letzten Spieltag beim 2:1 gegen Hannover 96 das Kreuzband. Der Österreicher ist nicht zu ersetzen. Sein Leistungsnachweis im letzten Jahr: 25 Spiele, 3,02 Notenschnitt im „kicker“, damit der beste Düsseldorfer – neben dem bei zwei Einsätzen mit 3,0 bewerteten Ex-Bremer Jaroslav Drobny.

Internationale Neuzugänge bei Fortuna Düsseldorf

Die Geschichte ist bekannt: Lutz Pfannenstiel war einst als Keeper in der ganzen Welt unterwegs und ist der erste und wohl auch einzige Profi, der in jedem der sechs anerkannten Kontinentalverbände einem Proficlub angehörte. Bekannt wie ein bunter Hund ist der 46-Jährige, bekannt auf der ganzen Welt. Als Manager nutzt der gut vernetzte Pfannenstiel nun seine weltweiten Kontakte. Fortuna profitiert. Zuletzt hauptsächlich auf dem deutschen Markt aktiv, bedienten sich die Rheinländer in diesem Sommer auf internationalem Terrain.

So gelang es, zwei Spieler von Top-Klubs der Premier League zu engagieren. Torwart Zack Steffen, bei Manchester City unter Vertrag und verliehen an die Columbus Crew, nun auf Leihbasis am Rhein. Und Lewis Baker vom FC Chelsea, ebenfalls ein Leihspieler, jedoch mit einer fixierten Kaufoption bei etwa zehn Millionen Euro. Ebenfalls von der britischen Insel kommt der bereits im Winter ausgeliehene Linksverteidiger Markus Suttner (vorher Brighton & Hove Albion). Der alte Bekannte, nun fest verpflichtet, hat sich als Linksfüßer auf außen in der Viererkette bewährt und darf als Backup für Stammverteidiger Niko Gießelmann gelten.

Torwart-Theater bei Fortuna Düsseldorf

Als Favorit für den Job im Kasten gilt Neuzugang Zack Steffen, der nach dem 2015 gescheiterten Versuch in Freiburg seinen zweiten Anlauf in Deutschland unternimmt. Michael Rensing, die Nummer eins der Vorsaison, zog sich im Trainingslager in Maria Alm eine Schulterverletzung zu und konnte nicht eingeplant werden. Als Ersatz ist der aus der Stuttgarter Reserve gekommene Florian Kastenmeier eingeplant, auf den Trainer Funkel große Stücke hält. Die Ex-Bremer Raphael Wolf und Jaroslav Drobny spielen keine Rolle mehr.

Verstärkung bei Fortuna Düsseldorf

Ein weiterer Leihspieler: Kasim Adams kommt für ein Jahr aus Hoffenheim auf Leihbasis. Der 24-Jährige, nach Ampomah, Tekpetey und dem Talent Kelvin Ofori nun der vierte Spieler aus Ghana, ist der vierte Innenverteidiger im Aufgebot.

Form von Fortuna Düsseldorf

Nachsitzen musste die Fortuna im DFB-Pokal: Mit 3:1 nach Verlängerung setzte sie sich beim Fünftligisten FC Villingen 08 durch. Die Düsseldorfer, die ohne Karaman, Rensing, Kownacki, Adams und Thommy angereist waren, gerieten in Rückstand. Neuzugang Ampomah erzielte den Ausgleich, ehe der eingewechselte Ofori und Hennings in der Verlängerung den Erfolg klarmachten.

Tipp Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf

Ähnliche Probleme bei den Kontrahenten: Werder muss Max Kruse (wechselte zu Fenerbahce Istanbul) ersetzen und sich in der Offensive neu formieren, Fortuna muss ohne Raman und Lukebakio auskommen. Die Bremer haben die Umstellung besser hinbekommen, wirken gefestigter, zumal bei den Düsseldorfern der Hoffnungsträger Ampomah mit einer Adduktorenverletzung vorerst ausfällt. Im Heimspiel sind sie klarer Favorit und werden gewinnen.

Mehr News zu Werder Bremen

Offenbar hat die Bremer Wunschlösung nun doch andere Pläne: Benjamin Henrichs hat Werder Bremen wohl abgesagt. Trotz neuer Rekorde am ersten Bundesliga-Spieltag, will Werder Bremen kein Dino sein. Ein Gerücht hat Frank Baumann nun unmissverständlich ins Reich der Fabeln verwiesen: Mario Götze wechselt nicht vom BVB zu Werder Bremen. Alles zum Bundesliga-Start von Werder Bremen gegen Fortuna Düsseldorf gibt es hier.

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