Setzt sich Romano Schmid beim SV Werder Bremen nun auch in der Bundesliga durch?
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Setzt sich Romano Schmid beim SV Werder Bremen nun auch in der Bundesliga durch?

Bleibt Schmid Stammspieler bei Werder?

Romano Schmids Reifeprüfung: Funktioniert Werder Bremens junger Österreicher auch in der Bundesliga?

Bremen – Als der Teamkollege den Ball verliert, da setzt Romano Schmid umgehend zur Grätsche an, erobert den Ball sofort zurück und ist gleich im Dribbling, ehe er die Kugel geschickt zum Mitspieler weiterleitet. Der 22-Jährige kann extrem wertvoll sein, wie nicht nur diese Szene aus dem Training des SV Werder Bremen am Mittwochmorgen beweist. Der Österreicher hat auch schon auf dem Platz seine Klasse bewiesen – das allerdings mehr in der 2. als in der 1. Liga. Nach dem Wiederaufstieg wartet nun also eine echte Reifeprüfung auf Schmid, der darüber selbst aber aktuell nicht reden möchte.

Vielleicht liegt es daran, dass es im Moment so aussieht, als habe er seinen Stammplatz bei Werder Bremen verloren. Beim letzten Test gegen Twente Enschede (3:3) bekleideten Neuzugang Jens Stage und Leonardo Bittencourt die beiden Achter-Positionen der vermeintlichen A-Elf. Romano Schmid und Niklas Schmidt ersetzten das Duo zur Halbzeit der Partie. Während Schmidt mit seinem Tor ein Ausrufezeichen gelang, agierte Schmid weniger auffällig. Dabei sollte er inzwischen seinen Rückstand nach einem späteren Urlaub als die Kollegen aufgeholt haben. Wegen einiger Länderspiele mit Österreichs U21 nach der Saison war Schmid erst im Trainingslager im Zillertal zur Mannschaft gestoßen. „Sein etwas späterer Einstieg in die Vorbereitung war ihm schon anzumerken. Da lief es nicht so rund, wie er sich das vorstellt“, erinnert sich Clemens Fritz als Leiter Profifußball.

Und Schmid gehört da schon zur Kategorie Spieler, die eine etwas schlechtere Situation mehr beschäftigt als andere. Dann spielt auch gerne mal eine gewisse Ungeduld mit, und Frust kommt auf. Fritz sieht das alles nicht so dramatisch, würde Schmid auch nicht als besonderen Fall beschreiben, hat aber doch einen kleinen in ein Lob verpackten Rat für den immer noch jungen Profi: „Romano kann absolutes Vertrauen in seine Qualität haben. Natürlich ist der Konkurrenzkampf bei uns groß, aber das kann jeden einzelnen noch besser machen.“

Werder Bremen-Profi Romano Schmid „kann absolutes Vertrauen in seine Qualität haben“

Romano Schmid hat sich schon vergangene Saison gesteigert, wenngleich das eine Liga tiefer sicherlich auch etwas einfacher war. 33 Mal kam er zum Einsatz, erzielte dabei drei Treffer und bereitete sieben weitere vor. Das ist so schlecht nicht, aber bei einem Aufsteiger auch nicht überragend. Da ist die Quote im Nationaltrikot schon wesentlich beeindruckender. In den letzten sieben Pflichtspielen (EM-Qualifikation) langte Schmid sieben Mal zu. Auf diese Treffsicherheit hoffen sie auch bei Werder Bremen. Aber ist das auf Bundesliga-Niveau möglich? „Romano hat schon einige Spiele für uns in der 1. Liga gemacht“, erinnert Fritz an Schmids 22 Einsätze in der Abstiegssaison und betont: „Er war auch ein wichtiger Bestandteil in der 2. Liga. Wir hoffen, dass er diesen Weg fortsetzt und wieder seine Griffigkeit und Intensität in unser Spiel einbringen kann.“

Dafür steht der nur 1,68 Meter große Grazer. Schmid ist ein kreativer Kämpfer, der sich eben auch nicht zu schade ist, zur Grätsche anzusetzen. Aber genauso kann er Offensivaktionen selbst initiieren – oder er sucht das Eins-gegen-eins, wobei er dabei durchaus noch robuster werden darf – gerade mit Blick auf die nun noch stärkeren Gegenspieler in der Bundesliga.

Stammplatz futsch? Werder Bremen-Profi Romano Schmid: „Letztes Jahr hat es ziemlich oft gekracht - das tat richtig gut“

Doch Angst vor der neuen Aufgabe wird Romano Schmid nicht haben. Denn bei allem Frustpotenzial – sein Selbstbewusstsein ist grundsätzlich schon recht ausgeprägt. Er versteckt sich auch nicht innerhalb der Mannschaft. „Letztes Jahr gab es eine coole Meinungskultur bei uns, jeder durfte seine Meinung sagen und die wurde auch akzeptiert. Das war extrem wichtig für Spieler wie mich, die immer ehrlich sind und ihre Meinung sagen, obwohl man jung ist“, hat Schmid vor ein paar Wochen in einem Interview mit Radio Bremen erzählt und auch noch verraten: „Letztes Jahr hat es ziemlich oft gekracht, auch in der Kabine. Das tat, glaube ich, richtig gut. Jeder ist nicht immer glücklich, das gehört auch dazu. Dass immer alles gut ist oder sich jeder mit jedem versteht, das wird im Mannschaftssport nie funktionieren.“

Reibung gehört also dazu. Und Romano Schmid ist dabei endgültig dem Status „Talent“ entwachsen. Als solches hatte ihn Werder Bremen vor dreieinhalb Jahren von RB Salzburg verpflichtet – für eine Ablösesumme von einer Million Euro. In Österreich galt er damals als einer, der sein großes Potenzial nicht so recht auf den Platz bekommt. Werder sah das anders, schickte ihn allerdings sofort wieder für 18 Monate in die Heimat zum Wolfsberger AC, wo er sich richtig gut entwickelte. Inzwischen hat Schmid seinen Vertrag bei Werder bis 2025 verlängert. Er soll eine feste Säule bei den Grün-Weißen werden. In der vergangenen Saison ist ihm das im Großen und Ganzen schon geglückt, nun soll es auch eine Stufe höher gelingen. Am nötigen Einsatz wird es nicht mangeln, wie das Training am Mittwoch zeigte. Bleibt nur die Frage, wie Schmid es verkraften wird, sollte er zunächst nur Ersatzspieler sein. Diese Rolle kennt er aus der vergangenen Saison eigentlich gar nicht mehr. (kni)

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