Ole Werner im Gespräch mit Kapitän Ömer Toprak: Der neue Trainer des SV Werder Bremen feierte einen Traum-Einstand gegen Erzgebirge Aue.
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Ole Werner im Gespräch mit Kapitän Ömer Toprak: Der neue Trainer des SV Werder Bremen feierte einen Traum-Einstand gegen Erzgebirge Aue.

Traum-Debüt für Werner bei Werder

„Norddeutsch-nüchtern“ - so macht Ole Werner Werder Bremen flott

Bremen – Es hatte alles so perfekt gepasst, doch Zeit zum Genießen gönnte sich Ole Werner nach seiner glanzvollen Premiere als Coach des SV Werder Bremen nicht wirklich. „Ich werde mir das Spiel gleich noch mal anschauen, um die Analyse vorzubereiten“, sagte Werner am Freitagabend nach dem fulminanten 4:0-Heimsieg gegen Erzgebirge Aue, fügte aber immerhin noch grinsend an: „Trotzdem werde ich heute sicherlich gut einschlafen.“

Gesagt, getan. „Es hat ganz gut geklappt“, berichtete Ole Werner am Morgen danach auf dem Weg zum Trainingsplatz und lächelte zufrieden. Obwohl nur sechs Reservisten und zwei Torhüter beim Spielersatztraining zur Verfügung standen, leitete der Chef die Einheit selbst. Zuvor hatte er in der Kabine vor dem kompletten Team gesprochen – etwa eine halbe Stunde lang. Nichts Spektakuläres. „Die Analyse nach dem Spiel fällt bei uns norddeutsch-nüchtern aus – in guten wie in schlechten Zeiten. Das ist der beste Weg“, hatte Werner schon nach der Partie des SV Werder Bremen gegen Erzgebirge Aue einen Einblick in seine Arbeitsweise gegeben: „Es werden auch mal Dinge nicht funktionieren. Dann geht es darum, verlässlich zu bleiben, in der Art wie man spielt und arbeitet.“

Werder Bremen-Premiere von Trainer Ole Werner gegen Erzgebirge Aue: Unaufgeregt, ohne Aktionismus

Es ist diese Unaufgeregtheit, die bei Ole Werner immer wieder auffällt. Keine Lethargie, aber auch kein Aktionismus. Der Trainer verfolgte die Partie so nah wie möglich an der Außenlinie, gab Anweisungen – mal verbal, mal mit Handzeichen. Einmal rief er Kapitän Ömer Toprak herbei. „Ömer ist ein wichtiger Ansprechpartner für mich – auf und neben dem Platz. In der Szene ging es um ein Detail im Spielaufbau“, erklärte Werner – und nicht nur das, sondern auch den kleinen Zettel, der vor der Pause regelmäßig zwischen seinen Händen und der Jackentasche hin- und hergewandert war: „Da kommen in der Regel Dinge drauf, die in der Halbzeit angesprochen werden sollen. Oder Dinge, die mir auffallen und bei denen ich drauf achten will, ob sie jetzt häufiger vorkommen. Es sind taktische Dinge.“

Das Wort „Dinge“ kommt nicht gerade selten vor, wenn Ole Werner spricht. Da werden grün-weiße Erinnerungen wach – und zwar an keinen Geringeren als Thomas Schaaf. Bei der Werder-Legende funktionierten die Dinge viele Jahre so gut, dass Werder Bremen traumhafte Erfolge feierte. Bei Werner war es immerhin schon mal ein Traumstart – auch dank der beiden Traumtore von Romano Schmid (7.) und Milos Veljkovic (19.), die früh die Richtung vorgaben. Marvin Ducksch (53.) und Niclas Füllkrug (57.) sorgten für einen Auer Albtraum und für „Oh-wie-ist-das-schön-Gesänge“ der 15 024 Werder-Fans im wegen der Corona-Pandemie nur zu etwas mehr als einem Drittel gefüllten Wohninvest Weserstadion. „Es war eine tolle Leistung, da gibt es auch nichts kleinzureden. Es war nach den letzten Wochen nicht erwartbar, dass wir so ein Spiel machen. Das darf man auch sagen“, meinte Werner: „Insofern hoffe ich schon, dass alle den Blick nach vorne richten.“

Werder Bremen gegen Erzgebirge Aue - Ole Werner: „Qualität der Einzelspieler als Gruppe sichtbar machen“

Die Füße sollen dabei aber bitteschön am Boden bleiben, was nach einem 4:0-Kantersieg nicht immer so ganz leicht fällt. Vor allem nicht, wenn die Offensive so gut funktioniert und das namhafte Sturmduo Füllkrug/Ducksch erstmals gemeinsam in einem Spiel trifft. „Wir haben nicht nur auf diesen Positionen, sondern generell viele Spieler, die eine gute Qualität haben für die 2. Liga“, befand Werner, mahnte aber sogleich: „Trotzdem ist am Ende des Tages immer entscheidend, wie du es als Mannschaft machst. Es gab in den letzten Jahren viele Teams mit großer Qualität in der 2. Liga, die es als Mannschaft aber nicht auf den Platz bekommen haben. Unsere Aufgabe ist es, die Qualität der Einzelspieler als Gruppe sichtbar zu machen. Heute war sie sichtbar.“

Dass Ole Werner selbst daran großen Anteil hatte, lag auf der Hand. Seine Veränderungen im Team waren zwar nicht gravierend, aber effektiv. So machte er in der Abwehr aus der Vierer- wieder eine Dreierkette und korrigierte damit Interimscoach Christian Brand. „Die Mannschaft hat sich in diesen Abläufen zuletzt wohler gefühlt als mit einer Viererkette“, berichtete der neue Coach des SV Werder Bremen. Seine Hereinnahme von Milos Veljkovic und Romano Schmid für Ilia Gruev und Eren Dinkci (Corona-Infektion) entpuppte sich als Glücksgriff, weil beide nicht nur gut spielten, sondern auch trafen. „Es war aber weniger das Super-Näschen, was die Tore angeht“, meinte Werner: „Es waren einfach die Eindrücke, die ich in den vergangenen Tagen gesammelt habe.“

Werder Bremen: Der neue Trainer Ole Werner kommt im Team schon ganz gut an

Mit seiner Art kommt der neue Coach im Team des SV Werder Bremen jedenfalls schon ganz gut an. „Er hat eine ziemlich klare Struktur und Ahnung von dem, was er macht. Er hat uns viele Dinge an die Hand gegeben, die einfach umzusetzen waren“, sagte Füllkrug – und Veljkovic meinte: „Wir wollten nicht alles verändern, weil die Zeit sehr knapp war. Aber in den Grundsätzen hat er ein paar Sachen verändert und uns mit auf den Weg gegeben, dass wir an uns glauben und mutig sein sollen.“ Vor allem dieser Glaube an die eigene Stärke war von Beginn an zu sehen. Die Mannschaft drückte der Partie ihren Stempel auf – wie es sich für einen namhaften Absteiger gehört, der eigentlich sofort wieder aufsteigen muss. Im bisherigen Saisonverlauf hatte Werder nur selten so mutig agiert.

Aber es herrschte nicht nur eitel Sonnenschein, was weniger an Dunkelheit und fiesem Nieselregen lag. Ein „paar Dinge“ seien einfach noch nicht gut gewesen, so Ole Werner: „Wir können natürlich das Spiel viel früher entscheiden. Damit meine ich gar nicht die Verwertung der Torchancen, sondern die Art und Weise, wie wir es teilweise ausgespielt haben. Dazu gab es den einen oder anderen Fehler im Spielaufbau, der hätte bestraft werden können.“ Wurde er aber nicht, weil Aue extrem schwach agierte. Auch diesem durchaus pikanten Hinweis begegnete Werner mit seiner ganzen norddeutschen Gelassenheit: „Da gibt es diesen alten Spruch, ob der Gegner jetzt so schlecht war oder nur so gut, wie man selbst es zulässt. Das sagt doch alles dazu.“ Schon am nächsten Freitag wird sich zeigen, wie stark Werners Werder Bremen wirklich ist, dann muss der Tabellenneunte nämlich bei Jahn Regensburg (Platz drei) antreten. (kni) Lest auch: Kantersieg unter den Augen von Ole Werner - Werders U23 schlägt auch Jeddeloh! Schon gelesen? So könnt Ihr Werder Bremen gegen Jahn Regensburg live im TV und im Live-Stream gucken!

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