Florian Kohfeldt und Uwe Neuhaus.
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Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld: Für Florian Kohfeldt und Uwe Neuhaus ist es das erste Aufeinandertreffen als Trainer in der Bundesliga.

Vor 3. Spieltag in der Bundesliga

So viel Werder steckt in Bielefeld

Jetzt ist auch der letzte Bezug zu Werder Bremen weggebrochen. Auf der Alm, da gibt es aktuell kein Werder-Element mehr. Bis Anfang August war es Florian Hartherz, der bei Arminia Bielefeld für die Beziehung zur Hansestadt stand.

Jener talentierte Linksverteidiger, der 2011 aus Wolfsburg an die Weser gekommen war, jedoch nicht die Erwartungen erfüllen konnte und mehr Spiele für die Reserve als für die Bundesliga-Elf des SV Werder Bremen absolvierte. Der 27-Jährige, der sich nun dem Zweitligisten Fortuna Düsseldorf angeschlossen hat, veränderte sich 2013 nach Ostwestfalen. Zunächst heuerte er beim SC Paderborn an, dem aktuellen Erstliga-Absteiger, mit dem er seinerzeit aufgestiegen ist, danach bei Arminia Bielefeld, dem jetzigen Erstliga-Aufsteiger. Zwei Aufstiege in der Region gefeiert, Florian Hartherz hat sein persönliches Glück am Teutoburger Wald gefunden.

Und die Arminia, benannt nach dem Cheruskerfürsten Arminius und Stolz jener Landschaft an der Grenze zu Niedersachsen, durchlebt momentan auch eine Phase der Genugtuung und Euphorie. Sie hat sich zurückgemeldet in der Erstklassigkeit. Zuletzt spielte Bielefeld 2009 im Oberhaus, bevor der siebte Abstieg erfolgte. Nun die Rückkehr, ein neues Kapitel und ein neues Abenteuer für den Club, der 16 Jahre in der Bundesliga gespielt hat.

Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld: Establishment gegen Emporkömmling

Viele Aufs und Abs, wahrlich eine Fahrstuhlmannschaft – ganz im Gegensatz zu Werder Bremen, dem etablierten Club in dieser Spielklasse, bis auf eine Ausnahme in all den Jahren seit der Gründung 1963 erstklassig. Emporkömmling kontra Establishment. In Zahlen ausgedrückt: Arminia Bielefeld belegt vor dem Duell mit Werder Bremen (Samstag, 15.30 Uhr) in der Ewigen Tabellen den 23. Rang, übernahm während der Bundesliga-Anwesenheit nur dreimal die Tabellenführung, Bremen belegt hinter Bayern München und Borussia Dortmund in der Allzeit-Rangliste den dritten Platz, führte insgesamt 130 Mal die Tabelle an.

Die Gemeinsamkeit der beiden Vereine: Im Gegensatz zu den Vertretern aus den Metropolen wie München, Berlin und Frankfurt sowie den Wirtschaftszentren Rheinland oder Ruhrgebiet nehmen Bremen und Bielefeld eher eine Position in der Randlage ein. Ein Standortnachteil, weil die Zahl der potenziellen Unterstützer und Sponsoren recht beschränkt ist auf regional tätige Unternehmen. Im „Bündnis Ostwestfalen“ haben sich einige Firmen und Institutionen zusammengeschlossen, die den vor Jahren überschuldeten Verein vor der Insolvenz bewahrt und ein tragfähiges wirtschaftliches Fundament für den Neuanfang gebildet haben.

Werder Bremen-Gegner Arminia Bielefeld hat den kleinsten Etat der Bundesliga

Nun wollen sie anders vorgehen als in der Vergangenheit, als gerade in der Ära mit Manager Rüdiger Lamm und Trainer Ernst Middendorp ein Leben über die eigenen Verhältnisse stattfand. Die neue Arminia baut auf solides Wirtschaften, weist mit etwa 25 Millionen Personaletat das geringste Budget in der Bundesliga auf und weiß um die Rolle als Außenseiter. Sportchef Samir Arabi bringt es so auf den Punkt: „Wir müssen in unserem Paddelboot da sein, wenn die anderen in ihrem Motorboot kentern.“

In besseren Zeiten, in den Epochen, als mit Otto Rehhagel und Thomas Schaaf die Bremer die Liga aufmischten und zur Nummer zwei hinter dem Serienmeister Bayern München avancierten, gab es ähnliche Kommentare von den Verantwortlichen an der Weser. Das Werder Bremen von einst, weitaus erfolgreicher als das heutige, beklagte die ungleichen Startbedingungen, wenn auch auf deutlich höherem Niveau als gegenwärtig die Kollegen aus Westfalen.

Dass der Underdog Arminia Bielefeld, in der Aufstiegssaison keineswegs der Topfavorit, sich zurückgemeldet hat im Konzert der Großen, ist in erster Linie ein Verdienst des Trainers. Eines Fußballlehrers, der bisher weitgehend unter dem Radar geflogen ist: Uwe Neuhaus, seit 2018 auf der Alm, gilt als Aufstiegsspezialist. Mit der Arminia gelang ihm bereits zum vierten Mal dieses Kunststück – Aufstieg in die 2. Liga mit RW Essen, Dynamo Dresden und Union Berlin, wo er zuvor er zuvor auch die Qualifikation für die neue 3. Liga geschafft hatte.

Arminia Bielefeld-Trainer Uwe Neuhaus kennt die Bundesliga nur als Spieler

Für ihn ging mit 60 Jahren ein Lebenstraum in Erfüllung. „Ich freue mich auf die Bundesliga“, sagt Neuhaus, „eine tolle Aufgabe.“ Der Spätberufene, ehedem Assistent von Matthias Sammer, als dieser 2002 Borussia Dortmund zur Meisterschaft führte, kennt die höchste Spielklasse als Spieler. Vor 30 Jahren stieg der Profi Uwe Neuhaus mit der SG Wattenscheid 09 in die 1. Liga auf, vier Jahre Abenteuer, dokumentiert in 102 Einsätzen.

Neuhaus zählt zu den erfolgreichen Übungsleitern bei den Blau-Schwarzen. Die Trainer mit Bremer DNA, die dort gearbeitet haben, haben nicht so viel Ruhm einheimsen können. Otto Rehhagel scheiterte 1979 knapp am Vorhaben, die Arminen vor dem Abstieg zu bewahren. Ihm gelang ein 4:0-Triumph bei Bayern, den der damals wilde Otto so kommentierte: „Liebesgrüße aus Ostwestfalen.“ Dennoch ging sein Unternehmen schief, wie auch die kurzen Gastspiele der Ex-Bremer Wolfgang Sidka und Benno Möhlmann.

Auf den Spielerlisten der Arminia finden sich einige Namen von Fußballern, die auch bei Werder Bremen ihr Geld verdient haben. An erster Stelle Karl-Heinz Geils, der von 1974 bis 1980 insgesamt 132 Spiele für Werder bestritt und danach vier Spielzeiten lang für den nächsten Gegner aktiv war. Zudem Bruno Labbadia, der elf Tore für Bielefeld markiert hat. Und ein Exot ist darunter: Pasi Rautiainen, jener sympathische Finne, 1981 etwas mehr als ein Jahr bei Werder, von 1982 bis 1986 mit 113 Einsätzen für Bielefeld.

Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld: Duell mit großer Historie

Die bewegte Historie des charmanten Klubs in der Provinz weist darüber hinaus zwei Ereignisse auf, die landesweit in Erinnerung geblieben sind. Am Bundesliga-Skandal, im Oktober 1971 vom Offenbacher Horst-Gregorio Canellas aufgedeckt, war die Arminia intensiv beteiligt. Bestechung und Schiebereien, gekaufte Siege gegen Schalke, Stuttgart und Herthas BSC Berlin, Zwangsabstieg 1972, Rücktritt des überführten Präsidiums.

Schlagzeilen machte zudem ein Vorfall auf dem Rasen. 14. August 1981. Datum einer schlimmen Aktion, die als brutalstes Foulspiel in die Liga-Geschichte eingehen sollte. Der Bremer Norbert Siegmann ging rüde zur Sache im Zweikampf mit Ewald Lienen, damals in Bielefelds Diensten. Aufgeschlitzter Oberschenkel, die Bilder des schrecklichen Geschehens sind auch heute noch vielen vor Augen. Trainer auf der Werder-Bank: Otto Rehhagel. Schreiend stürmte Lienen an die Außenlinie, beschimpfte den Coach, warf ihm vor, seinen Spieler Siegmann angestachelt zu haben zu dieser brutalen Vorgehensweise. Das juristische Nachspiel: Die DFB-Justiz sprach Rehhagel frei, auch die Staatsanwalt Bremen stellte das von Lienen beantragte Verfahren ein. Jahre später das Ende dieser Episode: 2012 trafen sich die unmittelbar Beteiligten erstmals wieder. Opfer Lienen, inzwischen Trainer bei St. Pauli, und Übeltäter Siegmann – sie sprachen sich aus, es kam zur Versöhnung. So könnt Ihr das Bundesliga-Duell des SV Werder Bremen gegen Arminia Bielefeld live im TV sehen!

Florian Hartherz im Kurz-Interview

Was unterscheidet einen Club wie Arminia Bielefeld von Werder?

Sportlich gesehen ist Werder in den letzten Jahrzehnten ständiges Mitglied der Bundesliga und ist schon mehrfach Deutscher Meister geworden, die Historie der Arminia war eher von Auf- und Abstiegen geprägt. Es war ein toller Erfolg für uns, dass wir es in diesem Sommer geschafft haben, die Arminia nach elf Jahren wieder nach ganz oben zu bringen. Allgemein gilt für beide Clubs aber: Tradition pur!

Warum haben Sie in Bremen nicht den Durchbruch geschafft, was Ihnen in Paderborn und zuletzt in Bielefeld gelungen ist?

Ich war damals noch sehr jung, bin im Alter von 18 Jahren zu Werder gekommen. Ich bin dem Verein sehr dankbar, weil ich in dieser Zeit unter Trainer Thomas Schaaf und von Größen wie Diego, Naldo und Claudio Pizarro eine Menge gelernt habe. Ich bin danach meinen eigenen Weg gegangen und habe ihn auch gefunden.

Was erwarten Sie sich von Ihren Ex-Clubs in der neuen Saison?

Ich hoffe, dass Bielefeld die Klasse halten wird. Das wäre auf jeden Fall ein großer Erfolg. Werder wünsche ich nach dem knappen Klassenerhalt im Sommer eine sorgenfreie Saison.

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