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Uwe Erkenbrecher, früher bei Werder Bremen und Atlas Delmenhorst, ist heute Trainer von Lupo Martini Wolfsburg.

Ex-Profi über DFB-Pokal-Spiel

Werder gegen Atlas: Für Uwe Erkenbrecher ein Gruß aus der Vergangenheit

Bremen/Braunschweig – Natürlich hat er die Pokal-Auslosung verfolgt. Das ist Ehrensache und gehört sich so für einen, der ohne Fußball nicht kann. Für einen, der diesem Sport sein ganzes Leben gewidmet hat, auch wenn er schon lange raus ist aus dem ganz großen Geschäft.

Uwe Erkenbrecher saß also am Samstagabend im heimischen Braunschweig, scrollte am Handy durch die Paarungen – und musste plötzlich laut auflachen. Gibt’s doch gar nicht, ausgerechnet! „Ich hätte auf alles in der Welt getippt, aber nicht auf dieses Spiel. So viele Möglichkeiten, und genau das kommt tatsächlich raus“, sagt er.

Dieses Spiel, es heißt: SV Atlas Delmenhorst gegen SV Werder Bremen. Das Duell der Nachbarn, Oberliga gegen Bundesliga – für Ex-Profi Erkenbrecher aber vor allem ein später Gruß aus der Vergangenheit. Ein Blick zurück auf seine Wurzeln, auf zwei der Orte, in denen seine verrückte Reise durch den Fußball einst ihren Anfang nahm. Sie sollte ihn nicht nur quer durch Deutschland führen, sondern auch bis nach Estland, Indonesien und in den Iran, als Trainer: 23 Stationen in 31 Jahren. Eine sportliche Vita wie ein Abenteuer-Roman. Aktuell ist der 64-Jährige für den Oberligisten Lupo Martini Wolfsburg verantwortlich.

Früher, in den 1970er-Jahren, als Erkenbrecher erst für Werder und später für Atlas spielt, weiß er selbst noch nicht, was ihm einmal blühen sollte. Nun, eine Ewigkeit später, treten beide Vereine also in der ersten Runde des DFB-Pokals gegeneinander an: „Das ist einfach nur witzig.“

Uwe Erkenbrecher spielte für Werder Bremen und Atlas Delmenhorst

Acht Jahre lang, von 1967 bis 1975, trägt der gebürtige Delmenhorster Erkenbrecher das Werder-Trikot. Erst als Jugendspieler, ab 1973 dann als Profi. 24 Mal läuft der Verteidiger in der Bundesliga auf, schießt ein Tor – in Erinnerung geblieben sind ihm aber vor allem „die großen Persönlichkeiten, die ich kennenlernen durfte“. In der Kabine sitzt er direkt neben Wortführer Rudi Assauer, Eisenfuß Horst-Dieter Höttges nur ein paar Plätze weiter. „Da musstest du als junger Spieler höllisch aufpassen, was du sagst“, erinnert sich Erkenbrecher, der nach Stationen in Wattenscheid, Göttingen und Baunatal 1979 gemeinsam mit seinem Trainer und Förderer Bernd Oles bei Atlas anheuert – rechtzeitig zu einer der erfolgreichsten Saisons der blau-gelben Vereinshistorie.

Am Ende belegen die Delmenhorster Platz vier in der Oberliga Nord (damals die dritthöchste Spielklasse) und schaffen erstmals die Qualifikation für den DFB-Pokal. Bis zur zweiten sollte es 38 Jahre dauern. „Es waren grandiose Spiele. Vor 16.000 Zuschauern in Oldenburg, das werde ich nie vergessen“, schwärmt Erkenbrecher. Im Pokal scheidet Atlas ein Jahr später als letztes Amateurteam erst im Achtelfinale aus. Gegen Borussia Mönchengladbach um den jungen Lothar Matthäus heißt es am Ende 1:6 – Erkenbrecher ist da aber längst weitergezogen.

Werder Bremen in der Saison 1973/1974. Uwe Erkenbrecher (mittlere Reihe, Zweiter von rechts) spielt im Ensemble um Rudi Assauer, Horst-Dieter Höttges und Co.

Paderborn, Stukenbrock, Lippstadt – westfälische Einöde, ehe 1988 Schluss ist als Aktiver. Erkenbrecher wird Trainer, begibt sich damit, ohne es zu ahnen, auf den Weg, Deutschland und die Welt zu erkunden. Kölns U19, damit geht es los, es folgen unter anderem Engagements in Jena, Lübeck, Fürth, Paderborn, Reutlingen, Essen, bei Türkiyemspor Berlin, in Neumünster und Fallersleben. Und eben bei diesen drei Vereinen, deren Namen allein schon nach Abenteuer klingen: Estheglal Teheran, Cendrawasih Papua FC und JK Tammeka Tartu. „Erfahrungen, die du nie vergisst.“

Asiatische Champions League mit dem iranischen Hauptstadtclub Teheran, ein Trainingslager auf Bali mit dem indonesischen Erstligisten Papua, danach beste Bedingungen im estnischen Tartu. Große sportliche Erfolge verbucht Erkenbrecher im Ausland nicht, die Jobs enden aus unterschiedlichen Gründen schnell wieder. Zufrieden wirkt er mit seinen Abenteuern aber dennoch.

Uwe Erkenbrecher trifft mit Lupo Martini Wolfsburg auf Atlas Delmenhorst - in der Oberliga

Mittlerweile heißt die Realität Lupo Martini. Mit den Wolfsburgern steht der Trainer in der Oberliga vor dem großen Umbruch. Das Pokalspiel zwischen den Clubs aus seiner Vergangenheit wird er sich deshalb auch nicht vor Ort ansehen können. „Ich habe zu viel zu tun“, sagt Erkenbrecher, der dabei kein bisschen wehmütig klingt. Muss er ja auch nicht. Mit Atlas hat er ohnehin zwei feste Termine: Einen in der Hin- und einen in der Rückrunde – als Gegner in der Oberliga.

Erkenbrecher, dessen älterer Sohn Yannick als Moderator bei „Sky“ arbeitet, wird also auf jeden Fall ins Delmenhorster Stadion an der Düsternortstraße zurückkehren, als Trainer des MTV Gifhorn war ihm das schon einmal vergönnt. Für das Pokalspiel zwischen Atlas und Werder wünscht er sich aber einen anderen Austragungsort: das Weserstadion. Auch die Vereine wollen das, planen den Heimrechttausch und hoffen auf Zustimmung des DFB. „Für Atlas wären das unvergessliche Eindrücke, ein Spiel, das man nie wieder vergisst.“

Vier Dinge sprechen für die Pokal-Party zwischen Werder Bremen und Atlas Delmenhorst im Weserstadion. Werders Sportchef Frank Baumann hat derweil schon klargemacht: Es gibt keine Geld-Geschenke von Werder Bremen für den SV Atlas.

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