+
Wissenswertes vor dem Auswärtsspiel von Werder Bremen bei Bayer 04 Leverkusen: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Klemm-Brett vor Werder-Spiel in Leverkusen

Notizen vor Leverkusen: Bayer-Schreck, Tante Käthe und ein kommender Weltfußballer?

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Expertise rund um Werder Bremen, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 9. Spieltag geht es um Bayer 04 Leverkusen.

Wenn der SV Werder Bremen am Samstag (18.30 Uhr) in der BayArena bei Bayer 04 Leverkusen gastiert, geht es für die Bremer darum, den Anschluss an die obere Tabellenhälfte nicht zu verlieren. Und obwohl die Grün-Weißen mit der Werkself einen ganz schön dicken Brocken vor der Brust haben, macht die ordentliche Auswärtsbilanz gepaart mit der sich auflockernden Personalsituation Hoffnung auf einen so wichtigen Auswärtssieg.

Verfolgt das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen im Live-Ticker der DeichStube!

Spruch

„Vielleicht sind andere Spielertypen gefragt.“

Kevin Volland, der bislang zehn Länderspiele bestritt, über die Tatsache, dass ihn Bundestrainer Joachim Löw nicht mehr berücksichtigt

Andere Hausnummer als Werder Bremen: Bayer Leverkusen investierte im Sommer 61 Millionen Euro

In Hoffenheim wurden Geschäftsführer Rudi Völler und Sportdirektor Simon Rolfes fündig. Dort holten sie Verstärkung in doppelter Hinsicht: Als Ersatz für den nach Dortmund gewechselten Julian Brandt verpflichtete Bayer Kerim Demirbay – für stolze 32 Millionen Euro. Zudem kam Nadiem Amiri, der Junioren-Nationalspieler, für den neun Millionen fällig wurden. Weitere prominente Neue: Moussa Diaby, Linksaußen von Paris SG, 25 Millionen teuer, der mit Leon Bailey eine Flügelzange bilden soll, sowie Linksverteidiger Daley Sinkgraven, der für fünf Millionen von Ajax Amsterdam losgeeist wurde. Insgesamt machte die Werkself 61 Millionen Euro für neues Personal locker.

Rudi Völler, Geschäftsführer Sport bei Bayer Leverkusen, und Co. investierten im Sommer 2019 kräftig in den neuen Kader der Werkself.

Werder Bremen gegen Bayer 04 Leverkusen: Juwel Kai Havertz

Der Junge gilt als das große Versprechen des deutschen Fußballs. Kai Havertz ist schon jetzt eine Ausnahmeerscheinung. Nicht nur in Leverkusen, wo er in der letzten Saison seine vielfältige Begabung bewies und als jüngster Profi in der Liga-Historie 50 Bundesligaspiele absolvierte, sondern auch in der Nationalelf, in der der erst 20-Jährige zwar noch nicht so häufig spielen durfte, indes bei seinen sieben Einsätzen bestach. „Wenn er dieses Niveau halten kann, mit dieser Leichtigkeit, Cleverness, Präsenz auf dem Platz und Torgefährlichkeit, dann könnte er irgendwann mein Nachfolger als Weltfußballer werden“, adelte unlängst Lothar Matthäus den Bayer-Profi. 

Schon in diesem Sommer gab es Gerüchte, gab es Anfragen von Topclubs. Bayern war als potenzieller Arbeitgeber im Gespräch, auch aus dem Ausland gab es Interessenten. Aber: Leverkusens Boss Rudi Völler blockte alles ab. Auch der umworbene Havertz, der noch bis 2022 bei der Werkself unter Vertrag steht, forcierte nicht einen sofortigen Wechsel. „Man hört sich viele Sachen an. Doch für mich war klar, dass ich in Leverkusen bleibe.“ Er deutete indes seinen Weggang in naher Zukunft an: „Irgendwann muss ich den nächsten Schritt machen.“ 

Werder Bremen: So lief das letzte Spiel in Leverkusen

Drei Punkte holte Werder beim letzten Auftritt in der BayArena: 3:1-Sieg am 17. März. Max Kruse mit zwei Toren sowie Milot Rashica waren erfolgreich, den Gegentreffer steuerte Flügelstürmer Leon Bailey bei.

Claudio Pizarro, der Bayer-Schreck

Er gilt als Bayer-Schreck: Claudio Pizarro hat im Trikot des SV Werder Bremen bereits 15 Spiele gegen Leverkusen absolviert, dabei hat er zehn Treffer erzielt. Umso bitterer, dass der 41-Jährige am Samstag gegen die Werkself nicht mitwirken kann. Die meisten Einsätze in Begegnungen mit den Rheinländern hat ein ehemaliger Spieler, der für Werder weiter im Nachwuchsbereich aktiv ist: Thomas Wolter lief in insgesamt 27 Aufeinandertreffen auf.

Ballbesitzkönige von Bayer Leverkusen

Leverkusen steht für ein dominantes Spiel. Die Statistik belegt dies eindeutig. Ein Beispiel liefern die Ballbesitzwerte der Bayer-Elf in zwei Spielen: 84 Prozent beim 2:0 gegen Düsseldorf und 81 Prozent beim 6:1 gegen Frankfurt. Kein anderes Team aus der Bundesliga überschritt in der letzten Spielzeit die 80-Prozent-Marke, auch die Münchner Bayern nicht.

Bilanz von Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen

So schlecht liest sich die Bilanz von Werder bei Auswärtsspielen in Leverkusen nicht: zehn Siege und 14 Remis bei 15 Niederlagen in der Meisterschaft, 13 Siege bei 14 Remis und 18 Niederlagen insgesamt. In der Gesamtbilanz beider Clubs liegt Bremen vorn: 27 Siege, 30 Unentschieden, 21 Niederlagen.

Überragender Kevin Volland

Nur Lewandowski ist noch besser: Kevin Volland weist eine überragende Scorerbilanz in der Liga aus: neun Tore, 13 Assists in der letzten Serie. Auch in dieser Saison ist auf Volland (bisher 71 Treffer in 228 Bundesligaspielen) Verlass. So traf er zuletzt beim 1:1 gegen Leipzig. Dennoch ist der 27-Jährige bei Bundestrainer Joachim Löw abgemeldet.

Bayer Leverkusen: Rekorde, Rekorde, Rekorde

In der letzten Saison setzte Bayer in der Liga die wenigsten Spieler ein: nur 21 Akteure. Weitere Bestmarken: Jonathan Tah wies mit 65,5 Prozent die beste Zweikampfquote auf, Sven Bender mit 90,8 Prozent die beste Passquote. Mit durchschnittlich 94 Balkontakten stand der Chilene Charles Aranguiz an der Spitze der Rubrik im vereinsinternen Ranking. Am meisten lief ein Österreicher: Rekord für Julian Baumgartlinger, der 13,662 Kilometer im Heimspiel gegen Freiburg zurücklegte. Und noch einmal Tah: Rekord bei den Ballkontakten, im Heimspiel gegen Düsseldorf war der Nationalspieler 206 Mal am Ball.

Form von Bayer 04 Leverkusen

Hinten anfällig, vorne harmlos – so lautete die Erkenntnis nach dem letzten Auftritt in der Liga. 0:3 bei Eintracht Frankfurt. Bayer verpasste den Sprung an die Tabellenspitze, trat in keiner Weise wie eine Spitzenmannschaft auf. Kevin Volland tadelte: „Die Anfangsphase war miserabel, wir haben uns die Tore selbst eingeschenkt.“ Ein erneuter Rückschlag nach den beiden Siegen gegen Augsburg (3:0) und Düsseldorf (3:1) und dem deutlichen 0:4 in Dortmund. In der Champions League leistete sich die Bosz-Elf zudem einen kapitalen Fehlstart: drei Niederlagen in den ersten drei Spielen. 

Die Versetzung in die nächste Runde ist damit nahezu unmöglich. Es kann eigentlich nur darum gehen, sich über den dritten Platz in der Gruppe noch für die Europa League zu qualifizieren. Im Einzelnen: 1:2 gegen Lokomotive Moskau, 0:3 bei Juventus Turin, am letzten Dienstag ein abermals ernüchterndes 0:1 bei Atletico Madrid. Die Werkself hielt lange Zeit gut mit, blieb aber ungefährlich und kassierte schließlich den entscheidenden Gegentreffer durch Joker Alvaro Morata. Für Wendell (Oberschenkelzerrung) und den zuletzt formschwachen Dragovic hatte Trainer Bosz in der Abwehr Lars Bender und Tah nominiert. Im Sturm ersetzte Bellarabi den Argentinier Alario, so dass Volland wieder ins Zentrum rückte.

Bayer 04 Leverkusen: Gewichtiger Ausfall

Erneut ein Muskelfaserriss: Leon Bailey hat sich Mitte September in Moskau diese Muskelverletzung zugezogen, fiel somit aus. Nun erlitt der Jamaikaner im Abschlusstraining vor der Partie in Frankfurt eine ähnliche Verletzung. Er wird also weitere vier Ligaspiele verpassen.

Anekdote

„Es gibt nur ein‘ Rudi Völler…!“ Ein Ohrwurm, eine Liedzeile, die der Wahrheit entspricht. Zur Melodie des weltbekannten Hits „Guantanamera“ präsentierte die Band La Rocca einst diesen Song mit dem Titel, der zum „Satz des Jahres“ 2002 avancierte. Gewidmet einem Fußballer, der es zum Weltstar brachte. Es stimmt, Rudi Völler ist einmalig. Als ehemaliger Reporter des kicker, der seine Karriere an vielfältigen Brennpunkten begleitet hat, kann ich dies bestätigen. Unsere Wege liefen parallel: Rudi bei Werder, ich erlebte seinen Reifeprozess zum Klassestürmer. Ich sah das schlimme Foul des Münchners Klaus Augenthaler, das ihn monatelang mit einem Riss an den Adduktoren ausfallen ließ. Besuchte ihn in Belgien in der Klinik, um ihm das „Goldene K“, die Auszeichnung meines damaligen Arbeitgebers für die beliebtesten Profis, am Krankenbett zu überreichen. 

Ich fuhr nach Italien, um ihn zu seinem Wechsel zur AS Rom zu befragen. Ich verfolgte, wie er 1990 Weltmeister wurde, erlebte ihn später in Marseille und Leverkusen. 2000 bei der enttäuschenden EM traf ich „Rudi nationale“ im kicker-Quartier in Holland, zwei Jahre später in Korea als Teamchef beim Halbfinale gegen die Gastgeber. Aus der Ferne beobachtete ich seine legendäre Wutrede auf Island im Fernseh-Studio beim „Weißbier-Waldi“ Hartmann, als er die ARD-Heiligen Netzer und Delling heftig attackierte. Rudi, wie er leibt und lebt. Voller Emotionen, voller Adrenalin als Spieler, als Trainer, als Offizieller. 

Ausgestattet mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und Ehrlichkeit. Der Sohn eines Drehers und einer Näherin aus Hessen lässt sich nicht verbiegen. Dabei ist der liebenswerte „graue Wolf“, der im kommenden April 60 Jahre alt wird, immer Mensch geblieben, volksnah und fanfreundlich. Wenn „Tante Käthe“ (so sein treffender Spitzname wegen des auffälligen Haarschopfes) auftaucht, erst recht in Bremen und besonders im Weserstadion, sind alle begeistert und entzückt. Weil: „Es gibt nur ein‘ Rudi Völler…!“

Mehr News zu Werder Bremen

So könnten sie spielen: Das ist die voraussichtliche Aufstellung von Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen am Samstag. Auch interessant: Frank Baumann strebt eine zeitnahe Entscheidung an beim Thema Kaderplaner für Werder Bremen. Der bisherige Kaderplaner Tim Steidten war zu Bayer Leverkusen gegangen, jetzt kommt es zum Wiedersehen mit dem „Heimatverein“. Strittige Szene in der Nachspielzeit, aber es gab keinen Elfmeter für die Grün-Weißen - Werder Bremens großer Hand-Ärger in Leverkusen.

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Kommentare