Max Eberl hat sich einst Werder Bremen als Vorbild genommen und Borussia Mönchengladbach in die Erfolgsspur geführt.
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Max Eberl hat sich einst Werder Bremen als Vorbild genommen und Borussia Mönchengladbach in die Erfolgsspur geführt.

Vor Werder gegen Gladbach

So viel Werder steckt in Borussia Mönchengladbach: Fohlen-Macher Eberl und das Vorbild aus dem Norden

Mönchengladbach - Der Rollentausch ist längst erfolgt. In den Goldenen 70er-Jahren hatte Weisweilers Borussia Mönchengladbach die Nase im bundesdeutschen Vergleich vorn, es folgten Werders glänzende Epochen sowohl mit Otto Rehhagel als auch mit Thomas Schaaf, nun galoppieren die „Fohlen“ vom Niederrhein den Bremern wieder davon. Wechselspiel zwischen Gladbach und Werder Bremen. Mehr als zehn Tabellenplätze trennten die Traditionsvereine aus dem Westen und Norden am Ende der vergangenen Saison - nach 16 Spieltagen sind es aktuell vier Ränge.

Und der Clou bei der Geschichte: Borussia Mönchengladbach nahm sich Werder Bremen als Blaupause für den Aufstieg und Aufschwung im letzten Jahrzehnt, wie der Macher des Projekts beim zweimaligen UEFA-Cup-Gewinner freimütig bekennt. „Werder war für mich immer ein leuchtendes Beispiel“, verrät Max Eberl. Seit 2005 ist Eberl bei der Borussia tätig, zunächst als Nachwuchskoordinator, zwischenzeitlich sogar als Interimstrainer, schließlich als Sportdirektor und seit 2010 als Geschäftsführer. Eberl ist der große Zampano, der Entscheider, der das Goldene Jahrzehnt der Borussia wesentlich bestimmt und geprägt hat.

Dass er in der Anfangszeit als Liga-Macher bewusst und häufig einen gezielten Blick nordwärts geworfen hat, verhehlt der 47-Jährige keineswegs. Werder Bremen sei „das Vorbild gewesen, dem ich mit Gladbach nacheifern wollte“. Mit Hochachtung, so bekräftige Eberl in einem Interview, das er der Deichstube im November 2019 gab, habe er den Erfolgsweg der Bremer stets verfolgt. Sie hätten permanent ein „nachahmenswertes Erscheinungsbild“ abgegeben. Im Originalton: „Werder war immer sympathisch, Werder war immer ein cooler Verein.“

(Verfolgt das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach im Live-Ticker der DeichStube!)

Borussia Mönchengladbachs Macher Max Eberl nahm sich „coolen Verein“ Werder Bremen zum Vorbild

Der gebürtige Bayer Eberl orientierte sich in jeder Hinsicht an dem Konkurrenten aus der Hansestadt. Vor allem versuchte er, mit Ruhe und Übersicht im stressigen Liga-Alltag vorzugehen, mit Bedacht die wichtigen Personalentscheidungen zu treffen und keineswegs populistisch und übereilt zu handeln, gerade bei der Auswahl des Trainers. Ganz nach der Methode Werder Bremen. „Kontinuität“, so rühmte Eberl stets diese Devise, die er sich auch als Richtschnur gesetzt hatte.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Erfolg auf der ganzen Linie, sportlich sowieso mit Platz 4 in der letzten Saison und der Qualifikation für die Champions League. Fast immer im Vorderfeld der Eliteklasse, nachdem 2011 noch die Relegation gemeistert werden musste. Doch auch wirtschaftlich ist der Verein, der durch Klassespieler wie Netzer und Vogts, Heynckes und Simonsen im letzten Jahrhundert internationale Berühmtheit erlangte, auf ein solides Fundament gestellt. Obwohl gewaltige Investitionen in die Infrastruktur getätigt wurden, wie beispielsweise in den Bau des schmucken Borussia-Parks, der 86,9 Millionen teuren Immobilie mit vereinseigenem Stadion, Clubzentrale mit Nachwuchsakademie und Hotel. Die neue Heimat von Borussia Mönchengladbach, die den legendären Bökelberg ablöste.

Werder Bremen-Gegner Borussia Mönchengladbach wirtschaftet gut - und lehnt lukrative Transfer-Angebote für Stars ab

Gemeinsam mit Stephan Schippers, dem Kollegen aus der Geschäftsführung, steht Sportexperte Eberl für umsichtiges Agieren, ohne zu großes Risiko zu gehen und Vabanque zu spielen mit dem Vereinsvermögen. Der aktuelle Beweis: Selbst in den Corona-Wirren konnte Borussia Mönchengladbach die Mannschaft beisammen halten, die Macher haben sich gegen Transfers entschieden, obwohl für Stars wie Denis Zakaria, Matthias Ginter, Marcus Thuram, Florian Neuhaus und Alassane Plea lukrative Offerten vorlagen.

„Wir konnten die Mannschaft halten“, unterstrich Eberl vor dem Saisonstart diese „neue Stufe in unserer Entwicklung“. In den Vorjahren musste er immer wieder Stützen verkaufen. Einige Beispiele: Dante und Marco Reus 2012, Marc-Andre ter Stegen 2014, Max Kruse 2015, Granit Xhaka 2016, Andreas Christensen und Mahmoud Dahoud 2017 und Thorgan Hazard 2019. Auch Jannik Vestergaard war 2018 so ein Fall, nachdem der Transfer des Dänen von Werder Bremen nach Gladbach zwischen den Partnern und Freunden Frank Baumann und Max Eberl zuvor reibungslos verlaufen war. Nun also erstmals keine gewinnbringenden Verkäufe, dafür eine glänzende Perspektive. Eine Elf mit beträchtlichem Potenzial und einer gesunden Altersstruktur, die für die nahe Zukunft einiges verspricht. Für Eberl kann dies „mehr wert sein als ein millionenschwerer Transfer“.

Die Kopie Borussia Mönchengladbach ist längst besser als das Original Werder Bremen

Eberl mag die Gladbacher Borussia wie eine Kopie des Werder-Modells nach der Jahrtausend-Wende angelegt haben. Doch die Gewichte haben sich im Laufe der Zeit radikal verschoben: Die Kopie aus dem Rheinland ist längst besser als das Original aus norddeutschen Landen - in jeder Hinsicht. Sportlich trennen die beiden Clubs wie gesagt Welten: Borussia Mönchengladbach letzte Saison auf Platz vier, Werder Bremen auf Rang 16. Wirtschaftlich ebenfalls. Gladbach musste nicht verkaufen, Werder indes schon. Davy Klaassen wurde transferiert, ein Milot Rashica sollte und soll immer noch veräußert werden, um das nötige Geld in die Kasse zu bringen, so dass der durch die Pandemie entstandene wirtschaftliche Schaden aufgefangen werden könnte.

So sieht es auch Werders Macher. „Was Max dort aufgebaut hat, ist beeindruckend“, lobt Frank Baumann die Arbeit des Berufskollegen. Es sei kein Zufall, das sich die Borussia von einem Abstiegskandidaten zu einem Teilnehmer an der Champions League entwickelt habe. Ganz die gegenläufige Tendenz wie bei seinem Club. Baumanns Prognose über die aufblühende Borussia: Gladbach sei ein Verein mit glorreicher Zukunft.

Werder Bremen-Sportchef Frank Baumann hat Verständnis für Sabbatical von Max Eberl

Wie einst Eberl sich orientierte, so nimmt sich Baumann nun den Gladbacher Weg als Masterplan. Oder den von Frankfurt, Wolfsburg und Hoffenheim, alles Kandidaten, die in der Relegation ums Überleben kämpfen mussten und sich inzwischen aufgerappelt haben. So will es auch Werder Bremen tun, auf Sicht gesehen. Dabei bekommen die Verantwortlichen am Weserdeich wohlwollenden Zuspruch ausgerechnet von dem Mann, mit dem sie so freundschaftlich verbunden sind. „Es bahnt sich etwas an“, wertet Eberl die Anstrengungen beim ehemaligen Musterexemplar. Mit Marco Bode als Chef des Aufsichtsrats, mit Baumann als Manager und mit Florian Kohfeldt als Coach sieht das Gladbacher Urgestein eine gesunde Basis, um das Projekt zu realisieren, das so umschrieben werden kann: Werders Wiederbelebung.

Wenn Werder Bremen am Dienstag (18.30 Uhr, DeichStube-Live-Ticker) am Niederrhein bei Borussia Mönchengladbach antritt, wird der oft im Mittelpunkt stehende Eberl, der sich zu einem der profiliertesten Manager der Bundesliga entwickelt hat und daher vor einiger Zeit bei den Münchner Bayern lange gehandelt worden ist, erstmals nicht präsent sein. Der Mann hat sich zu Jahresbeginn zurückgezogen: Auszeit im Januar, eine monatelange Schaffenspause, einen selbst angeordneten Sonderurlaub. Um neue Kraft und frische Energie zu tanken, wie der quirlige Max sagt, der sich ein wenig ausgebrannt gefühlt hat. Die Parallelen zu Bremen und dem dortigen Boss liegen auf der Hand: Auch Frank Baumann hat sich schon mal ein Sabbatical gegönnt, gleich zweimal, direkt nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn und noch einmal, bevor er in die direkte Verantwortung ging. Baumann dazu: „Ich kann nachvollziehen, was Max Eberl macht. Nach über einem Jahrzehnt in diesem stressigen Job ist eine Auszeit nur allzu verständlich.“ (hgk) Auch interessant: So seht Ihr das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen Borussia Mönchengladbach live im TV und im Live-Stream - und so könnte die Aufstellung der Grün-Weißen gegen die Fohlen aussehen.

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