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10.000 Zuschauer sahen das 20. Bremer Landesderby zwischen Werder Bremen und Bremerhaven 93 im Weserstadion.

Trainer Schulz brummte der Schädel

0:2 – 5:2 – 5:5 – 7:5: Vor 60 Jahren fielen zwölf Tore im Bremer Landesderby

Bremen - Von Harald Pistorius. Am 12. Januar 1958 schien die Sonne über Bremen, und im Weserstadion lachte das Fußballherz: Der SV Werder und der TuS Bremerhaven 93 lieferten sich einen Schlagabtausch, der Spieler und Zuschauer mitriss. Vom 0:2 über 5:2 und 5:5 bis zum 7:5-Endstand lief die rasante Achterbahnfahrt dieses Zwölf-Tore-Spiels.

„Wer über diese Schlacht schreiben muss, wird Mühe haben, alle Eindrücke zu registrieren, Spielzüge und Torszenen zu skizzieren, um das Format zu unterstreichen, das diese Begegnung hatte“, rang der Chronist vom „Sport-Magazin“ nach Worten.

Im 20. Bremer Landesderby der damals erstklassigen Oberliga Nord führten die 93er nach fünf Minuten mit 2:0, die vom überragenden Spielmacher Willy Schröder dirigierten Grün-Weißen machten daraus innerhalb von 21 Minuten die 4:2-Pausenführung.

Zuschauer kommen beim Torwirbel kaum mehr mit

Nach dem 5:2 durch Klaus Hänel kurz nach Wiederanpfiff schien die Partie entschieden, doch als die Bremerhavener Stopper-Legende Werner Lang in den Angriff wechselte, bekam die Elf vom Zollinland die zweite Luft.

25 Minuten später stand es 5:5. Mancher der 10.000 Zuschauer kam bei diesem Torwirbel kaum mehr mit und musste doch schon die nächste Volte dieses verrückten Spiels registrieren: Im Gegenzug erzielte Werder-Sturmführer Günter Wilmovius das 6:5 und setzte noch das 7:5 obendrauf.

„Ich bin mit diesem Spiel noch nicht fertig“, sagte Werder-Trainer Fred Schulz später im Kabinengang und stöhnte auf: „Mein Schädel brummt immer noch...“ Kollege Robert („Zapf“) Gebhardt ärgerte sich über seine Abwehr: „Sie hat sich durcheinander bringen lassen.“

Bremerhaven 93 bleibt in der Tabelle vor Werder Bremen

In der Tabelle blieb Bremerhaven auf Platz 4 und damit vor Werder (7.), was in jenen Jahren kein Zufall war. Die Nachbarn bewegten sich Mitte der fünfziger Jahre in der Oberliga auf Augenhöhe, 1955 hatten die Bremerhavener den SVW sogar abgehängt und als Zweiter hinter dem Abonnementsmeister Hamburger SV den Sprung in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft geschafft.

Kurios: Knapp drei Wochen zuvor war das Weserstadion schon einmal Schauplatz einer spektakulären Aufholjagd gewesen. Am zweiten Weihnachtstag 1957 hatte der HSV sein Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig wegen einer Platzsperre in Bremen austragen müssen. Mit 0:4 lagen die Rothosen zur Pause zurück, doch dank dreier Tore von Uwe Seeler siegten sie noch mit 6:4.

Werder Bremen – TuS Bremerhaven 93 7:5 (4:2)

12. Januar 1958

Werder Bremen: Dragomir Ilic – Georg Knopf, Edmund Rupoczinski – Ernst Brünglinghaus, Günter Heyse, Hans Dammers – Hans Hagenacker, Willy Schröder, Arnold Schütz, Klaus Hänel, Günter Wilmovius. Trainer: Fred Schulz

Bremerhaven 93: Karl-Heinz Balzer – Günter Weber, Horst Wagenbreth – Wilfried Kapteina, Werner Lang, Walter Brünjes – Günther Geise, Eitel Galle, Manfred Presche, Karl-Heinz Preuße, Heinrich Mokroß. Trainer: Robert Gebhardt.

Tore: 0:1 Galle (4.), 0:2 Presche (5.), 1:2 Brünglinghaus (13.), 2:2 Hagenacker (26.), 3:2 Schröder (30., 4:2 Schröder (34., Handelfmeter), 5:2 Hänel (47.), 5:3 Mokroß (49.), 5:4 Kapteina (51.), 5:5 Preuße (72.), 6:5 Wilmovius (73.), 7:5 Wilmovius (83.).

Zuschauer: 10.000

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