Allen Grund zur Zufriedenheit: Trainer Niko Kovac und Eintracht Frankfurt spielen eine starke Saison.
+
Allen Grund zur Zufriedenheit: Trainer Niko Kovac und Eintracht Frankfurt spielen eine starke Saison.

Wie sich Frankfurt seit 2016 verändert hat

Das Bremer Erweckungserlebnis

Frankfurt - Von Frank Hellmann. Dass Eintracht Frankfurt am Ostersonntag beim SV Werder um die Champions-League-Plätze mitspielt, hat mit einem Schlüsselmoment von vor zwei Jahren zu tun.

Ganz am Ende stand auch Niko Kovac wie paralysiert da. Der Trainer von Eintracht Frankfurt befand sich in Schockstarre, während seine Spieler im Tollhaus Bremer Weserstadion zumeist rücklings auf den Rasen gekippt waren. Es war der 14. Mai 2016, als Frankfurt 120 Sekunden fehlten, um den Klassenerhalt dingfest zu machen. Mit einer absurden Mauertaktik, aber wen hätte das hinterher interessiert? In der 86. Minute beim Stande von 0:0 wechselte Kovac Luc Castaignos ein, seinen einzigen Stürmer auf der Bank.

Um Zeit zu schinden, aber der Schuss ging nach hinten los: Der hüftsteife Niederländer, längst nicht mehr bei der Eintracht, beging ein unnötiges Foul, das Werder jenen durch Zlatko Junuzovic getretenen Freistoß ermöglichte, in dessen Anschluss Papy Djilobodji die Kugel irgendwie über die Linie grätschte. Der Rest ist Bremer Geschichte. In Frankfurt hatte Niko Kovac im Anschluss mit Bruder Robert über die Pfingsttage 2016 viel zu tun, die Akteure irgendwie wieder aufzurichten.

Eintracht justierte gesamten sportlichen Bereich neu

Relegation statt Rettung. Und die erwies sich gegen den 1. FC Nürnberg als nicht einfach, zumal kurz vorher die Krebserkrankung von Marco Russ infolge einer Dopingprobe öffentlich wurde. Dass die erst zwei Monate vorher in die Verantwortung gehievten Kovac-Brüder diese Bürde mit einem schwer erkämpften 1:0 bei den Franken meisterten, war nicht selbstverständlich. „Als wir es geschafft hatten, da haben wir erstmal gemerkt, was da abfiel: Das war kein Stein, das war ein Riesenfelsen“, gestand Robert Kovac gerade erst in der „Frankfurter Rundschau“.

Die in Berlin geborenen Kroaten brachten damit im doppelten Sinne einen Stein ins Rollen. Gemeinsam mit dem im Sommer 2016 installierten Sportvorstand Fredi Bobic wurde der gesamte sportliche Bereich neu justiert. Das Scouting, die Transferpolitik, die Kaderplanung. Die Herkunft spielte im Grunde kaum noch eine Rolle. Hauptsache charakterlich und körperlich starke Akteure, am besten auch schnell, jung und entwicklungsfähig. Heute hat die Eintracht – passend zum Charakter der Mainmetropole – einen Multi-Kulti-Kader, der in Sachen Zusammenhalt beispielhaft ist. Weil Trainer Niko Kovac seinen Profis klare Regeln mitgibt.

Kovac: „Wir können nichts mehr verlieren“

Wenn die Eintracht am Ostersonntag (15.30 Uhr) in Bremen antritt, dann geht es für die Gäste um die Europapokalplätze. Sechs Punkte liegen die Hessen vor dem Tabellensiebten Hoffenheim, und vermutlich berechtigt der siebte Rang auch noch zur internationalen Teilnahme. Denn im DFB-Pokal-Halbfinale (Auswärtsspiel auf Schalke) mischen die Adlerträger auch noch mit. Die einst launische Diva gibt das Überraschungsteam, besticht durch Konstanz, Robustheit und Disziplin. Und sie hat nur noch, wie Niko Kovac findet, „positiven Druck“. Der 46-Jährige: „Wir können nichts mehr verlieren.“

Seine Elf ist frei von Allüren, hat Leistungsträger in allen Mannschaftsteilen: den tadellosen Lukas Hradecky im Tor, den unerschrockenen David Abraham in der Abwehr, den integrativen Kevin-Prince Boateng im Mittelfeld, den schnellen Ante Rebic im Sturm. Die Attribute, die den früheren Mittelfeldkämpfer Kovac auszeichneten, kennzeichnen nun das Auftreten seines Ensembles. Kaum ein Team wirkt wehrhafter. Das spricht sich herum.

Nicht unwahrscheinlich, dass sich der FC Bayern bald auch mit Kovac beschäftigt, der von 2001 bis 2003 in München spielte, vom ehemaligen Bayern-Pressechef Markus Hörwick in Medienfragen beraten wird und dessen Familie in Salzburg wohnt. Auf der anderen Seite hat der prinzipienfeste Coach gerade erst eine lebenslange Mitgliedschaft bei der Eintracht abgeschlossen und immer wieder beteuert, dass es „keinen Kontakt zu den Bayern“ gibt. Sein Vertrag in Frankfurt läuft bis 2019.

Fest steht: Die Metamorphose vom Abstiegskandidaten zum Königsklassenanwärter wäre ohne das Bremer Erweckungserlebnis von vor zwei Jahren nicht zustande gekommen. Vielleicht wurde das Weserstadion deswegen bereits in der vergangenen Saison zum Schauplatz für einen besonderen Moment: Am 20. November 2016 erzielte das Eigengewächs Aymen Barkok mit einem Kunstschuss das 2:1 für die Eintracht. Siegtreffer in der letzten Minute. Im allerersten Bundesligaspiel. Niko Kovac hatte den 18-Jährigen in der Schlussphase eingewechselt.

Schon gelesen?

Thy: „Ich komme zurück nach Bremen“

Kohfeldt über die U23: Regionalliga hätte auch Vorteile

Mehr News zu Werder Bremen

Kann das Team von Florian Kohfeldt am Sonntag den ersten Dreier der Saison einfahren? Alles Wichtige zum Spiel von Werder Bremen gegen den FC Augsburg. Für ihn tricksten die Grün-Weißen sogar bei der Aufstellung: Mamadou Kone wurde im Geheimtest gegen Hannover 96 von Werder Bremen eingesetzt.

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Kommentare