Die Taktik von Florian Kohfeldt ging nicht auf: Werder Bremen unterliegt gegen Eintracht Frankfurt mit 0:3.
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Die Taktik von Florian Kohfeldt ging nicht auf: Werder Bremen unterliegt gegen Eintracht Frankfurt mit 0:3.

0:3-Heimniederlage im Nachholspiel

Werder-Taktik-Analyse: Niederlage gegen Frankfurt - neue Stärken, alte Schwächen

Im Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt agierte Werder Bremen zwar spielfreudiger als in den Wochen zuvor und wusste auch kämpferisch zu überzeugen. Am Ende waren aber die alten Schwächen gewichtiger als die neu gewonnenen Stärken, meint unser Taktikanalyst Tobias Escher.

Feinste Fußballkost war das Nachholspiel zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt nicht. 22 Schüsse gab es in dem Spiel zu bestaunen, was leicht unter dem Bundesliga-Durchschnitt liegt. Klar über dem Schnitt lag hingegen die Anzahl der Fouls: Gleich 35mal langten die Spieler beider Teams hin; das sind zehn Fouls mehr als durchschnittlich in einem Bundesliga-Spiel üblich.

Die hohe Intensität der Partie lag in der Taktik der Frankfurter begründet. Diese zwangen den Bremern ein enges, von Zweikämpfen geprägtes Spiel auf.

Eintracht Frankfurt deckt eng

Werders Trainer Florian Kohfeldt hatte auf dem Papier zwar auf vier Positionen gewechselt. Doch auch mit neuem Personal hielt er an der Erfolgstaktik aus dem Schalke-Spiel fest: Werder verteidigte in einem 3-4-3-System. Bei Ballbesitz rückte der zentrale Verteidiger Kevin Vogt aus der Abwehr heraus. Als dritter Mittelfeldspieler bot er sich hinter dem gegnerischen Sturm an. Bremen spielte also in einer Mischung aus 3-4-3 und 4-3-3.

Eintracht-Trainer Adi Hütter hatte mit dieser Variante offensichtlich gerechnet. Er ist bekannt dafür, die Formation des Gegners zu spiegeln. Seine Eintracht soll auf dem ganzen Feld Mannorientierungen herstellen. Jedem Gegenspieler wird ein Verteidiger zugeordnet – und dieser Verteidiger geht sofort zum Zweikampf über, sobald der Ball kommt.

Werders Struktur im Spielaufbau. Sobald Klaassen sich fallenließ, folgte ihm sein Manndecker. Osako stieß in die Lücke, die in Frankfurts Mittelfeld entstand.

Um Werders Formation spiegeln zu können, lief Frankfurt in einem 3-4-1-2 auf. Mijat Gacinovic bekam die Aufgabe zugeteilt, Vogt zu decken. Sobald Vogt aufrückte, ließ sich Gacinovic fallen, damit dieser keine Zuspiele erhalten konnte. Frankfurts zwei Stürmer liefen wiederum Werders Innenverteidiger an. Diese erhielten somit keine Zeit, das Spiel ruhig aufzubauen.

Werder Bremen: Gute Chip-Bälle, schlechte Pässe in die Tiefe

In den Anfangsminuten tat sich Bremen schwer mit der aggressiven Spielweise der Frankfurter. Werder fehlte die Ruhe im Aufbau, um Angriffe vorzubereiten. Im Verlaufe der ersten Halbzeit kamen sie aber immer besser mit dem Frankfurter Pressing klar. Davy Klaassen und Maximilian Eggestein ließen sich abwechselnd fallen, um eine Anspielstation vor der Abwehr zu schaffen. Ihre Manndecker folgten ihnen, sie hatten jedoch genug Zeit, den Ball zurück in die Abwehr abzulegen.

Dass Frankfurts Mittelfeldspieler Klaassen und Eggestein deckten, nutzte Werder aus. Yuya Osako und Fin Bartels boten sich in den Lücken hinter ihnen an. Werders Verteidiger und auch Torhüter Jiri Pavlenka spielten immer wieder halbhohe Lupfer hinter das gegnerische Mittelfeld; sogenannte Chip-Bälle. Auch Stürmer Davie Selke ließ sich fallen, um lange Bälle festzumachen und weiterzuleiten.

Diese guten Ansätze spielte Bremen aber selten mit Druck zu Ende. Einerseits fehlte Werder Tiefe und Wucht im eigenen Angriff – mal wieder, muss man sagen, ist dies doch eins der größten Probleme in dieser Saison. Andererseits beeindruckte das Frankfurter Mittelfeld mit einer hohen Laufstärke. Kaum war Werder hinter das Mittelfeld gelangt, sprinteten die Frankfurter auch schon wieder hinter den Ball.

Eintracht Frankfurt schafft sich Raum

Werder tat sich offensiv schwer - Frankfurt jedoch auch. Sie bissen sich am Pressing der Bremer fest. Selke und die Außenstürmer rückten weit nach vorne und liefen Frankfurts Dreierkette an. Häufig blieb der Eintracht nur der lange Ball. Den eroberte in den meisten Fällen Werders Fünferkette.

Nachdem sich beide Teams in der ersten Halbzeit neutralisierten (und häufig foulten), gewann Frankfurt nach der Pause Oberwasser. Sie agierten nun risikoreicher im eigenen Spielaufbau. Die äußeren Innenverteidiger rückten bis an die Seitenauslinie. Frankfurts erste Aufbaulinie bot sich auf der gesamten Breite des Platzes an; diesen Raum konnte Bremens enger Dreiersturm nicht abdecken.

Die breite Rolle der Innenverteidiger befreite wiederum die Außenverteidiger. Gerade Filip Kostic konnte nun wesentlich weiter vorrücken. Er bekam häufiger Bälle an der Seitenlinie und konnte Tempo aufnehmen. In der 67. Minute legte Kostic den Führungstreffer mit einer Flanke auf. Torschütze André Silva stand im Strafraum frei, weil Bremens Verteidiger den Zeitpunkt verpasst haben, von einer Raum- auf eine Mannorientierung zu wechseln.

Werder Bremen: Alte Schwächen

Der Rest der Partie las sich wie eine Fortführung der bisherigen Saison: Werder Bremen war weiterhin bemüht, doch es fehlte jegliche Tiefe im letzten Drittel. Kohfeldts wechselte insgesamt fünfmal. Sein 3-4-3-System stellte er erst in den Schlussminuten um, als er auf ein 4-3-1-2 wechselte.

Das Spiel war zu diesem Zeitpunkt bereits entschieden worden durch – wie konnte es anders sein? – zwei Gegentore nach Standards. In beiden Fällen hatte Bremens Raumdeckung Lücken am zweiten Pfosten, nach einem Eckstoß (81.) und einem Freistoß (90.) konnte der eingewechselte Stefan Ilsanker zweimal einnetzen. Es waren die Standard-Gegentore 16 und 17. Werder zieht in dieser Statistik damit wieder an Mainz vorbei (16 Standard-Gegentore).

Mit diesen altbekannten Schwächen machte Werder Bremen die durchaus guten Ansätze der ersten Halbzeit zunichte. Nun wartet mit Wolfsburg ein nicht minder aggressiver Gegner. Stellt Bremen am Wochenende die alten Schwächen ab, haben sie Chancen, wichtige Punkte im Abstiegskampf zu holen.

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