Eine Collage zeigt Mesut Özil im Trikot von Werder Bremen, Mladen Krstajic und Ailton im Trikot von Schalke 04 und Dieter Burdenski im Werder-Tor
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Mesut Özil (v.l.) wurde nach seinem Wechsel zu Werder Bremen zum Star. Mladen Krstajic und Ailton gingen nach dem Double 2004 zu Schalke 04. Dieter Burdenski begann seine Karriere als Schalker und wurde bei Werder zur Legende.

Wechselvolle Historie

So viel Werder steckt in Schalke 04: Transfers ohne Ende

Wechsel zwischen Werder Bremen und dem Schalke 04 haben eine lange Tradition. Manchmal gingen sie gut aus, manchmal waren sie große Fehler. Vor dem Bundesliga-Spiel blicken wir in der Geschichte auf die Transfers zurück.

Die Älteren werden sich womöglich noch erinnern. Es begann alles in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg. Herbert Burdenski, Stammvater aus der legendären Fußballer-Dynastie in Gelsenkirchen, machte den Vorreiter und setzte eine Entwicklung in Gang, die bis in die heutige Zeit anhält. Der Vater des inzwischen zur Werder-Legende aufgestiegenen Torhüter-Denkmals Dieter Burdenski, ein waschechter Schalker Knappe, wechselte 1949 an die Weser und spielte bis 1954 für Werder Bremen. „Budde“ senior schrieb damit Geschichte als der erste Fußballer, der die Wanderbewegung zwischen den Hochburgen der Zunft, zwischen Gelsenkirchen und Bremen einleitete.

Als Spieler an der Weser, später auch noch als Trainer. Herbert Burdenski, in den Gründerjahren der Bundesrepublik ein großer Name, kehrte 1975 für ein Jahr als Übungsleiter in die Hansestadt zurück. Der 2001 verstorbene Nationalspieler, der in die Annalen des DFB einging als Schütze des Tores im ersten Länderspiel nach dem Krieg beim 1:0-Sieg gegen die Schweiz am 22. November 1950, steht somit am Beginn der häufigen Wechselbeziehungen zwischen dem Ruhrgebiet und der Hansestadt, zwischen Schalke 04 und Werder Bremen.

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Werder Bremen und Schalke 04: Dieter Burdenski und Rudi Assauer begründen Wechsel-Historie mit

Sein Sprössling machte es ihm nach. Dieter Burdenski, heute 69 Jahre alt, übrigens vier Tage nach dem historischen Tor seines Vaters gegen die Eidgenossen geboren, ist inzwischen ein echter Bremer. Bei Schalke 04 groß geworden als Berufsfußballer, gelangte er über die Zwischenstation Arminia Bielefeld 1972 nach Bremen. Fast ein halbes Jahrhundert bestimmt er nun auch die Geschicke bei Werder: Bis 1988 als Keeper in 444 Bundesliga-Spielen, Rücktritt nach dem Meistertitel, später von 1997 bis 2005 als Torwarttrainer und als „Reisemarschall“ mit seiner Eventagentur, der regelmäßig Trainingslager und Dienstreisen der Profielf organisierte.

Es folgten viele Balltreter den Burdenskis, gingen den Weg von Schalke nach Bremen oder auch umgekehrt. So auch der berühmte „Mister Schalke“. Im Revier, bei Schalkes Erzrivale Borussia Dortmund, mit dem er 1966 als erster deutscher Europapokalsieger gefeiert wurde, sozialisiert, landete Rudi Assauer in den Siebziger Jahren bei Werder Bremen, wo eine „Millionenelf“ aufgebaut werden sollte. „Assi“ spielte bis 1976, lenkte dann die Geschicke als Manager bis 1981. Ihn zog es danach nach Gelsenkirchen, wo er fünf Jahre lang seine erste Amtszeit verlebte. „Entweder Schalke schafft mich – oder ich schaffe Schalke“, lautet das berühmte Zitat aus seinem Mund.

Zunächst war er geschafft. Zerwürfnis und Rauswurf. Assauer kehrte nach Bremen zurück, arbeitete vier Jahre im Immobiliengeschäft. Beim VfB Oldenburg stieg er wieder ins Fußballgeschäft ein, verpasste mit dem Club aus der Provinz nur um einen Punkt den Aufstieg in die Erstklassigkeit. Der Boden für die Rückkehr auf Schalke war bereitet: Comeback am Schalker Markt 1993. Erfolge in der zweiten Amtszeit: Gewinn des Europacups 1997, die Pokalsiege 2001 und 2002, nur der ersehnte Meistertitel blieb versagt. Nach dem Herzschlagfinale 2001 blieb dem 2019 nach einer Alzheimer-Erkrankung verstorbenen Assauer mit seinem Herzensklub nur der Titel „Meister der Herzen“.

Werder Bremen-Wechsel: Ailton und Franco Di Santo wurden bei Schalke 04 nicht glücklich

Die Wechselbeziehungen zwischen den Standorten gestalteten sich nicht immer erfolgreich. Wer aus Bremen in den Kohlenpott zog, fand nicht unbedingt dort sein Glück. Vor allem die Stürmer haben sich meist verzockt: Ailton, den es auf dem Höhepunkt seines Schaffens 2004 nach dem Double-Gewinn und der Auszeichnung als Torschützenkönig (28 Treffer) in den Westen zog, bereute diesen Schritt. Der „Kugelblitz“ verglühte. Nur einen Sommer flitzte er durch die WM-Arena, startete danach seine Odyssee durch Europa. „Es war ein Fehler“, betonte der Brasilianer später, der bei Werder Bremen zu einem noch größeren Helden hätte werden können.

Ähnliche Erfahrungen mussten seine Erben machen. Sowohl Angelos Charisteas, der Werder 2005 verließ und nach fünf Stationen im In- und Ausland 2010 auf Schalke Station machte, wo er nur vier Spiele absolvierte und ein Tor markierte, als auch Franco Di Santo, der 2015 spät, ausgerechnet am Tag der Fans, seine Ausstiegsklausel zog, waren bei dem westdeutschen Club nicht zufrieden. Wie auch Unikum Thorsten Legat in der Endphase seiner bewegten Kickerzeit, wie auch Frank Neubarth, ein Torjäger der glorreichen Rehhagel-Ära. Zu Beginn seiner Trainerlaufbahn tauschte er den sicheren Job als Coach der Bremer Reserve gegen das Bundesliga-Abenteuer Schalke 04 ein: Es folgte ein schnelles Aus im Jahr 2002. Auch Spieler mit Schalker DNA, die in Bremen anheuerten, haben sich verzockt. So die Stevanovic-Brüder Pedrag und Aleksandar aus Serbien oder die Verteidiger Lukas Schmitz und Sebastian Boenisch.

Werder Bremen-Transfer von Schalke 04: Erfolgsgeschichte Mesut Özil

Doch es gab auch Erfolgsgeschichten – auf beiden Seiten. Werder Bremen landete im Winter 2008 einen Glücksgriff: Mesut Özil, in Ungnade gefallen, vor allem bei Manager Assauer, kam an die Weser, für die damals astronomische Ablöse von fünf Millionen Euro. „Eine gute Investition“, wie der kritisierte Werder-Boss Klaus Allofs meinte. Er sollte recht behalten: Der junge Schalker Bub blühte auf, avancierte zum Nationalspieler, wechselte für das Dreifache zu Real Madrid und wurde Weltmeister.

Ähnliche Verläufe, von denen Schalke profitierte. Gleich fünf prominente Fälle, mit zwei Torhütern an der Spitze: Frank Rost, neun Jahre in Bremen, und Oliver Reck, gar 13 Jahre am Osterdeich, setzten ihre Karrieren im Revier fort und erwiesen sich als Volltreffer. Es musste schon ein gewisser Manuel Neuer erscheinen, bevor Rost das Tor verlassen musste. Und Reck bewährte sich in neuer Umgebung so sehr, dass er 2003 sofort in den Trainerstab übernommen wurde.

Werder Bremen: Naldo wird auch Publikumsliebling bei Schalke 04

Als Verstärkungen für Königsblau erwiesen sich auch Fabian Ernst und Mladen Krstajic, Double-Helden des SV Werder Bremen, die beide eine herausragende Zeit bei Schalke 04 verbrachten. Übertroffen nur noch durch die Heldensaga, die Naldo schrieb. In zwei Spielzeiten von 2016 avancierte der Brasilianer, einst als Nachfolger von Valerien Ismael zu Werder geholt, nach zwischenzeitlichem Aufenthalt in Wolfsburg zum Abwehrchef und Publikumsliebling der Schalker.

Der sympathische Südamerikaner, inzwischen auch deutscher Staatsbürger, hat sich überall wohlgefühlt, betont dennoch seine Vorliebe für Werder-Epoche: „Hier hat es mir am besten gefallen.“ Naldos Urteil ist keine Ausnahme. Die meisten Bremer „Auswanderer“ reden so. Und auch die „Zugereisten“ mit Schalker Wurzeln sprechen positiv über ihre Zeit bei Werder Bremen. Nicht nur die Burdenskis, mit denen alles begann.

Vor Werder Bremen gegen Schalke 04: Dieter Burdenski im Kurz-Interview

Dieter Burdenski, seit Jahrzehnten im Großraum Bremen beheimatet, ist in Gelsenkirchen aufgewachsen. Für Werder Bremen und Schalke 04 hat der Torwart gespielt. „Budde“ vergleicht.

Zwei Seelen in Ihrer Brust? Für wen schlägt Ihr Herz mehr – für Schalke oder Werder?

Das Herzschlagen für Schalke ist ein wenig abgeebbt, seit mein Vater Herbert und mein Bruder Jochen, der jahrelang im Aufsichtsrat mitgearbeitet hat, vor Jahren gestorben sind. Auf Schalke bin ich aufgewachsen, dort bin ich Profi geworden, das prägt und verbindet. Ich würde sagen, dass die Sympathien verteilt sind: 60 Prozent Werder, 40 Schalke.

Gibt es Gemeinsamkeiten bei den beiden Clubs?

Außer der jeweiligen Tradition kaum. Sie sind freundschaftlich verbunden, doch jeder macht sein eigenes Ding.

Wie sehen Sie die Perspektiven?

Beide laufen momentan der Musik ein wenig hinterher. Das gleiche Problem: Sie haben nicht das erreicht, was sie sich vorgenommen haben. Und die Übereinstimmung: Beide stecken in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, Schalke noch extremer als Bremen.

Apropos Wechsel: Das sind die Pläne von Werder Bremen im Transfer-Endspurt. Auch interessant: Spuck-Attacke gegen Werder Bremen - Nachspiel für Schalkes Ozan Kabak?

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