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Bleibt der Käpt‘n an Board? Er hätte schon längst ein Zeichen pro Werder setzen können. Tut es aber nicht.

Ausfall gegen Hoffenheim

Es geht ohne Kruse – muss es künftig vielleicht auch immer

Sinsheim/Bremen – Der Ausfall von Max Kruse war ein Schock. Wie sollte Werder nur ohne den Kapitän bei 1899 Hoffenheim bestehen und vor allem gewinnen? Ohne seinen erfolgreichsten Torschütze und Vorlagengeber erschien das unmöglich. Aber: Werder triumphierte tatsächlich ohne Kruse, darf weiter von Europa träumen.

Welche Rolle der Angreifer dann noch für die Grün-Weißen spielen wird, ist weiterhin offen. Kruse zockt, hat seinen im Sommer auslaufenden Vertrag immer noch nicht verlängert. Die Entscheidung naht aber, weil Werder sie einfordert, um planen zu können. Kruse gibt dabei keine sonderliche glückliche Figur ab. Interessant ist dabei auch, was sein Trainer und seine Teamkollegen nach dem Spiel in Sinsheim dazu sagten oder eben auch nicht sagten.

„Wir haben bewiesen, dass wir auch ohne Max Kruse gewinnen können“, war dabei der Bremer Satz des Abends. Vorgetragen von Profis wie Johannes Eggestein oder Kevin Möhwald. Aber auch von Trainer Florian Kohfeldt. Es war nicht zu überhören, dass mit diesen Worten auch eine gehörige Portion Erleichterung transportiert wurde. Kohfeldt hatte schon mehrfach im Laufe der Saison betont, dass es ihm wichtig sei, die Abhängigkeit von Kruse auf dem Platz zu mindern. Ihm ging es dabei vor allem darum, für die Gegner weniger ausrechenbar zu sein. Der Ernstfall konnte allerdings nie geprobt werden, weil Kruse immer einsatzbereit war.

Eggestein statt Osako

„Max ist ohne Frage ein wichtiger Spieler für uns, er hält viele Bälle, ist im Kombinationsspiel sehr wichtig. Aber wir haben das im Kollektiv aufgefangen. Das haben wir gut gemacht, darauf können wir stolz sein“, verkündete Johannes Eggestein. Der 21-Jährige war übrigens für Kruse in die Startelf gerückt, nicht Yuya Osako, wie vermutet worden war. Kohfeldt hatte Kruse aus dem Zentrum nehmen wollen, um die Hoffenheimer auszutricksen. Dessen Job bekam dann der jüngere der Eggestein-Brüder. Er hatte aber Startschwierigkeiten. „Mit Max hätten wir sicherlich in den ersten 20 Minuten mehr Überzahl vorne geschaffen“, sagte Kohfeldt. Doch es braucht eben auch seine Zeit, bis eine Mannschaft gelernt hat, ohne ihren so spielprägenden Kapitän auszukommen. Werder spielte immer gefälliger nach vorne, schließlich traf Johannes Eggestein zum 1:0. Bruder Maximilian ließ sogar das 2:0 folgen, wurde aber nach Videobeweis zurückgepfiffen. Auch in der zweiten Halbzeit erarbeiteten sich die Bremer gute Chancen – und das ganz ohne Kruse.

Sowohl Maximilian Eggestein als auch Osako hatten da einen guten Job gemacht. Wenngleich dem Japaner dann vor dem Tor oftmals die Kraft für einen ordentlichen Abschluss fehlte. Ein Kruse wäre da wahrscheinlich abgebrühter gewesen. Dazu passte die Aussage von Kohfeldt: „Wir haben gezeigt, dass wir ohne Max gewinnen können, aber mit ihm ist es wesentlich einfacher.“

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Warme Worte für den Kapitän, der trotz seines zähen Pokerspiels um seinen am 30. Juni auslaufenden Vertrag weiter von Werder umgarnt wird. „Ich glaube nach wie vor daran, dass wir gute Argumente haben, Max zu behalten“, meinte Sportchef Frank Baumann und ließ durchaus bekannte Worte folgen: „Leider gibt es noch keine Entscheidung. Wir arbeiten weiter daran, ihn überzeugen zu können.“

Kruse hätte schon längst Zeichen pro Werder setzen können. Auch in Hoffenheim. Er hätte es wie Teamkollege Davy Klaassen machen können. Der war trotz einer Gelbsperre mitgereist in den Kraichgau, um die Mannschaft zu unterstützen. Kruse blieb in Bremen, um sich behandeln zu lassen. Das hätten allerdings auch die mitgereisten Physiotherapeuten erledigen können.

Der Kapitän setzte sich derweil kurz vor dem Anpfiff via Facebook in Szene, berichtete live aus seinem Wohnzimmer. Weil das ziemlich leergeräumt wirkte, wurde sofort über einen bevorstehenden Umzug spekuliert. Werder sorgte für die Auflösung des Rätsels: In Kruses vier Wänden steigt am Sonntag eine Charity-Veranstaltung in Zusammenarbeit mit einem Sponsor des Vereins und der von Kruse unterstützten Hilfsorganisation Viva con Agua.

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Ob der 31-Jährige Werder noch mal hilft, ist wegen seiner Oberschenkelverletzung offen. Nicht ausgeschlossen, dass Kruse gar nicht mehr grün-weiß trägt. Obwohl ihm bislang noch kein Angebot eines Topclubs vorliegen soll. Werder macht derweil den Eindruck, irgendwie schon vorbereitet zu sein auf den nächsten Kruse-Schock.

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