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Wissenswertes vor dem Auswärtsspiel von Werder Bremen beim VfL Wolfsburg: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Klemm-Brett vor Werder-Spiel gegen den VfL

Notizen vor Wolfsburg: Waffe Weghorst, Hoffnungsträger Pizarro und Casteels‘ Comeback

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Expertise rund um Werder Bremen, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 13. Spieltag geht es um den VfL Wolfsburg.

Auswärtsspiel in Wolfsburg. Das ist für Werder Bremen angesichts der derzeitigen Ergebniskrise eine ziemliche schwere Aufgabe. Und das gegen einen Gegner, der sich mit dem 2:0-Erfolg bei Eintracht Frankfurt gerade erst selbst aus einer Ergebniskrise (zuvor sieben sieglose Spiele) geschossen hat. Am Sonntag (18 Uhr, DeichStube-Live-Ticker) empfängt die Mannschaft von Trainer Oliver Glasner die Bremer in der Volkswagen-Arena. Werders Ziel ist trotzdem klar: Die Negativ-Serie soll endlich beendet werden.

Bilanz von Werder Bremen gegen VfL Wolfsburg

Positiv fällt die Bilanz des SV Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg in allen Wettbewerben aus. In 50 Spielen siegten die Bremer 24 Mal, erzielten neun Remis und verloren 17 Mal. Knapper geht es zu, wenn nur die Meisterschaftsspiele in Betracht gezogen werden: 44 Partien in der Bundesliga, 18 Werder-Erfolge, 17 Wolfsburger Siege, neun Unentschieden. In Wolfsburg gewannen die Bremer sieben Mal, verloren acht Mal und spielten sieben Mal remis.

Letzte Duelle zwischen Werder Bremen und Wolfsburg

Einigermaßen erfolgreich gestalteten sich die letzten drei Partien aus Bremer Sicht. Zweimal 1:1, zuletzt im März 2019 mit einem Treffer von Max Kruse, davor im September 2017 mit einem Treffer von Fin Bartels. Im Februar 2017 siegte Werder gar mit 2:1, übrigens nach zwei Toren von Nationalspieler Serge Gnabry.

Spruch von Marcel Schäfer

„Wenn wir in Wolfsburg jammern, dann ist es meistens auf einem extrem hohen Niveau.“

Sportdirektor Marcel Schäfer, als während der wochenlangen Formkrise erste Kritik aufkam.

VfL Wolfsburg-Sportdirektor Marcel Schäfer kann mit Krisenstimmung in der Autostadt wenig anfangen.

Werder Bremen: Höchste Niederlage gegen VfL Wolfsburg

Unter die Räder kam Werder im Jahr 2015 beim 0:6 am 21. November. Keeper Felix Wiedwald musste sechs Mal den Ball aus dem Netz holen. Für Wolfsburg traf der damals dort spielende Max Kruse, zudem waren Vierinha, Joshua Guilavogui, und Bas Dost (nun Frankfurt) erfolgreich. Alejandro Galvez steuerte ein Eigentor bei.

Dauerbrenner Claudio Pizarro

Auch in Begegnungen gegen Wolfsburg setzt Dauerbrenner Claudio Pizarro die Maßstäbe. In 15 Partien stand er für Grün-Weiß auf dem Platz, markierte dabei zehn Tore. Beim VfL ist Maximilian Arnold der torgefährlichste Spieler im aktuellen Kader: vier Treffer erzielte er gegen Werder.

VfL Wolfsburg und das Zuschauer-Problem

Es ist bekannt, dass der VfL Wolfsburg nicht gerade ein Zuschauermagnet ist. Selbst das eigene Stadion ist selten ausverkauft, nur bei Spitzenspielen. Gesamtbilanz: Nur fünf der 34 Partien in der letzten Saison, an denen die „Wölfe“ beteiligt waren, waren ausverkauft.

VfL Wolfsburg-Trainer Oliver Glasner

Für ihn ging ein „Kindheitstraum in Erfüllung“, wie er selbst betont. Schon in jungen Jahren schwärmte Oliver Glasner von der Bundesliga. Als Spieler glückte dem Abwehrmann, der hauptsächlich beim SV Ried agierte, der Sprung nach Deutschland nicht, als Trainer schaffte er es nun. Wolfsburg-GeschäftsführerJörg Schmadtke führte als Argument für die überraschende Verpflichtung des ausschließlich in Österreich bekannten und geschätzten Trainers dessen „beeindruckende Arbeit in Linz“ an.

„Er ist der richtige Mann, mit dem wir den nächsten Entwicklungsschritt machen wollen.“ Der Labbadia-Nachfolger, der nebenher ein Studium zum Diplom-Kaufmann an der Fernuniversität in Hagen gemeistert hat, begann nach der aktiven Karriere als Sportlicher Koordinator bei RB Salzburg, amtierte dort zeitweise auch als Co-Trainer des aus der Bundesliga bekannten Roger Schmidt. 

Schließlich wurde der gebürtige Salzburger Cheftrainer bei seinem Heimatverein SV Ried und später beim Linzer ASK, wo er zugleich auch als Sportdirektor fungierte. In Oberösterreich avancierte Glasner zum Aufsteiger in der Gilde und landete Erfolge auf der ganzen Linie. Aufstieg in die erste Liga 2015, danach Vierter und in seinem dritten Jahr sogar Vize-Meister hinter den übermächtigen Red Bulls aus Salzburg. Erfolge, die nicht nur Schmadtke in Niedersachsen registriert hat. Erfolge, die den 45-jährigen Glasner zu einem ganz heißen Eisen auf dem Trainermarkt gemacht haben.

Lest hier das DeichStube-Interview mit Oliver Glasner, über das Duell mit Werder Bremen, schnelle Trainerentlassungen und Werders Schwächephase, vor dem Bundesliga-Spiel am Sonntag.

VfL-Comeback von Koen Casteels, dem ehemaligen Torwart des SV Werder Bremen

In der Länderspielpause absolvierte der VfL ein internes Testspiel, vor allem ein Testlauf für die angeschlagenen und verletzten Spieler. Zwei Mal 30 Minuten unter Ausschluss der Öffentlichkeit fand der Testlauf statt. Das Resultat: Die Kandidaten sind, so Trainer Oliver Glasner, alle „auf einem absolut richtigen Weg“. Der frühere Bremer Koen Casteels, seit dem dritten Spieltag mit einem Haarriss im Wadenbein außer Gefecht, ist wieder einsatzfähig und feierte in Frankfurt sein Comeback.

Auch Admir Mehmedi (Muskelfaserriss im Oberschenkel) spielte wieder. Eine gute Figur machten auch der am letzten Wochenende wieder eingewechselte Xaver Schlager (Knöchelbruch) und Daniel Ginczek (Rücken-Operation), mit dessen baldiger Rückkehr zu rechnen ist. Sowohl Schlager als auch Ginczek sammelten am vergangenen Wochenende wichtige Spielzeit in der U23 des VfL beim 5:0-Kantersieg gegen den VfB Oldenburg in der Regionalliga Nord. Ginczek traf dabei doppelt.

Achtung, Werder Bremen: Torjäger Wout Weghorst ist brandgefährlich

Der neue Torjäger kommt aus den Niederlanden – wie auch der alte. Wout Weghorst folgt auf Bas Dost. Die beiden kennen sich aus der holländischen Nationalelf, sie verstehen sich, sie schätzen sich. Wout fragte Kumpel Bas sogar um Rat: Soll ich zu Wolfsburg wechseln? Der Freund riet dazu, Weghorst nahm den Tipp an und wechselte 2018 nach Niedersachsen. „Ich will kein neuer Dost sein“, erklärte er.

Der Landsmann hatte von 2012 bis 2016 erfolgreich in der Volkswagenstadt gewirkt, bevor er nach Portugal wechselte: Pokalsieger 2016, 36 Tore in 85 Spielen. Weghorst tritt in seine Fußstapfen. Seine bisherige Bilanz: 23 Tore in 46 Spielen, sechs Treffer und zwei Assists in dieser Spielzeit, in der er in allen zwölf Spielen auflief. Der 27-jährige Stürmer aus Alkmaar erntete nun auch den Lohn. Lange Zeit vom Bondscoach Ronald Koeman übersehen, absolvierte er beim 5:0 gegen Estland sein viertes Länderspiel.

Wolfsburger Sorgenkind Jerome Roussillon

Shootingstar in der letzten Saison, Sorgenkind in dieser Spielzeit: Jerome Roussillon. 2018 wechselte der Linksverteidiger aus Montpellier nach Wolfsburg - und trumpfte als Linksverteidiger mächtig auf. Er bestach durch seine Offensivstärke und seine Flankenläufe. Arbeitsnachweis gefällig? Drei Tore und sechs Vorlagen in seinem Debüt-Jahr. An diese Zahlen kommt der Franzose in der laufenden Saison nicht mehr heran.

Der Außenbahnspieler hat zehn Partien absolviert in der Liga, doch sein Formverfall ist augenscheinlich. Im neuen 3-4-3-System, das Oliver Glasner bevorzugt, kann der 26-Jährige überraschenderweise seine Qualitäten als Flügelmann nicht zeigen. Als alleiniger Mann auf der linken Seite fremdelt er mit seinem neuen Job. Trainer Glasner: „Ihm fehlt die Leichtigkeit.“

Form des VfL Wolfsburg

Endlich wieder gewonnen, mit einem 2:0 in Frankfurt hat der VfL die kleine Krise im Herbst beendet. Die „Wölfe“ brachten der Eintracht die erste Heimniederlage bei, ein Resultat, das nicht hoch genug zu bewerten ist, weil es in Unterzahl zustande kam. Marcel Tisserand hatte kurz vor der Pause die Gelb-Rote Karte gesehen. Wout Weghorst hatte die Führung erzielt. In der Folge profitierte Wolfsburg von einem Fehler des Ex-Bremers Felix Wiedwald, der Joao Victor das zweite Tor gestattete. Trainer Oliver Glasner hatte neben den zurückgekehrten Koen Casteels und Admir Mehmedi auch Anthony Brooks neu in die Elf gebracht.

Für Oliver Glasner, Trainer des VfL Wolfsburg, zählt der SV Werder Bremen trotz der aktuellen Krise noch immer zu den Anwärtern auf die Europapokal-Plätze.

Wolfsburger Negativserie ähnlich wie bei Werder Bremen

Der Start glückte: Wolfsburg lag nach acht Spieltagen auf Platz zwei, gemeinsam mit dem Spitzenreiter Borussia Mönchengladbach punktgleich mit 16 Zählern. Doch dann ging es bergab. Eine eklatante Formkrise. Der VfL konnte nicht mehr siegen, schied sang und klanglos aus dem DFB-Pokal aus. Und auch in der Liga folgte der Absturz aus dem Spitzenfeld, ans Ende der oberen Tabellenhälfte.

Anekdote zu Jörg Schmadtke

Wann es genau war, ich kann es nicht festmachen. Irgendwann zu der Zeit, als er bei Hannover 96 erfolgreich wirkte. Erstmals hatte ich engeren Kontakt zu Jörg Schmadtke. Ein Unikum in der Branche, wie ich wusste aus vielen Gesprächen mit Kollegen aus dem Westen, wo er bekannt war wie ein bunter Hund. Schmadtke war mir in Erinnerung als Keeper in Düsseldorf und Freiburg, der in einem kunterbunten Dress mitunter das Tor gehütet hatte. Harlekin Schmadtke.

Doch so lustig gestalteten sich die ersten direkten Aufeinandertreffen keineswegs. Der Manager konnte schroff sein, sehr barsch und rüde, grob in der Wortwahl, manchmal frech, wenn nicht sogar bösartig. Zumindest, wenn er seinen Gegenüber noch nicht näher kannte und der Widerpart auch wenig von den Eigenarten des Gesprächspartners wusste. Schmadtke wie einst der bärbeißige Ernst Happel, der den ungehobelten Umgangston gegenüber Journalisten zu seinem Markenzeichen gemacht hatte.

Oder ein anderes Beispiel: Schmadtke wie Huub Stevens, der Knurrer aus den Niederlanden. Doch je häufiger das Zusammentreffen, desto verbindlicher wurde der Dialog. Dabei kam rasch die andere Seite des Jörg S. zum Vorschein, für Außenstehende manchmal nur schwer zu entschlüsseln. Der Humor und die Ironie des Machers, der stets pointiert seine Meinung vertritt, mag sie auch noch so unpopulär sein.

Der Geschäftsführer des VfL ging und geht seinen Weg, immer geradeaus, meist auch zum Ziel führend. Aachen, Hannover und Köln, wo er segensreich wirkte, stiegen auf und zogen ins internationale Geschäft ein. Sein Verdienst, das zu dem geflügelten Wort verleitet: Wo er ist, ist Erfolg. Darauf setzen sie beim VfL und bei VW – aus gutem Grund.

Mehr News zu Werder Bremen

Der SV Werder Bremen hofft in der Krise auf die Wende gegen den VfL Wolfsburg, Florian Kohfeldts Personalwechsel-Drohung verpufft aber. Sebastian Langkamp darf wohl bleiben – Nuri Sahin auch? Hier gibt‘s die voraussichtliche Aufstellung von Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag.

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