Werder Bremens kommender Gegner Jahn Regensburg bejubelt einen Treffer.
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Werder Bremens kommender Gegner Jahn Regensburg bejubelt einen Treffer.

Nächster Gegner von Werder Bremen

Werder-Gegner-Check: Historie, Trainer, Form, Star - so tickt Jahn Regensburg

Jahn Regensburg marschiert und sorgt für Verblüffung. In den vergangenen Jahren meist eine graue Maus der 2. Liga, doch in dieser Spielzeit hat sich der Club an der Spitze etabliert. Ein kleines Fußballwunder in der Oberpfalz, wo mit Dr. Christian Keller der Macher des Aufschwungs seinen Abschied zum 1. FC Köln verkündet hat, doch mit Mersad Selimbegovic ein großes Trainer-Talent weiterhin für Stabilität sorgt. Der nächste Gegner des SV Werder Bremen im Check.

Werder Bremen-Gegner: Die Historie von Jahn Regensburg

Der Tiefpunkt datiert aus dem Jahr 1996: Zum ersten Mal in der Geschichte war „der Jahn“, wie der Verein gerufen wird, in die fünftklassige Landesliga abgestiegen. Drei Jahre später begann der Aufstieg, 2000 der zweite Aufstieg in Folge in die neugestaltete zweigleisige Regionalliga, weitere zwei Jahre später war die 2. Bundesliga erreicht und somit die Rückkehr in den Profifußball nach über 20 Jahren perfekt. Es folgten bewegte Spielzeiten. Zurück in die Regionalliga, sogar runter bis in die Bayernliga sowie eine drohende Insolvenz, bevor ab 2008 die endgültige Etablierung im Profifußball gelang (mit der Ausnahme der Viertklassigkeit 2015).

Seit 2017 hat sich die Fahrstuhlmannschaft Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga festgesetzt, geht nunmehr in ihre fünfte Saison in Folge. Zumeist haben die Oberpfälzer die Abstiegsregion gut umschifft, landeten in der Endabrechnung von Platz 5 bis 14. Erstaunlich, dass die Truppe aus Bayern diesmal sogar an der Spitze mitmischt und zu den Überraschungsteams gezählt werden muss.

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Werder Bremen-Gegner: Der Trainer Jahn Regensburg

Seine Vita ist außergewöhnlich. Titel: Vom Kriegsflüchtling zum Profitrainer. Mersad Selimbegovic, der gebürtige Bosnier, war während des Kriegs auf dem Balkan heimatlos. Als Fußballer tauchte er in die Welt des Westens ein und heuerte 2006 in Regensburg an. In der Oberpfalz arbeitete er sich hoch – erst als Spieler, danach als Trainer seit 2012, zuletzt als Assistent bei den Profis. Als sein Chef Achim Beierlorzer sich vor zwei Jahren nach Köln verabschiedete, wurde der 39-Jährige befördert. Die Chance für Selimbegovic, die dieser nutzte. Zweimal erfüllte er den Auftrag, mit dem Jahn die Klasse zu erhalten. Inzwischen hat er seinen Vorgänger Beierlorzer schon überholt als Trainer mit den meisten Spielen in der 2. Liga.

Seit mehr als 15 Jahren ist der aktuelle Chefcoach, dessen Kontrakt bis 2023 läuft, nun bei Jahn Regensburg. Eine besondere, eine intensive Beziehung und eine Kooperation, die Erfolge brachte und weitere Erfolge verspricht. „Ich wollte überleben“, sagt Selimbegovic über seine gefährliche Flucht als Kind aus dem früheren Jugoslawien. In Deutschland galt er lange als einer der unbekanntesten Trainer im Profifußball. Die Zeiten sind längst vorbei. Der Erfolgstrainer, als Aktiver 2007 mit Jahn in die Regionalliga aufgestiegen, hat sich inzwischen einen guten Namen gemacht.

Sapreet Sing: Der Star bei Werder Bremen-Gegner Jahn Regensburg

Wer aus der Nachwuchsschmiede der Münchner Bayern kommt, muss schon Fußball spielen können. Sarpreet Singh stammt aus dem Fohlenstall des Rekordmeisters. Der 22-Jährige hat bei den Bayern, was so einfach nicht sein soll, den Durchbruch noch nicht geschafft. Er war schon verliehen an den 1. FC Nürnberg bis Januar. Nun ist er verkauft worden, ablösefrei zum bayrischen Rivalen Regensburg. Der Neuseeländer, der bei Wellington Phoenix groß geworden ist und sechs Spiele für die Nationalelf bestritten hat, hat sich gut eingefügt bei dem Zweitligisten.

Singh hat sich einen Stammplatz in der linken Offensivzentrale erobert und zählt beim Überraschungsteam zu den Stützen, gemeinsam mit dem dänischen Torjäger Andreas Albers, der vor zwei Jahren aus Viborg gekommen ist. Diese Kandidaten haben bislang mehr Aufmerksamkeit erlangt als der seit September 2020 engagierte eigentliche Star Christoph Moritz, bekannt vor allem aus seinen Zeiten beim Hamburger SV, Mainz 05 und Schalke 04, mit 96 Bundesliga-Spielen einer der Erfahrensten im Team. Neu ist übrigens auch ein alter Bekannter an der Weser: Leon Guwara, von 2014 bis 2018 bei Werder Bremen und nun ablösefrei aus Holland vom VVV-Venlo gekommen.

Die Form des Werder Bremen-Gegners Jahn Regensburg

Der Jahn lässt nicht locker. Regensburg stellt die Überraschungself des Spieljahres. Die Selimbegovic-Elf überrascht seit dem ersten Spieltag. Der Underdog steht oben. Anfang November der erste Rückschlag: 2:3-Niederlage gegen Rostock, nach der viele einen Einbruch erwarteten. Es gab ein 1:4 beim Hamburger SV, doch die Mannschaft stabilisierte sich wieder und fing sich beim 3:1-Erfolg im Heimspiel gegen Angstgegner Dresden, dem ersten Sieg im neunten Aufeinandertreffen mit den Sachsen. Ein Verdienst des Trainers, der Mut bewies. In der Endphase wechselte Selimbegovic den Sieg ein. Mit Zwarts, Caliskaner und Makridis kamen drei Angreifer rein, zwei Joker drehten die Partie – Caliskaner und Makridis sorgten für die erlösenden Tore. Die letzte Partie in Heidenheim brachte erneut einen kleinen Dämpfer: 0:3 – größtenteils in Unterzahl nach dem Feldverweis für David Otto, der drei Spiele Sperre kassierte und gegen Werder Bremen somit fehlen wird.

Werder Bremen: Die Besonderheit von Jahn Regensburg

Sein Rücktritt ist beschlossene Sache. Dr. Christian Keller, Geschäftsführer Profifußball in der seit 2009 ausgegliederten Kapitalgesellschaft seit acht Jahren und in dieser Funktion der Schöpfer des Fußball-Wunders in Regensburg, hörte Ende Oktober bei dem Zweitligisten auf und schloss sich dem 1. FC Köln an. Es war so geplant. Bereits Weihnachten 2019 hatte sich der Ökonom, der früher auch Sportmanagement an der Fachhochschule in Heidelberg lehrte, zu diesem Schritt entschieden. Jahn Regensburg verliert in dem 43-Jährigen einen glänzenden Macher, der einen nach Jahren der drohenden Insolvenz einen wirtschaftlich intakten Club übergibt.
 
„Wir waren der effizienteste deutsche Proficlub“, darf Keller voller Stolz verkünden, „was das Verhältnis von Input und Output anbelangt.“ Soll sagen: Der Jahn hatte den geringsten Personalaufwand aller Vereine und hat dennoch ligaübergreifend die höchste Umsatzrendite erzielt. Konkret: 5,4 Millionen Euro Gewinn bei rund 24,5 Mio. Umsatz in der letzten Spielzeit. Nur die Spitzenteams der Bundesliga toppen dieses Resultat: Primus Bayern mit 9,8 Millionen, Leipzig mit 8,8 Millionen. Vor dem Hintergrund der durch die Corona-Pandemie verursachten Einbußen sei dies so Keller „eine grandiose Leistung“. Dazu beigetragen hat auch der Vorstoß ins Viertelfinale des DFB-Pokals, wo bekanntlich gegen Werder nach einem 0:1 Endstation war. (hgk)

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