Befreiungsschlag: Der Hamburger SV hat rechtzeitig zum Nordderby gegen Werder Bremen einen Last-Minute-Sieg gegen den SV Sandhausen eingefahren.
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Befreiungsschlag: Der Hamburger SV hat rechtzeitig zum Nordderby gegen Werder Bremen einen Last-Minute-Sieg gegen den SV Sandhausen eingefahren.

Vor Werder-Spiel gegen den HSV

Werder-Gegner-Check: Historie, Trainer, Form – So tickt der Hamburger SV

Der SV Werder Bremen spielt am 7. Spieltag der Zweitliga-Saison im Nordderby gegen den Hamburger SV. Der Gegner im Check.

Die Historie

Der Dino lebt – allerdings nicht dort, wo er sich heimisch gefühlt hat. Das letzte Gründungsmitglied der Bundesliga muss nach dem Abstieg 2018 nun überleben im Unterhaus des deutschen Profifußballs. 55 Jahre lange war der Traditionsclub aus dem Norden erstklassig, nimmt in der Ewigen Tabelle der Spielklasse noch den vierten Rang ein hinter Bayern München, Borussia Dortmund und Werder Bremen. Lange vorbei sind die glorreichen Zeiten des HSV, der zwei Europapokale holte: 1983 den der Landesmeister sowie 1977 den der Pokalsieger. Weitere Eintragungen auf dem Briefkopf des in aller Welt bekannten Nordlichts: Deutscher Meister siebenmal, Pokalsieger dreimal. Der letzte Titelgewinn liegt indes schon fast vier Jahrzehnte zurück: Cup-Gewinn mit Ernst Happel 1987. Danach wurde es immer ruhiger um die Rothosen, die nun schon das vierte Jahr in der 2. Liga verbringen. Drei Versuche, drei gescheiterte Vorhaben, den Wiederaufstieg zu schaffen. Dreimal Platz vier in der Endabrechnung.

Der Trainer

Er ist die Nummer 6, der das vollbringen soll, was sich bis jetzt als „mission impossible“ erwies: Tim Walter. Der neue Hoffnungsträger beim HSV, der sechste Coach seit dem Abstieg, der den Wiederaufstieg meistern soll. Zuvor durften sich Christian Titz, Hannes Wolf, Dieter Hecking, Daniel Thioune und Horst Hrubesch (für die letzten drei Spieltage der vergangenen Spielzeit) versuchen. Nur der inzwischen in Nürnberg tätige Hecking hielt sich eine komplette Saison im Amt. Nun also der Versuch mit Walter, einem eigenwilligen Vertreter seiner Zunft. Der 45-Jährige steht für Eigenarten. Das System Walter ist bekannt in Fußball-Deutschland. Seine Philosophie lässt sich so beschreiben: Offensive immer gewünscht, viel Mut im Spielaufbau, hohe Passqualität. Dazu setzt der Fußballlehrer, der sich im Nachwuchs bei Bayern München einen Namen gemacht und danach bei Holstein Kiel und dem VfB Stuttgart gearbeitet hat, vor allem auf die Mentalität seiner Schützlinge. Rund eineinhalb Jahre war Walter nach seiner Beurlaubung in Schwaben ohne Job, an der Alster hat er einen Kontrakt bis 2023 unterschrieben.

Der Star

Hrubesch oder Magath, Kaltz, Keegan oder zeitweise sogar Beckenbauer. Welch ruhmreiche Stars spielten einst in dem traditionsreichen Dress der Hamburger! Lang ist es her, dass der HSV, einst der Widerpart der Münchner Bayern, Nationalspieler en masse stellt. Der Star heute? Es gibt einen Tim Leibold, es gibt einen Sonny Kittel und es gibt einen Robert Glatzel, allesamt Spieler mit Erfahrungen und Einsätzen in der 1. Liga. Die Auswahl fällt schwer, wer der Star ist. Also nehmen wir einen anderen, einen, der bislang nicht nur mit seinem Namen, sondern auch mit Leistung überzeugt hat: Sebastian Schonlau, der aus Paderborn gekommene Abwehrchef. In den ersten Partien hat sich der 27 Jahre alte Neuzugang sogleich als Leistungsträger bewährt. Er passt perfekt ins Konzept des neuen Trainers als ein in der Spieleröffnung starker Defensivmann, der bei Ballbesitz schon mal auf der Zehn auftauchen kann. Im neu aufgebauten HSV-Team ist der Ostwestfale zudem einer der routiniertesten Akteure: 32 Einsätze in der Bundesliga stehen zu Buche. Nur Kittel weist mit 60 Partien für Frankfurt und Ingolstadt mehr auf.

Verfolgt das Zweitliga-Spiel Werder Bremen gegen den HSV im Live-Ticker der DeichStube!

Werder Bremen: Der Gegner im Check - So läuft es beim Hamburger SV

Die Form

Am Ende jubelte der HSV in der sechsten Minute der Nachspielzeit. Erst zu diesem späten Zeitpunkt war der erste Heimsieg perfekt: 2:1 gegen Sandhausen durch das Tor von Moritz Heyer. Aufatmen an der Alster. Nach vier sieglosen Partien, darunter die 2:3-Niederlage im Derby gegen St. Pauli, konnten die Hamburger endlich wieder einen Sieg einfahren. Nach dem 3:1-Erfolg im Eröffnungsspiel beim FC Schalke war die Saison für die Norddeutschen mehr als ins Stocken geraten. Nun ist der Abstand zu den Spitzenplätzen weiter überschaubar: Platz neun mit neun Punkten nach sechs Spieltagen, in Schlagweite zu den Mitfavoriten, einen Punkt hinter Schalke, zwei Zähler hinter Werder.

Die Besonderheit

Drei Versuche, drei gescheiterte Vorhaben, den Wiederaufstieg zu schaffen. Dreimal Platz vier in der Endabrechnung. Es ging immer in schöner Regelmäßigkeit die Luft aus bei den Hamburgern, die sich auf der Zielgeraden von Außenseitern wie Kiel, Heidenheim oder Fürth noch düpieren ließen. Auch der mit viel Vorschusslorbeeren an die Küste geholte Jonas Boldt, der nun in seine dritte Spielzeit mit dem HSV geht, scheiterte bisher. „Wir wollen definitiv nicht wieder Vierter werden“, sagte der erfolglose Macher aus dem Rheinland etwas gequält in seiner aktuellen Saisonvorschau. Wiederum als einer der Topfavoriten gehandelt, tut sich der einstige Erstliga-Dino auch diesmal wieder schwer, zumal mit den Absteigern Schalke und Werder zwei weitere Hochkaräter das Feld der Konkurrenz noch mal verbreitert haben. Der Spott ist dem HSV gewiss. Dieter Schatzschneider, noch erfolgreichster Zweitliga-Torschütze aller Zeiten und einst selbst im Trikot des HSV aktiv, sparte nicht mit Sarkasmus vor dem Start: Ein Platz sei schon vergebe, „der HSV wird sicherer Vierter.“ (hgk) Auch interessant: So könnte die Startelf von Werder Bremen gegen den Hamburger SV aussehen. Und: So seht Ihr das Zweitliga-Spiel Werder Bremen gegen den HSV live im TV und im Live-Stream!

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