Bruno Labbadia im Gespräch mit Florian Kohfeldt
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Bruno Labbadia trifft als Trainer von Hertha BSC am Samstag auf den SV Werder Bremen, einen seiner Ex-Clubs als Spieler.

Ex-Bremer startet gegen Werder in die Bundesliga

Hertha-Trainer Labbadia vor Spiel gegen Werder im DeichStube-Interview: „Trugschluss, dass wir im Geld schwimmen“

Berlin – Seinen speziellen Torjubel dürften viele Fans des SV Werder Bremen noch heute genau vor Augen haben. Wenn Bruno Labbadia während seiner Zeit in Bremen – also gegen Ende der 1990er Jahre – getroffen hatte, gab er gerne mal den „Pistolero“, ahmte mit beiden Händen Revolver nach, gab imaginäre Schüsse ab – und pustete hinterher lässig über den Lauf. Lange her.

Inzwischen ist Bruno Labbadia (54) Trainer von Hertha BSC, und kehrt am Samstag zum Bundesliga-Auftakt mit seinem neuen Club mal wieder ins Weserstadion zurück. Gegenüber der DeichStube hat er zuvor erklärt, warum die Hertha nicht neureich ist und woran er sich beim Gedanken an die Zeit bei Werder Bremen gerne erinnert.

Von 1996 bis 1998 haben Sie bei Werder Bremen gespielt. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Es war die Zeit nach der Ära Otto Rehhagel, der in seinen 14 Jahren viele Erfolge mit Werder gefeiert hatte. Seine Nachfolge war sicher nicht einfach. Sportlich gesehen waren die zwei Jahre mit Platz acht und sieben ganz okay. Vor allem aber habe ich viele positive Erinnerungen bezüglich des Umfelds und der Fans mitgenommen.

Zweimal wurden Sie in jüngster Vergangenheit als möglicher Werder-Coach gehandelt. Warum hat es nie geklappt?

So wie ich mich nie zu Spielern äußere, die nicht zu unserer Mannschaft gehören, sage ich auch nichts zu Gerüchten hinsichtlich möglicher Engagements bei einem Verein. Das finde ich nicht seriös.

(Verfolgt das Bundesliga-Spiel von Werder Bremen gegen Hertha BSC im Live-Ticker der DeichStube!)

Werder Bremen-Gegner: Bruno Labbadia will Hertha BSC ins obere Tabellendrittel führen

Hertha BSC ist Ihre achte Trainerstation. Was unterscheidet diese Aufgabe von den vorherigen Jobs?

Es ist eine sehr spannende Phase für Hertha BSC, wir sind gerade dabei, gemeinsam etwas zu entwickeln. Hertha ist seit vielen Jahren etabliertes Mitglied in der Bundesliga, jetzt wollen wir eine Mannschaft entwickeln, die auf Sicht das obere Tabellendrittel angreifen kann. Dazu meinen Teil beizutragen, ist herausfordernd und spannend.

In der Branche gelten Sie – wie früher Otto Rehhagel oder Peter Neururer – immer noch als Retter oder „Feuerwehrmann“. Sie können, so heißt es, keine Mannschaft aufbauen und entwickeln. Ärgert Sie diese Etikettierung?

Viele haben sich in der Corona-Zeit auch mal die Mühe gemacht, einmal genau auf meine Trainerkarriere zu schauen. Das Thema Abstiegskampf ist da nur eine Facette, das Entwickeln von Mannschaften bis in den internationalen Wettbewerb ist die andere. Das zeigt, dass ich beides kann. Wie zum Beispiel zuletzt beim VfL Wolfsburg oder auch zuvor beim VfB Stuttgart, den ich ebenfalls zunächst vor dem Abstieg gerettet und dann in den internationalen Wettbewerb geführt habe.

Für Hertha war es eine nicht ganz geglückte Vorbereitung, dann das Pokal-Aus in Braunschweig – starten Sie sorgenvoll in die neue Saison?

Das Aus ist sehr enttäuschend, weil wir dieses Spiel niemals verlieren dürfen. Wir haben gerade im Spiel nach vorne viele Dinge richtig gemacht und vier Tore erzielt. Das Spiel hat aber vor allem gezeigt, dass man sich solche individuellen Fehler im Defensivverhalten nicht leisten darf. Das müssen wir schleunigst verändern. Es geht darum, gemeinsam mit aller Macht das eigene Tor zu verteidigen. Dann werden wir auch eine andere Stabilität in unser Spiel bekommen.

Werder Bremen für Hertha-Trainer Bruno Labbadia schwer einzuordnen

Investor Lars Windhorst unterstützt mit seiner Firma Tennor den Verein. Stört es Sie, dass die Berliner als Neureiche in der Bundesliga gelten?

Wir sind froh über die Mittel, die wir seit dem Einstieg von Tennor vor einem Jahr zur Verfügung haben. Aber Fakt ist auch, dass Hertha BSC seit dem Wiederaufstieg 2013 hinsichtlich der Transferausgaben an neunter Stelle im Ligavergleich liegt. Das zeigt, wie viel Vorsprung andere Vereine immer noch haben. Der größte Trugschluss besteht derzeit in der Annahme, dass wir plötzlich im Geld schwimmen. Die finanziellen Mittel, die wir jetzt zur Verfügung haben, haben die Clubs, die vor uns stehen, seit Jahren.

Ihr Vorgänger Jürgen Klinsmann wollte die Hertha als „Big-City-Club“ etablieren? Wie lautet Ihre Zielsetzung?

Unser Ziel ist, besser abzuschneiden als in der Vorsaison und unseren Stil, Fußball zu spielen, noch zu verbessern.

Und wie bewerten Sie Werder Bremen, den letztjährigen Abstiegskandidaten, vor der neuen Saison?

Das ist schwer einzuordnen. Niemand weiß vor einer Saison, wo er steht. Und schon gar nicht nach einer Vorbereitung in Corona-Zeiten und mit Länderspiel-Unterbrechung kurz vor Saisonbeginn. Aber sie werden das vergangene Jahr aufgearbeitet und die richtigen Schlüsse daraus gezogen haben. (hgk)

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