Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des SV Werder Bremen, sprach am Dienstag über die Folgen des Geisterspiels gegen Bayer 04 Leverkusen.
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Hubertus Hess-Grunewald, Präsident des SV Werder Bremen, sprach am Dienstag über die Folgen des Geisterspiels gegen Bayer 04 Leverkusen.

Montagsspiel gegen Bayer Leverkusen

So läuft das Geisterspiel von Werder Bremen und das sind die Folgen

Bremen – Die Entscheidung ist gefallen, der SV Werder Bremen darf am Montag sein Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (20.30 Uhr) nicht vor Publikum austragen. So hat es der Bremer Senat entschieden, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Doch wird es wirklich ein Geisterspiel im Weserstadion geben? Wer darf dann dabei sein? Was passiert mit den gekauften Tickets? Wie findet Werder Bremen die Entscheidung? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt die DeichStube

Wird es wirklich ein Geisterspiel im Weserstadion geben?

So ist es aktuell geplant. Doch Bremens Innensenator Ulrich Mäurer könnte noch für eine Spielabsage sorgen. Und zwar, wenn es Hinweise geben sollte, dass zu viele Fans die Mannschaft vor dem Stadion unterstützen wollen. Schließlich sind Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern in der Coronakrise in Bremen verboten.

„Die Familien werden sicher nicht da sein. Aber es gibt einen Teil der Fan-Szene, von dem erwarte ich, dass er kommen wird“, sagt Mäurer und rechnet durchaus mit Arbeit für seine Polizei. In den nächsten Tagen müsse geklärt werden, wie groß das Fan-Aufkommen eingeschätzt wird und welche Konsequenzen daraus gezogen werden. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat derweil ausgeschlossen, den nächsten Spieltag von sich aus abzusagen.

Was rät der SV Werder Bremen seinen Fans?

Hubertus Hess-Grunewald ist da im Abstiegskampf hin- und hergerissen. „Dass die Mannschaft an der Rampe nochmal einen Push bekommt, wäre super“, erinnert sich der Werder-Präsident und Geschäftsführer an den einen oder anderen Bus-Empfang am Weserstadion. Gänsehaut-Momente waren das. Doch in der aktuellen Situation sei das nicht möglich, findet Hess-Grunewald und kündigt zähneknirschend an: „Ich glaube, es wird darauf hinauslaufen, dass wir die Fans bitten werden, nicht zu kommen.“

Wer darf ins Stadion?

Natürlich die Mannschaften, die Trainer und das Team hinter dem Team mit allen Betreuern. Das sind zusammen rund 100 Personen. Für die TV-Übertragung werden mindestens 70 Mitarbeiter benötigt. Dazu kommen weitere 100 Medienvertreter. Natürlich braucht es auch Mitarbeiter im Stadion für die Rasenpflege, die Sicherheit und die Organsisation. Werder rechnet mit rund 400 „Zuschauern“ beim Geisterspiel. Bis zu 1000 Besucher sind ja eigentlich erlaubt, doch diesen Rahmen will der Club nicht ausschöpfen. Es kommt nur rein, wer im Weserstadion auch eine Aufgabe zu erledigen hat.

Bekommen Ticketinhaber ihr Geld zurück?

Ein klares Ja! Käufer von Tagestickets sowie auch – und anders als zunächst von Werder kommuniziert – die Dauerkarteninhaber erhalten vom Verein Erstattungen. Informationen über das Procedere hat der SV Werder auf seiner Internetseite (werder.de) veröffentlicht.

Läuft der Vorverkauf für die kommenden Partien weiter?

Ein klares Nein! Werder hat vorerst den Vorverkauf für alle noch ausstehenden Partien gestoppt. „Wir warten ab, bis die Lage geklärt ist“, erläutert Mediendirektor Michael Rudolph. Sollten weitere Heimspiele zu Geisterspielen werden, würden bereits erworbene Tickets natürlich ebenfalls zurückerstattet.

Wie kann ich das Spiel trotzdem sehen?

Der Streamingdienst DAZN hält die Rechte an den Montagsspielen der Bundesliga und überträgt somit auch Werder gegen Leverkusen. Zuschauen kann grundsätzlich nur, wer ein kostenpflichtiges Abo besitzt. Allerdings gibt es einen Kniff: DAZN bietet einen kostenlosen Testmonat an – wer dieses Angebot nutzt, sieht Werder sogar gratis.

Wie wirken sich Geisterspiele finanziell für Werder Bremen aus?

Sehr, sehr deutlich. Pro Partie kassiert Werder Bremen durch den Kartenverkauf und das Catering knapp zwei Millionen Euro – macht bei noch fünf ausstehenden Heimspielen zusammen fast zehn Millionen Euro. „Das sind kalkulierte Einnahmen, das würde uns wehtun und vor Herausforderungen stellen“, sagt Hess-Grunewald. Auch mit den Werbepartnern, die bei einer TV-Übertragung nicht zu sehen sind, müssten Lösungen gefunden werden. Allerdings will Hess-Grunewald auch nicht zu sehr klagen, er verweist dabei auf die Clubs in unteren Ligen oder anderen Sportarten, die noch abhängiger von den Zuschauereinnahmen seien als Werder.

Darf Werder Bremen auf einen Klassenerhalt hoffen, weil die Saison abgebrochen wird?

„Wir haben großes Interesse, nicht abzusteigen, wollen das aber sportlich erreichen“, sagt Hess-Grunewald. Der Werder-Präsident geht davon aus, dass die Saison zu Ende gebracht wird, kann sich aber eine Verlängerung um zwei Wochen bis Ende Mai vorstellen. Eine Absage der EM, um noch mehr Zeit für Ligaspiele zu gewinnen, hält Hess-Grunewald für „unrealistisch“.

Wie findet Werder Bremen die Entscheidung des Bremer Senats?

Hess-Grunewald will sich da nicht eindeutig festlegen. „Wir haben eine Pandemie, und die fordert auch bestimmte Maßnahmen. Viele Experten haben sich Gedanken darüber gemacht, wie sich die Ausbreitung des Virus eindämmen lässt. Dazu gehört es, Großveranstaltungen nach Möglichkeit nicht durchzuführen – da gehören Fußballspiele dazu. Da geht es nicht um eine Meinung, da geht es nur um die Situation, mit der ich umgehen muss“, sagt der Werder-Präsident. Er könne die Situation nicht wirklich bewerten und stelle daher nur ganz nüchtern fest: „Wir haben in Bremen vier Infizierte und 15 Personen in häuslicher Quarantäne. Jetzt kann man sagen: Das ist wenig, lass uns mit Zuschauern spielen. Oder man kann sagen: Lass uns dafür sorgen, dass es so wenige bleiben.“

Ist es eine Wettbewerbsverzerrung, dass durch Geisterspiele der Heimvorteil verloren geht?

Werder hätte sich schon eine einheitliche Lösung für die Bundesliga gewünscht. Welche, das will Hess-Grunewald allerdings nicht sagen. Offenbar möchte er der extra für Montag angesetzten Mitgliederversammlung der DFL nicht vorgreifen. Da werden die Clubs das weitere Vorgehen beraten.

Gibt es weitere Geisterspiele?

Ja! Nur noch drei Bundesliga-Partien am Wochenende dürfen – Stand jetzt – mit Publikum ausgetragen werden: RB Leipzig - SC Freiburg, Union Berlin - Bayern München, Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach. Schon jetzt steht fest, dass auch das nächste Auswärtsspiel der Bremer am 21. März in Freiburg ohne Fans ausgetragen wird. (kni/csa)

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