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Noch sind im Weserstadion des SV Werder Bremen die Lichter aus - das könnte sich trotz der Coronavirus-Krise schon bald ändern.

Bundesliga-Geisterspiele ab 9. Mai möglich

Kommentar: Erst der Fußball, dann die Schulen – ein Irrwitz!

Ein Kommentar von Björn Knips. Die Bundesliga hat es geschafft! Noch bevor viele Kinder in die Schulen gehen oder die ganz Kleinen in die Kitas dürfen, soll der Ball wieder rollen, damit der Rubel selbiges macht. Nur darum geht es!

Mit Geisterspielen wird die letzte TV-Rate gerettet und damit auch das Millionen-Gehalt der Protagonisten. Natürlich geht es auch ums Überleben der Clubs. Um diese Dramatik allerdings glaubhaft zu vermitteln, hätte es anderer Signale bedurft. Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen kann sich der Bundesliga-Fußball selbst sehr einfach helfen. Durch die Demut der Topverdiener. Sicher, alle Bundesligisten haben inzwischen einen Gehaltsverzicht verkündet, doch zuweilen ist der so niedrig, dass er als öffentliches Statement fast schon unverschämt klingt. 

Coronavirus-Krise: Geisterspiele in der Bundesliga, Profis mit Gehaltsverzicht

Die Profis des FC Augsburg haben sich zum Beispiel gerade als letzte ihrer Zunft in der Liga nach zähem Ringen zu Einbußen von zehn Prozent bereiterklärt - für die nächsten drei Monatsgehälter, nicht für das ganze Jahr wohlgemerkt. Viele Clubs, wie auch der SV Werder Bremen, haben erst gar keine Zahlen bekanntgegeben. Da wären andere Entscheídungen wünschenswert gewesen. Siehe Italien: Die Spieler und Trainer der AS Rom verzichten vier Monate lang auf ihr komplettes Gehalt, kassieren nur Prämien, wenn wieder gespielt wird.

Aber macht es überhaupt Sinn, schon bald wieder zu spielen? Die Coronavirus-Pandemie ist längst nicht vorbei. Vorsichtig werden zwar erste Lockerungen ausprobiert, aber Kanzlerin Angela Merkel warnt mit drastischen Worten davor, es zu übertreiben: „Die Situation ist trügerisch.“ Da wundert es, dass erst die Sportminister und dann auch noch die Ministerpräsidenten Armin Laschet (NRW) und Markus Söder (Bayern) dem Fußball eine Sonderrolle zusprechen und schon in wenigen Wochen Geisterspiele genehmigen wollen. Natürlich unter besonderen hygienischen Bedingungen, aber die wird sich der immer noch reiche Profi-Fußball ganz gewiss leisten können.

Der Fußball ist in der Coronavirus-Krise ein schlechtes Vorbild

Zweikämpfe und Torjubel auf Abstand werden nicht dazu gehören, ohne die geht es im Fußball einfach nicht. Es wird ja auch kein Golf ohne Löcher gespielt. Die Spieler der 36 Bundesligisten werden sich in der Coronavirus-Krise alle zwei, drei Tage ganz, ganz nahe kommen - und die Fans sollen am Fernseher gerne mitfiebern, auch die kleinen. Die können nun sogar die Spiele in der Woche am späten Abend sehen, weil am Morgen danach keine Schule ist. Ein Irrwitz. Und ein gefährliches Spiel. Denn nicht nur Kinder werden kaum verstehen, warum sie sich zurückhalten müssen, während es auf dem Rasen fast täglich hautnah zur Sache geht. Der Fußball ist da ein ganz schlechtes Vorbild!

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