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Noch ist nicht klar, ob der Bremer Senat Geisterspiele des SV Werder Bremen im Weserstadion überhaupt zulässt. Für den Fall der Fälle schauen die Bremer sich nun nach Alternativen im Umland um.

Werders Plan B

Sollten Geisterspiele in Bremen verboten werden, könnte der SV Werder Bremen umziehen

Bremen – Das Wort Fußball fiel zwar nicht, auch von der Bundesliga war keine Rede – Frank Baumann, Sportchef des SV Werder Bremen, wusste aber trotzdem sofort, dass das soeben verkündete Verbot auch seine Branche betrifft: Keine Großveranstaltungen bis einschließlich 31. August!

Das hatte die Politik am Mittwoch als eine von mehreren Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus verkündet, wodurch auch offiziell klar war: Sollte es mit der Bundesliga-Saison bei Werder Bremen und Co. weitergehen, dann nur vor leeren Rängen, dann nur mit sogenannten Geisterspielen ohne Zuschauer in den Stadien.

„Das gibt uns jetzt Klarheit. Jetzt haben wir zumindest in diesem Punkt erstmal Gewissheit“, sagt Frank Baumann gegenüber der DeichStube. Viel weiter bringt Werder das zunächst aber nicht. Denn ob im Weserstadion Geisterspiele möglich sind, ob das Land Bremen sie ab einem Tag X gestattet, ist nach wie vor nicht geklärt. Werder geht zwar davon aus, dass es so kommt, tut aber trotzdem das, was in diesen Tagen für viele Bereiche gilt: mehrgleisig planen. Im Verein haben sie deshalb für den Fall der Fälle über alternative Spielorte nachgedacht.

Werder Bremen: Chancen auf Geisterspiel-Freigabe durch die Politk stehen nicht schlecht

Die Chancen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten bei ihrer nächsten Konferenz am 30. April den Weg für Geisterspiele grundsätzlich frei machen, stehen nicht schlecht. So hat der bayerische Landeschef Markus Söder (CSU), der für einen strengen Kurs in der Coronavirus-Krise steht, bereits verlauten lassen, dass er Geisterspiele für „denkbar“ halte. Die endgültige Freigabe ist aber Ländersache, müsste in Bremen also vom Senat beschlossen werden. Was es wiederum für Werder heikel macht. 

Zur Erinnerung: Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hat unlängst erklärt, dass er Geisterspiele „für keine gute Idee“ halte. Darüber hinaus tat der 68-Jährige kund: „Ich habe größte Zweifel, dass es zu Geisterspielen kommen wird.“ Bereits das als Spiel ohne Zuschauer geplante Duell zwischen Werder und Leverkusen hatte der Innensenator Mitte März abgesagt, weil zu befürchten stand, dass es vor dem Stadion zu einem großen Menschenauflauf kommen würde. Seitdem sind knapp fünf Wochen vergangen. 

Werder Bremen ist der Ansicht, dass die Menschen die Coronavirus-Krise sehr bewusst wahrnehmen

Bei Werder Bremen vertreten sie den Punkt, dass die Menschen die Corona-Lage inzwischen sehr viel sensibler wahrnehmen und sich Ansammlungen vor dem Stadion deshalb vermeiden ließen. Das ist sicher nicht unwahrscheinlich, und dennoch bleibt die Frage, ob Mäurer das am Ende als Argument ausreicht. Falls nicht, falls das Land Bremen Spiele ohne Zuschauer nicht gestattet, muss der Verein gewappnet sein. Deshalb schweifte Werders Blick in den vergangenen Tagen und Wochen schon mal ins weitere Umland.

Grundsätzlich geben die Statuten der Deutschen Fußball-Liga (DFL) einen Wechsel der Spielstätte her. Zum Thema „Spielansetzungen“ heißt es unter Paragraf 2 der Spielordnung: „(...) Ausnahmen für einen Wechsel der Platzanlage am Sitz des Vereins oder darüber hinaus sind nur in besonders begründeten Ausnahmefällen aus übergeordnetem Interesse möglich. Der DFL e.V. entscheidet.“ Da die DFL bekanntlich mehr als nur großes Interesse daran hat, die Bundesliga-Saison zu Ende spielen zu lassen, dürfte sie einem möglichen Bremer Antrag auf Umzug kaum Steine in den Weg legen. Bliebe nur die Frage: wohin?

Werder Bremen hat noch keine Präferenzen für einen anderen Bundesliga-Spielort

Präferenzen für einen neuen Spielort hat Werder Bremen nach Informationen der DeichStube (noch) nicht. Klar ist aber, dass sowohl Rasen als auch technische Voraussetzungen für die TV-Übertragung gewisse Standards erfüllen müssen, weshalb beispielsweise ein Umzug auf die Anlage des Regionalligisten VfB Oldenburg eher nicht in Frage kommt. Weitere Optionen könnten Wolfsburg, Hannover und sogar Hamburg sein.

Werder hat diese Möglichkeiten abgeklopft und wartet nun auf weitere Ansagen der Politik. „Aktuell ist das kein Thema, mit dem wir uns beschäftigen“, sagt Baumann über einen Umzug, was nicht weiter verwundert. Schließlich hoffen sie am Osterdeich darauf, zu Hause bleiben zu können. Darauf, dass sie ihre ausstehenden Heimspiele gegen Leverkusen, Gladbach, Wolfsburg, die Bayern, Köln sowie das Nachholspiel gegen Eintracht Frankfurt allesamt in ihrem Wohnzimmer Weserstadion austragen können. Und sei es noch so leer. (dco)

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