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Werder Bremen und der Bundesliga drohen Geisterspiele. Ein Sportjurist sieht die kritisch.

Abstand, Doping und Fans als Risiken

Sportrechtler lehnt Geisterspiele ab: „Fast ein Roulette-Spiel“

Frankfurt/Main - Der Sportrechtsexperte Michael Lehner lehnt Geisterspiele im Fußball, von denen auch Werder Bremen betroffen wäre, wegen der unabwägbaren Risiken strikt ab und plädiert für einen Abbruch der Bundesliga-Saison.

„Für mich ist die Problematik des Gesundheitsschutzes nicht gelöst“, sagte der in Heidelberg ansässige Rechtsanwalt am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. „Ein positiver Fall mit Quarantäne-Verpflichtung würde alles wieder durcheinander werfen. Es ist ein gewagtes Spiel, fast ein Roulette-Spiel.“ Die Ministerpräsidenten der Länder halten eine Fortsetzung der Saison ohne Zuschauer ab Mitte Mai für denkbar.

Wenn er alle Warnungen im Zuge der Coronavirus-Pandemie zugrunde lege, könne es diesen Sonderweg Geisterspiele „schon aus Gesundheitsschutz mit der Abstandsregel“ nicht geben, sagte Lehner. „Im Kampf Mann gegen Mann lassen sich Ansteckungen gar nicht verhindern.“ Bei einem positiven Test „gäbe es eine Wettbewerbsverzerrung in der Wettbewerbsverzerrung durch Geisterspiele“.

Coronavirus-Krise: Doping? Transparenz? Kontrolle? Sportjurist übt Kritik

Dabei denke er auch an Doping und dem auch rechtlichen Umgang mit positiven Fällen. „Werden Fälle verschwiegen, wer kontrolliert von welcher Instanz, wann liegt ein positiver Fall vor? Da schaffe ich mir neue Rechtsprobleme, die ich von vornherein lösen muss“, befand Lehner.

Alarmiert zeigte er sich, dass die Task Force der Deutschen Fußball-Liga (DFL) vorgeschlagen hat, positive Fälle durch die Vereine nicht automatisch der Presse zu melden. „Bei Transparenz und der Kontrolle, was passiert, kommt der Presse eine besondere Rolle zu“, betonte Lehner. „Vorbeugend zu sagen, wir informieren die Presse nicht. Da kann man nur sagen: Nachtigall ich hör' Dir trapsen!“

Michael Lehner: Unvernunft von Fans könnte Gefahren provozieren

Dagegen hält er eine Einwilligung der Fußballprofis für Coronavirus-Tests für nicht notwendig. „Wenn es für die Ausübung des Berufes erforderlich ist, muss die Selbstbestimmung über meinen Körper zurückstehen“, erläuterte er. Sollten sich Spieler jedoch anstecken, in Quarantäne müssen oder ihnen etwas auf dem Platz passieren, „hat er sicherlich das Recht auf Schadensanspruch“, sagte Lehner.

Nicht vorhersehbar ist für ihn die Möglichkeit, dass es rund um das Stadion zu größeren Fan-Ansammlungen kommen könnte. Vorgesehen hat die Task Force der DFL 30 bis 50 Ordner im Außenbereich. „Ich kann nicht verhindern, dass Unvernunft herrscht. Damit provoziere ich jedenfalls weitere Gefahren“, meinte der Jurist. (dpa)

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