Werder Bremen-Boss Klaus Filbry rechnet für das Geschäftsjahr 2021/22 mit einem „deutlich positiven Ergebnis“.
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Werder Bremen-Boss Klaus Filbry rechnet für das Geschäftsjahr 2021/22 mit einem „deutlich positiven Ergebnis“.

SV Werder macht Millionen-Plus in erster Saisonhälfte

„Wir haben bislang nichts geplant“: Werder-Chef Klaus Filbry über Aufstiegsfeiern, Vertrauen und gute Zahlen

Bremen – Nicht nur die Mannschaft kämpft darum, dass der SV Werder Bremen wieder erstklassig wird – auch Klaus Filbry. Der Werder-Boss konnte gerade die Vertragsverlängerung mit Hauptsponsor Wiesenhof verkünden, zuvor hatten schon die Zahlen für das Konzern-Zwischenergebnis für ein Aufmerken gesorgt. Vor allem über diese Entwicklung wollte die DeichStube mit dem 55-Jährigen sprechen, doch dann ging es auch um die Folgen des 2:3-Schocks gegen Kiel, die Aussichten im Saisonendspurt und das heikle Thema Aufstiegsfeier.

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte hatte nach Werders fulminantem 4:1-Sieg auf Schalke via Twitter schon von einer Aufstiegsparty auf dem Rathausbalkon geträumt – so wie früher nach Meisterschaften und Pokalsiegen. Eröffnet war die Diskussion, wann, wie und wo denn Werder Bremen nun den Aufstieg feiern würde. Ein Sponsor bot bereits seine Autos für einen Autokorso an. Die Volunteers, also die freiwilligen Mitarbeiter des Clubs bei Heimspielen, wurden inoffiziell bereits informiert, dass sie sich nach der letzten Partie nichts vornehmen sollen, denn es könnte noch in Richtung Rathaus gehen. Natürlich stand sofort die Frage im Raum: Darf man sich schon um etwas kümmern, das man noch gar nicht erreicht hat?

„Wir haben uns nie zu diesem Thema geäußert. Ich kann nur sagen: Wir haben bislang nichts geplant – auch noch keine Feier“, stellte Klaus Filbry nun klar. Zum Vorpreschen von Bovenschulte wollte er sich nicht äußern. „Unser Fokus liegt jetzt nur auf dem Spiel in Aue und dann auf der Partie gegen Regensburg.“ Und dabei präsentierte sich Filbry durchaus kämpferisch: „Wir haben unsere Situation durch die Niederlage gegen Kiel verschlechtert, aber wir haben noch alle Chancen. Wir können es immer noch selbst schaffen.“ Damit war der Boss von Werder Bremen aber noch nicht fertig: „Mein Vertrauen in die Mannschaft, das Trainerteam, Frank Baumann und Clemens Fritz ist zu 100 Prozent gegeben. Wir sind nach Rückschlägen immer gestärkt zurückgekommen, wir können mit Druck umgehen. Und ich bin überzeugt, dass die Mannschaft und das Trainerteam das jetzt auch hinbekommen.“

Werder Bremen-Boss Klaus Filbry: „Wir hatten in den vergangenen zwei Jahren Mindereinnahmen von 80 Millionen Euro“

Aber was kommt dann? Oder was passiert, wenn Werder Bremen der Aufstieg nicht gelingt? „Ich will gar nicht groß vorhersagen, was es bedeutet, ob wir nächste Saison in der 1. oder 2. Liga spielen. Nur so viel: Wir haben für beide Ligen die Lizenz bekommen und werden für beide Ligen wettbewerbsfähige Kader zusammenstellen können. Natürlich präferieren wir die 1. Liga, das ist ja klar“, antwortete Klaus Filbry. Seinen Optimismus konnte er auch mit Zahlen belegen. Nicht unbedingt gewollt. Denn die Geschäftszahlen gab Werder in der Vergangenheit nur einmal im Jahr bei der Mitgliederversammlung im November bekannt. Doch das hat sich durch die Mittelstandsanleihe geändert. Nach Börsenrecht muss Werder nun halbjährlich seine Zahlen veröffentlichen, was diesmal aber alles andere als schwerfiel. Es konnte schließlich ein sattes Plus verkündet werden – und zwar von 19,3 Millionen Euro.

Halbzeitbilanz: Werder Bremen macht ein Plus in Höhe von 19,3 Millionen Euro

Zur Erinnerung: In der Saison 2020/21 gab es ein Minus von 8,8 Millionen Euro, in der Spielzeit davor sogar von 23,8 Millionen Euro. Verantwortlich dafür waren die Folgen der Corona-Pandemie sowie der sportliche Absturz. Nun gab es zwar wieder Zuschauereinnahmen, aber dafür musste der Abstieg mit weniger TV-Geld verkraftet werden. Auch die Sponsoren überweisen weniger. Trotzdem schaffte Werder Bremen die finanzielle Wende. „Die Zahlen sind tatsächlich sehr gut. Es war ein Kraftakt auf allen Ebenen und das Ergebnis harter und fokussierter Arbeit“, sagte Klaus Filbry: „Wir haben in den vergangenen eineinhalb bis zwei Jahren Mindereinnahmen von 80 Millionen Euro zu verkraften gehabt. Wir haben den Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung erfolgreich fortgesetzt. Es war ein Dreiklang aus Senkung der Kaderkosten, hohen Transfererlösen und Einsparungen in allen Bereichen.“ Dabei stechen auf den ersten Blick die Transfererlöse von fast 21 Millionen Euro hervor. Aber auch der Abbau der Kaderkosten von 47 Millionen Euro auf unter 20 war erheblich.

Werder Bremen winken Millionen-Nachzahlungen für Ludwig Augustinsson, Maximilian Eggestein und Davy Klaassen

Werder Bremen schwimmt aber nun wahrlich nicht im Geld, sondern lebt auf Pump. 18 Millionen Euro wurden bekanntlich durch die Anleihe reingeholt, 20 Millionen über Kredite. Da werden natürlich Zinsen fällig. Da es im Winter keine Transfererlöse gab, die Ausgaben aber ähnlich bleiben, wird sich das auch deutlich auf das Konzern-Endergebnis auswirken. „Wir rechnen am Ende des Geschäftsjahres mit einem deutlich positiven Ergebnis, eine genaue Zahl möchte ich da noch nicht nennen“, so Klaus Filbry.

Wahrscheinlich wird das Plus im niedrigen einstelligen Millionen-Bereich liegen. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab. So darf Werder Bremen noch auf Bonuszahlungen für vergangene Transfers hoffen – wie im Fall Ludwig Augustinsson (FC Sevilla), Maximilian Eggestein (SC Freiburg) und Davy Klaassen (Ajax Amsterdam). Da winkt noch ein Millionen-Betrag. Doch damit will sich Klaus Filbry gerade öffentlich nicht groß beschäftigen, er hat nur eines im Kopf: „Wir müssen jetzt in Aue gewinnen.“ (kni)

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