Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung des SV Werder Bremen, stellte auf der Mitgliederversammlung die neuesten Geschäftszahlen vor.
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Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung des SV Werder Bremen, stellte auf der Mitgliederversammlung die neuesten Geschäftszahlen vor.

Werder veröffentlicht Bilanz

Werder Bremen mit Millionen-Plus, aber ein anderes Minus bleibt

Bremen – Nach zwei Minus-Jahren ist der SV Werder Bremen endlich wieder im Plus, was die Bilanz seiner Kapitalgesellschaft betrifft: Mit Stolz präsentierte Werder-Boss Klaus Filbry am Sonntagmittag auf der Mitgliederversammlung im Bremer Konzerthaus „Die Glocke“ den rund 250 anwesenden Mitgliedern das Konzernergebnis für das Geschäftsjahr 2021/22, denn er konnte bei einem Umsatz von 102,2 Millionen Euro einen Gewinn nach Steuern von 6,3 Millionen Euro verkünden – und das in der Saison nach dem Abstieg als Zweitligist. Erstligisten wie Hertha BSC (-79,8 Millionen Euro), der 1. FC Köln (-15,7) oder auch Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt (-31,9) schrieben dagegen tiefrote Zahlen.

Geblieben ist bei Werder Bremen allerdings ein negatives Eigenkapital, das durch den Gewinn immerhin von 20,3 Millionen Euro auf nun 14,0 Millionen Euro sank. Die Rückkehr in die Bundesliga und ein möglichst dauerhafter Verbleib sollen dabei helfen, auch dieses Minus zu beseitigen. Dazu muss bekanntlich noch ein Kredit von 20 Millionen Euro bedient werden, und es gibt eine Mittelstandsanleihe von 18 Millionen Euro mit jährlichen Zinszahlungen sowie einer Fälligkeit im Jahr 2026.

„Das ist ein Ergebnis, auf das wir stolz sein können. Es ist das Resultat von sehr harter Arbeit und vielen Anstrengungen, die wir gemeinsam im Team geleistet haben“, meinte Klaus Filbry und erklärte: „Durch die Pandemie und den Abstieg haben wir Mindereinnahmen von 80 Millionen Euro hinnehmen müssen. Durch einen konsequenten Sparkurs, hohe Transfererlöse und variabel gestaltete Spielerverträge, die die Gehälter der Profis nach dem Abstieg um 40 bis 60 Prozent reduzierten, konnten wir den Kostenapparat signifikant senken.“ Der Boss des SV Werder Bremen bedankte sich bei seinen Mitarbeitern und hob dabei vor allem seine Geschäftsführerkollegen Frank Baumann und Tarek Brauer, der wegen eines Trauerfalls in der Familie nicht vor Ort sein konnte, sowie Clemens Fritz als Leiter Profifußball hervor. Das Trio hatte im Sommer 2021 nach dem Abstieg gemeinsam mit Filbry zahlreiche Transfers abgewickelt und dabei bemerkenswerte 28 Millionen Euro erlöst, denn der Markt war extrem schwierig gewesen.

Werder Bremen veröffentlicht Geschäftszahlen für die Saison 2021/22: Millionen-Gewinn, aber negatives Eigenkapital bleibt

Diese hohe Summe sorgte allerdings dafür, dass Werder Bremen im Lizenzierungsverfahren für die aktuelle Saison gegen Kapitalauflagen verstoßen hat. Denn dabei ist nicht das Geschäftsjahr des Clubs entscheidend, sondern es werden die Zahlen im Kalenderjahr bewertet. Und da verschlechterte sich das negative Eigenkapital von Werder zu stark, was die Deutsche Fußball-Liga (DFL) mit einer Geldstrafe von 2,5 Millionen Euro ahndete. „Dafür haben wir im abgelaufenen Geschäftsjahr bereits eine Rückstellung erstellt“, sagte Klaus Filbry. Dadurch habe sich der Gewinn von eigentlich acht Millionen Euro auf 6,3 Millionen Euro reduziert. Werder hält die Sanktion für falsch, verfehlte aber am vergangenen Donnerstag bei einer Abstimmung der 36 Bundesligisten auf der DFL-Vollversammlung die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit, um die Strafe zu verhindern. Nun sollen alle Rechtsmittel ausgeschöpft werden, damit die 2,5 Millionen Euro in Bremen bleiben.

Geld, das Werder Bremen gewiss gut gebrauchen könnte – trotz der guten Zahlen. Denn es liegen ganz schwierige Zeiten hinter den Bremern. Im Geschäftsjahr 2019/20 hatte es ein Rekordminus von 23,8 Millionen gegeben, ein Jahr später lauteten die roten Zahlen 7,1. Dann kam der Abstieg und die Einnahmen brachen ein – vor allem bei den Medienerlösen. Als Zweitligist erhielt Werder nur noch 22,6 Millionen Euro und nicht mehr 63,4 Millionen Euro wie in der Vorsaison. Auch die Sponsoren zahlten eine Klasse tiefer weniger: 17,3 Millionen statt zuvor 23,0. Und im Merchandising gab es einen Rückgang von 6,8 Millionen Euro auf 6,0.
Dafür durften endlich wieder Tickets verkauft werden, wenn auch nicht für jedes Spiel. Die Einnahmen stiegen von 500.000 Euro in der Geisterspiel-Saison 2020/21 auf immerhin 16,2 Millionen Euro. Auch bei den sonstigen betrieblichen Erlösen/Umsätzen gab es einen deutlichen Anstieg von 9,8 auf 12,1 Millionen Euro, wofür vornehmlich staatliche Corona-Überbrückungshilfen für mittelständische Unternehmen verantwortlich sind.

Bilanz des SV Werder Bremen für die Saison 2021/22 veröffentlicht: 6,3 Millionen Euro Gewinn erwirtschaftet

Wer insgesamt wesentlich weniger Geld einnimmt, der sollte möglichst viel sparen – und das hat Werder Bremen nach dem Abstieg vor allem beim Personalaufwand getan. Der reduzierte sich von 67,8 Millionen Euro auf 43,8 Millionen Euro, wobei die Profis, wie von Filbry erwähnt, die größten Abstriche machen mussten. Das Gehaltsbudget für den Kader ging von 47 Millionen Euro runter auf 18, stieg durch die Aufstiegsprämien allerdings wieder auf 23. In dieser Saison schüttet Werder übrigens rund 35 Millionen Euro an sein kickendes Personal aus.

„Durch eine sehr gute Teamleistung konnten wir wieder eine hohe finanzielle Stabilität erreichen“, betonte Klaus Filbry. Zuvor hatte ihn Werder Bremens Aufsichtsratsvorsitzender Marco Fuchs ausdrücklich gelobt: „Das finanzielle Überleben, das die Geschäftsführung unter der Führung von Klaus Filbry gesichert hat, ist eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Wir hatten wirklich schwierige Momente. Das kann man sich heute gar nicht mir vorstellen. Es gibt eine deutliche Verbesserung der Situation.“ Filbry gab das Lob an Fuchs nahezu postwendend zurück und hob die große Verantwortung hervor, die der 60-Jährige in der Krise als Ratgeber und Entscheider getragen habe. Zum Dank gab es für den Trikot-Sammler Fuchs ein aktuelles Trikot der DFB-Elf mit der Rückennummer 9 und dem Namen Füllkrug darüber.

Eine mehr als unbeschwerte Szene, die aber nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass bei Werder noch nicht wieder alles gut ist. Die finanzielle Lage des Clubs hat sich zwar etwas entspannt, und das Interesse an Werder Bremen bei den Fans und den Sponsoren ist so hoch wie lange nicht, aber dennoch bleibt die Aufgabe für Klaus Filbry und Co. ziemlich herausfordernd. (kni)

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