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Geschäftsführer Klaus Filbry präsentierte bei der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen am Montag einen Umsatzrekord.

Werder Bremen verbucht Gewinn

Umsatzrekord und Ungewissheit beim SV Werder Bremen

Bremen – Es gibt etwas zu feiern beim SV Werder Bremen. Eigentlich. Denn auf der Mitgliederversammlung des Clubs präsentierte Boss Klaus Filbry am Montagabend Geschäftszahlen, „die wir so noch nicht hatten“.

Der Vorsitzende der Geschäftsführung verkündete für die Saison 2018/19 mit 157,1 Millionen Euro einen neuen Umsatzrekord für Werder Bremen und mit 3,5 Millionen Euro einen Gewinn, „der unser selbstgestecktes Ziel übertroffen hat“.

Schöne Nachrichten – wenn da nicht dieser Haken wäre: Es sind Zahlen aus der Vergangenheit, aus der Vorsaison. Die Stimmung hängt aber auch bei Klaus Filbry von den Zahlen der Gegenwart ab – und die heißen nunmal 14 für den Tabellenplatz und acht für die Anzahl der Spiele, die Werder nun schon auf einen Sieg wartet. „Deshalb fällt aktuell das Zelebrieren aus“, sagte Filbry im Vorabgespräch mit der DeichStube.

Werder Bremen: Mehr Geld aus medialer Vermarktung

Ein bisschen Zufriedenheit gönnt sich Filbry aber doch, wenn er auf die Zahlen der vergangenen Spielzeit blickt. 53 Punkte und Platz acht in der Liga sowie fünf Runden im DFB-Pokal – das war die sportliche Bilanz. Und die ist ein Grund, weshalb Werder Bremen den Umsatz von 117,1 Millionen Euro im Jahr zuvor um satte 40 Millionen Euro steigerte und damit auch den alten Bestwert von 126,4 Millionen Euro aus der Saison 2009/10 locker übertraf. „Wir hatten ein gutes Jahr“, hält Filbry folglich fest.

Die Geschäftszahlen entwickelten sich in der Hauptsache wegen Steigerungen bei den Erträgen aus der medialen Vermarktung sowie bei den Transfers nach oben. 23 Millionen Euro brachten Spielerverkäufe, 67 Millionen Euro flossen durch die TV-Gelder in die Kasse – 17,1 Millionen mehr als in der Saison zuvor. Filbry: „Das ist der Bereich, in dem wir am stärksten gewachsen sind.“ Warum? Darum: Der TV-Deal der Deutschen Fußball-Liga verhilft grundsätzlich allen Clubs zu mehr Geld, Werder partizipiert also automatisch.

Werder Bremen braucht sportlichen Erfolg für Wachstum

Zudem verbesserten sich die Bremer im Vergleich zu 2017/18 um vier Plätze im TV-Ranking – von zwölf auf acht. Allein das macht ein Plus von acht Millionen Euro aus. So gesehen sind die 17,1 Millionen „eine Bestätigung für unsere gute Arbeit, aber auch eine Bestätigung für die gute Arbeit der DFL“, sagte Filbry vor der Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen und machte klar, wer das Rad Profi-Fußball in Deutschland mit seinem Geld am Laufen hält: „Die TV-Vermarktung ist der Haupttreiber. Man kann mittlerweile sagen, dass Sky unser wichtigster Partner im Markt ist.“

Die anderen Geschäftsbereiche verzeichnen zwar auch Zuwächse bei den Einnahmen (siehe Auflistung unten), versprechen jedoch kaum noch Sprünge nach oben – jedenfalls nicht ohne das internationale Geschäft. Werder Bremen braucht den sportlichen Erfolg, um weiter zu wachsen. Die aktuelle Entwicklung mit der Nähe zu den Abstiegsplätzen macht Sorgen. „Man muss sehen, wohin die Reise in dieser Saison gehen wird. Noch ist nichts verloren“, meinte Filbry, der keine Zweifel an der sportlichen Leitung zulässt: „Ich habe vollstes Vertrauen in Florian Kohfeldt und Frank Baumann, dass sie das Schiff sportlich wieder in die richtige Richtung lenken werden.“

Werder Bremen: Höhere Ausgaben beim Personal

Finanziell hat Werder die Kehrtwende nach den verlustreichen Jahren von 2011 bis 2015 längst geschafft und den Aufwärtstrend mit der aktuellen Bilanz bestätigt. 3,5 Millionen Euro sind als Gewinn übrig geblieben und wandern nun ins Eigenkapital. Das hat erstmals wieder einen zweistelligen Wert erreicht und liegt bei 10,5 Millionen Euro. „Wir sind auf einem guten Weg“, konstatierte Klaus Filbry.

Wieso der Gewinn trotz der Einnahmesteigerung nicht größer ausgefallen ist, ist schnell erklärt: Auch die Ausgaben wachsen – speziell beim Personal. 71,9 Millionen Euro hat Werder im Geschäftsjahr an Löhnen, Gehältern und Prämien gezahlt. Das sind 15,8 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Die Verpflichtungen der Top-Kräfte Davy Klaassen und Yuya Osako sowie die Vertragsverlängerungen mit Ludwig Augustinsson, Maximilian und Johannes Eggestein sowie Torwart Jiri Pavlenka lassen grüßen. (csa)

Werder Bremens wirtschaftliche Entwicklung

Die betrieblichen Erträge: Woher kommt bei Werder Bremen das Geld?

157,1 Millionen Euro – das ist der neue Rekordumsatz bei Werder Bremen. Noch nie waren die betrieblichen Erträge so hoch wie in der Saison 2018/19. Und dies sind die Quellen, aus der das Geld sprudelt:

Medien

67 Millionen Euro brachten die von der DFL generierten und ausgeschütteten TV-Gelder ein. Das sind rund 43 Prozent des Werder-Gesamtumsatzes. Zum Vergleich: Branchenprimus FC Bayern erhielt im Vergleichszeitraum aus dem gleichen Topf 124,5 Millionen Euro.

Erlös 18/19: 67,0 Mio. *

Erlös 17/18: 49,9 Mio.

Entwicklung: + 17,1Mio.

Ticketing

Die Einnahmen aus Ticketverkäufen spülten 28,2 Millionen Euro ins Werder-Portemonnaie. Das sind 2,3 Millionen Euro mehr als in der Vorsaison. Die Steigerung liegt vor allem in den DFB-Pokalspielen und einer nunmehr 98-prozentigen Auslastung des Vip-Bereichs begründet.

Erlös 18/19: 28,2 Mio.

Erlös 17/18: 25,9 Mio.

Entwicklung: +2,3 Mio.

Werbung

Hauptsponsor Wiesenhof hat den Vertrag verlängert, als Ausrüster löste Umbro Nike ab – beides brachte Werder ein kleines Plus, weshalb auch der relativ ausgereizte Bereich Werbung einen leichten Anstieg verzeichnete.

Erlös 18/19: 25,4 Mio.

Erlös 17/18: 24,2 Mio.

Entwicklung: +1,2 Mio.

Transfers

Thomas Delaney als Top-Verkauf nach Dortmund, Florian Kainz nach Köln, Jerome Gondorf nach Freiburg - das sind die wichtigsten Posten im Segment Transfers.

Erlös 18/19: 23,3 Mio.

Erlös 17/18: 4,9 Mio.

Entwicklung: +18,4 Mio.

Sonstiges

Merchandising, Fan-Service, Lizenzgebühren – Werder legte auch in diesem Bereich zu. Getrieben vom Ausrüsterwechsel sowie der Trikot-Sonderedition zum 120. Geburtstag stieg der Trikotabsatz insgesamt um 30 Prozent.

Erlös 18/19: 13,2 Mio.

Erlös 17/18: 12,2 Mio.

Entwicklung: +1,0 Mio.

*Alle Angaben in Euro

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