Sieger-Selfie im Volksparkstadion: Marvin Ducksch und Leonardo Bittencourt von Werder Bremen halten den Moment des Derbysiegs per Handy-Schnappschuss fest.
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Sieger-Selfie im Volksparkstadion: Marvin Ducksch und Leonardo Bittencourt von Werder Bremen halten den Moment des Derbysiegs per Handy-Schnappschuss fest.

Viele Top-Teams warten noch auf Werder

Mit dem Schwung des Derbys: Werder Bremen hofft auf zusätzlichen Rückenwind durch den Sieg beim HSV

Bremen – Es war ein betont nüchterner Satz, den Ole Werner irgendwann am fortgeschrittenen Sonntagnachmittag im Hamburger Volksparkstadion formulierte und – das direkt vorweg – falsch war er natürlich nicht, weil mathematisch absolut unerschütterlich. „Für die Tabelle gibt es eben auch für diesen Sieg nur drei Punkte“, sagte der Trainer des SV Werder Bremen, nachdem seine Mannschaft kurz zuvor das Nordderby beim HSV mit 3:2 für sich entschieden hatte.

Werner, das machten seine anderen Aussagen deutlich, wollte mit dem Satz den prestigeträchtigen Erfolg nicht etwa schmälern, sondern gönnte seiner Mannschaft (und auch sich selbst) durchaus den süßen Moment des Triumphs. Nur allzu hoch hängen wollte er ihn eben auch nicht, was angesichts seiner Rolle als sportlich Verantwortlicher nur vernünftig erscheint. Und dennoch: Die Jubelbilder vom SV Werder Bremen aus dem Hamburger Volkspark, die späte Party am Weserstadion mit den glücklichen Fans und natürlich der vorangegangene, sportlich absolut überzeugende Auftritt beim HSV – all das nährt die These, dass dieser Sieg im Kampf um den Aufstieg doch ein Stückchen mehr wert gewesen ist, als bloße drei Punkte.

Werder Bremen: Derbysieg gegen den HSV „kann schon mehr wert sein als drei Punkte“

Clemens Fritz zögert kurz bei der entsprechenden Nachfrage, dann sagt der Leiter Profifußball des SV Werder Bremen: „Derbys sind natürlich ganz besondere Spiele, sie sind für die ganze Region enorm wichtig.“ Diese Bedeutung habe das Team, habe der Verein schon Tage im Vorfeld gespürt. Fazit von Fritz: „Deswegen kann so ein Sieg schon mehr wert sein als die drei Punkte für die Tabelle.“ Zum einen, klar, weil er nach außen hin als Ansage an die Konkurrenz funktioniert: Seht her, dieses Werder lässt sich von schweren Aufgaben nicht bremsen, gewinnt auch Spitzenspiele auf des Gegners Platz. Und zum anderen, weil er die Mannschaft in sich sowie natürlich auch die Mannschaft mit den Fans noch einmal enger zusammenwachsen lässt.

Wer die Jubel-Selfies der Profis im Laufe des Sonntagabends verfolgte, wer sich die Videos von der ausgelassenen Feier mit den Fans angesehen hat, dürfte festgestellt haben, dass dieser Derbysieg beiden Seiten sehr viel bedeutet. Schließlich gab es so etwas in dieser Form in Bremen schon sehr, sehr lange nicht mehr, weshalb Werder das Stimmungshoch auch auf keinen Fall mit zu viel emotionslosem Realismus abwürgen will. „Wir freuen uns enorm und genießen den Sieg“, hebt Fritz hervor. Zumindest ein paar Tage lang. Ab Mittwoch, wenn die Profis des SV Werder Bremen aus einem freien Tag zurückkommen und die Vorbereitung auf das Heimspiel gegen Dynamo Dresden beginnt, rückt das aber in den Hintergrund. „Dann geht es wieder darum, konzentriert auf das nächste Spiel blicken“, sagt Fritz – und mahnt: „Vor uns liegt schließlich noch ein weiter Weg.“

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Werder Bremen muss im Rennen um den Aufstieg noch gegen fast alle Spitzenteams spielen

Zehn Spiele ist der lang, um genau zu sein. Und die haben es in sich, weil Werder Bremen – mit Ausnahme des HSV – noch auf die komplette Spitzengruppe der 2. Bundesliga trifft. Neben Verfolger Darmstadt 98 und dem Drittplatzierten FC St. Pauli warten auch Schalke 04 (5.), Nürnberg (6.) und Heidenheim (7.) noch auf den Spitzenreiter. „Die Dichte in der Liga ist enorm“, sagt Fritz und verweist auf die engen Punktabstände im oberen Teil der Tabelle: „Es geht brutal eng zu.“ Zum großen Thema macht der 41-Jährige den Rest-Spielplan deshalb aber trotzdem nicht.

„Natürlich weiß ich, gegen wen wir noch spielen, das beschäftigt uns aktuell aber nicht, sondern nur das nächste Spiel gegen Dresden.“ Die Spannung in der Mannschaft sei nach wie vor sehr hoch. Sie zu halten, kostet definitiv Kraft, dürfte nach dem Erlebnis Derbysieg dank des entsprechenden Schubs an Selbstvertrauen aber etwas leichter fallen. Fritz: „Wir wissen, dass wir definitiv gegen keinen Gegner mal eben nebenbei gewinnen.“ Andererseits habe das Spiel beim HSV gezeigt, „dass wir für jeden Gegner sehr unangenehm sein können“.

Werder Bremen nach Derbysieg: Frank Baumann sieht „gute Chance“ auf den Aufstieg - „wenn wir so weitermachen“

Werder Bremens Sportchef Frank Baumann ist derweil überzeugt davon, „dass wir eine gute Chance haben, wenn wir so weitermachen“. Auch ohne das Wort Aufstieg wird klar, was er mit dieser Aussage meint – und mit dieser hier auch: „Wir haben es ein Stück weit selbst in der Hand, aber es wird noch ein langer und schwerer Weg.“

Mit dem Derbysieg haben die Bremer – um im Sprachbild zu bleiben – einen wichtigen Meilenstein erreicht. Von dort aus soll es nun entschlossen weitergehen. Ab Mittwoch. Nach etwas Freizeit, in der jubeln und durchschnaufen ausdrücklich erlaubt ist. Schließlich hatte selbst der stets nüchterne Ole Werner in Hamburg auf Nachfrage eingeräumt, dass das Derby „von der Bedeutung des Spiels und der Atmosphäre im Stadion her das stimmungsvollste und emotionalste Spiel“ seiner bisherigen Amtszeit als Werder-Trainer gewesen ist. (dco)

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