+
Historischer Jubel: Werder-Profi Klaus Allofs freut sich über seinen Führungstreffer im Europapokal-Finale gegen AS Monaco – in einem allerdings nur ganz schlecht besuchten Stadion in Lissabon.

Ex-Profi kann endlich mal mitfeiern

Allofs freut sich auf „die Trainerin“

Bremen - Der Reflex bei Klaus Allofs bei solchen Einladungen war fast immer der gleiche: absagen.

Der Ex-Profi war einfach zu beschäftigt, um sich für Erfolge in der Vergangenheit feiern zu lassen. Nach seinem Aus als Geschäftsführer beim VfL Wolfsburg vor einem halben Jahr ist das jetzt anders. 

Allofs wird am Samstag bei der großen Werder-Party für die Europapokalsieger von 1992 dabei sein. „Es ist mir eine große Freude. Wir waren damals wirklich eine ganz besondere Truppe“, erklärt der 60-Jährige im Gespräch mit der DeichStube. Allofs hat aber auch eine Sorge, die er schmunzelnd anfügt: „Ich befürchte, dass nach 25 Jahren die Geschichten von damals noch abenteuerlicher werden, als sie es schon waren.“

Ein Hauptdarsteller bei einer dieser Geschichten ist Allofs selbst. Seine Nominierung für die Startelf, so heißt es oft, sei eine Riesenüberraschung gewesen, ein echter Coup von Trainer Otto Rehhagel, den Arsene Wenger, der Coach von Finalgegner AS Monaco, nie richtig verdaut habe. Schließlich wurde Allofs zum Matchwinner beim 2:0-Finalsieg gegen die Monegassen. „Also ich war nicht überrascht, dass ich dabei war“, erinnert sich Allofs: „Ich hatte zwar zuvor in der Bundesliga nicht so oft gespielt, aber das lag doch auch an meinen massiven Knieproblemen. Da konnte ich nicht mehr permanent 100 Prozent Leistung abliefern.“ Also setzte Rehhagel seinen Starstürmer ganz gezielt ein – wie im Finale.

"Gepaart mit Rehagel der Schlüssel zum Erfolg"

Die Rechnung ging auf. Allofs traf zum 1:0 und bereitete das 2:0 von Wynton Rufer perfekt vor. „Wynton wusste ganz genau, wann er loslaufen musste, um nicht im Abseits zu stehen“, lobt Allofs den Sturmkollegen und verrät: „Wynton war eigentlich ein unberechenbarer Spieler. Aber wir haben ein Miteinander für die Laufwege gefunden. Es war eine Riesenfreude, mit ihm zu spielen, aber auch mit den anderen.“

Wynton Rufer mit Klaus Allofs (re.) am 13.02.2009

Da gerät Allofs regelrecht ins Schwärmen. „Es herrschte eine tolle Atmosphäre im Team. Wir waren aber keine Kumpel-Mannschaft, die alles zusammen gemacht hat, sondern es gab ganz unterschiedliche Charaktere, die sich mit sehr viel Respekt begegnet sind.“ Außerdem sei der Siegeswille sehr ausgeprägt gewesen, „weil wir viele erfahrene Spieler hatten. Im Alter wird man zum besseren Profi. Gepaart mit Otto Rehhagel war das der Schlüssel zum Erfolg.“

Rehhagel hatte Allofs 1990 nach Bremen geholt – oder besser gesagt: holen lassen. „Er hat Willi Lemke geschickt“, erinnert sich Allofs: „Otto ließ ausrichten, dass er zwar eine sehr gute Mannschaft habe, aber ein Tick für Titel fehlen würde.“ Mit 33 Jahren hatte Allofs, der seit 1987 in Frankreich spielte, eigentlich gar keine Rückkehr mehr nach Deutschland im Sinn. Doch sein Club Girondins Bordeaux befand sich in finanziellen Schwierigkeiten – und Allofs auch deshalb schon bald in Bremen. „Eine gute Entscheidung, wir haben drei Titel geholt“, sagt Allofs durchaus mit einem gewissen Stolz. Erst gab es den Pokalsieg (1991), dann den Europapokaltriumph (1992) und schließlich die Meisterschaft (1993). Danach beendete Allofs seine Karriere.

Europapokal der Pokalsieger 1992: Bilder einer magischen Nacht

„Ich habe mich vom ersten Tag an sehr wohl in Bremen gefühlt.“ Selbstverständlich zählte der Stürmer als erfahrener Profi zu den Führungsspielern – genauso wie Oliver Reck, Rune Bratseth, Mirko Votava und Rufer. „Aber die anderen waren auch keine Mitläufer, die haben schon ihre Meinung gesagt“, betont Allofs: „Natürlich war der Konkurrenzkampf groß, im Training ging es richtig zur Sache. Aber wir hatten in dieser ganzen Zeit im Training nie eine körperliche Auseinandersetzung.“ Laut Allofs durchaus eine Seltenheit im Prof-Fußball.

Das lag wahrscheinlich auch an Rehhagel und Co-Trainer Karl-Heinz Kamp. „Kalli wurde von allen total respektiert, weil er den Verein verkörperte“, erinnert sich Allofs. Und Rehhagel? „Otto hat dir immer auch eine Lebensphilosophie mit auf den Weg gegeben. Er hat den Menschen nie außer Acht gelassen. Außerdem war Otto mit allen Wassern gewaschen.“ Auf ein Wiedersehen mit dem Trainer freut sich Allofs ganz besonders – „und auf die Trainerin“. Der 60-Jährige lacht. Gemeint ist Rehhagels Frau Beate, die damals durchaus Einfluss hatte.

"Eine Schnapsidee in Lissabon zu spielen"

Auf dem Platz waren aber allein die Profis gefordert – und das Europapokalfinale stellte dabei eine ganz besondere Herausforderung dar. Aber nicht nur sportlich. „Es war doch eine Schnapsidee, das Finale in diesem riesigen Stadion von Lissabon auszutragen“, erinnert sich Allofs. Damals war ein Europapokalfinale noch nicht automatisch ein Publikumsmagnet, die Reise für Werder-Fans ziemlich weit – und dem AS Monaco fehlten schlichtweg die Fans. „Es war schon enttäuschend, vor so leeren Rängen zu spielen“, gesteht Allofs: „Aber wenn du dann den Pokal in den Händen hältst, ist das völlig egal.“

Es begann die große Sause. Uli Borowka und einige Teamkollegen ließen sich später sogar eine Glatze rasieren. Allofs nicht. „Wenn ich es versprochen hätte, dann hätte ich das auch gemacht“, erklärt der 60-Jährige: „Ich hielt es aber für keine gute Idee, was die Bilder heute ja auch noch zeigen . . .“ Allofs mag es ohnehin lieber etwas ruhiger: „Ich bin keiner, der die Polonaise anführt.“

Skepsis gegenüber dem Triumphzug durch das Viertel 

Deshalb wird ihm auch ein bisschen mulmig, wenn er an Samstag denkt. Auf das Wiedersehen freut er sich, dem von Werder angekündigten Triumphzug durch das Bremer Viertel blickt er etwas skeptisch entgegen. „Man sollte einige Dinge einfach nicht wiederholen. Bei einem Triumphzug denke ich auch eher an das Double von 2004. Da war es toll, durch die Stadt zu fahren. Daran erinnern sich die Menschen sicherlich noch, aber an uns?“

An Allofs ganz sicherlich, denn er war nicht nur Spieler, sondern auch Sportchef bei Werder. Mit ihm holte der Club 2004 das Double, 2009 den Pokal. 2012 wechselte der gebürtige Rheinländer zum VfL Wolfsburg. Natürlich verfolgt er seinen Ex-Club noch. „Es war außergewöhnlich, welche Serie Werder in der Rückrunde hingelegt hat. Alexander Nouri und Frank Baumann leisten eine gute Arbeit.“ Doch Allofs warnt zugleich: „Werder hat durch die Rückrunde die Messlatte sehr hochgelegt. Ich bin gespannt, ob das bestätigt werden kann.“

Klaus Allofs' Erfolge

Und was macht er selbst? „Ich erhole mich“, sagt der 60-Jährige: „Über 16 Jahre ohne einen Tag Pause sind schon hart, auch wenn es Spaß gemacht hat.“ Zu lange soll die Auszeit aber nicht dauern. „Ich denke, dass ich in absehbarer Zeit, wieder etwas machen werde.“ Gerne in der Bundesliga. „Mit Werder und Wolfsburg hatte ich interessante Aufgabe – mit viel Einfluss“, betont der Manager nicht ohne Grund. Wenn er wieder einsteigt, dann müsste es wohl schon etwas Vergleichbares sein.

Bis es so weit ist, hat Allofs Zeit für Feiern wie am Samstag in Bremen am Tag der Fans. Dann wird er sicherlich auch gefragt, welchen Platz dieser Triumph mit Werder in seiner persönlichen Hitliste einnimmt. Die Antwort hat sich der große Liebhaber von Rennpferden schon zurechtgelegt: „Da liefern sich der Europapokalsieg mit Werder, der EM-Titel 1980 und die Vize-Weltmeisterschaft 1986 ein totes Rennen.“

Auch interessant

Was denkst Du über den Artikel?

Nichts mehr verpassen

Kommentare