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Max Eberl ist seit 2008 Sportchef von Borussia Mönchengladbach und führte den Verein seitdem zweimal in die Champions League.

Gladbach-Sportchef über Entwicklung der Bremer

Max Eberl im Interview: „Baumann bewegt einiges“

Mönchengladbach - Von Frank Hellmann. Max Eberl, der Sportchef von Borussia Mönchengladbach, lobt den neuen Weg des SV Werder Bremen.

Im Interview mit der DeichStube spricht der 44-Jährige über Parallelen zwischen beiden Vereinen, deren Perspektiven und seine Wunschspieler, die er liebend gerne verpflichtet hätte, die aber beim kommenden Gegner aus Bremen gelandet sind.

Herr Eberl, als sie 2008 bei Borussia Mönchengladbach angetreten sind, haben sie häufig Werder als Vorbild angeführt. Heute wären Ihre Sorgen so etwas wie Luxusprobleme für die Bremer, die seit Jahren gegen den Abstieg kämpfen. Was hat Gladbach richtig und was hat Werder falsch gemacht?

Max Eberl: Ich kann nur darüber sprechen, was Gladbach versucht hat, richtig zu machen. Als ich hier anfing, habe ich in meinen ersten Pressekonferenzen oft gesagt, dass Werder ein Vorbild ist. Mit einem klar strukturierten Weg. Und Bremens sportlicher Erfolg hat über die Jahre auch wirtschaftliche Möglichkeiten eröffnet.

Und diesen Weg gehen Sie heute auch?

Eberl: Wir haben eine Idee, wie wir einen Kader mit Führungsspielern und Top-Talenten – am liebsten aus der eigenen Akademie – aufbauen wollen, um Werte zu schaffen und Erfolg zu erzielen. Ich denke, dass das bei uns mit vier Europapokal-Teilnahmen in den letzten fünf Jahren und teils sehr hohen Transfererlösen ganz gut funktioniert hat.

Ihr kommender Gegner Werder ist davon weit entfernt. Kann das auch damit zusammenhängen, dass seit Ihrem Amtsantritt in Gladbach in Bremen mit Klaus Allofs, Thomas Eichin und nun Frank Baumann bereits drei Manager gearbeitet haben?

Eberl: Dass Kontinuität ein entscheidendes Merkmal dafür war, dass Werder Bremen Anfang der 2000er Jahre diese Ära einleiten konnte, steht wohl außer Frage. Thomas Schaaf und Klaus Allofs haben das verkörpert. Der Sportvorstand oder Sportchef ist insofern immer eine wichtige Facette, weil die Philosophie des Vereins und die Strategie der Kaderplanung sehr stark von dieser Person abhängen. Jeder, der neu kommt, bringt auch eine neue Idee mit. Das muss gar nicht schlecht sein, aber oft kommt dann statt einem geraden Weg ein Zick-Zack-Kurs heraus, der zu Problemen führen kann.

Werder hat mit Viktor Skripnik, Alexander Nouri und nun Florian Kohfeldt dreimal Eigengewächse zu Cheftrainern befördert. Wie haben Sie die Entwicklung unter Kohfeldt wahrgenommen? Sie haben sich zuletzt sehr lobend über die Bremer geäußert...

Eberl: Ich finde bemerkenswert, dass sie den Abstiegskampf über die fußballerische Lösung angehen. Sonst heißt es ja immer, man müsse malochen, kämpfen, grätschen, aber Bremen versucht, unter Florian Kohfeldt spielerisch voranzukommen. Sicherlich war das gegen den HSV keine brillante Leistung, aber in den Wochen davor sah das doch sehr erfreulich aus. Und noch etwas ist mir aufgefallen...

...und zwar?

Eberl: Ich habe registriert, dass Frank Baumann einiges bewegt hat. Werder ist auf dem Transfermarkt durchaus wieder ein Konkurrent für uns, wenn ich an Thomas Delaney und Ludwig Augustinsson denke. Das sind zwei Spieler, mit denen wir uns auch langfristig beschäftigt haben, die am Ende aber Werder bekommen hat.

Haben Sie sich vor anderthalb Jahren auch mit einer Rückholaktion von Max Kruse beschäftigt?

Eberl: Dass Max Kruse bei uns eine großartige Zeit hatte, ist bekannt – bis er sich für den VfL Wolfsburg entschieden hat. Dort hat es für ihn scheinbar nicht so gut funktioniert, und natürlich haben wir über ihn nachgedacht, aber wir hatten zu dem Zeitpunkt mit Lars Stindl, Thorgan Hazard und Raffael drei sehr ähnliche Spielertypen im Kader. Fest steht: Max Kruse ist ein Riesenfaktor für die Bremer.

Sie haben mit Jannik Vestergaard im Sommer 2016 einen Leistungsträger aus Bremen verpflichtet. Werder hat das wirtschaftlich geholfen, sportlich aber geschwächt. Steht aktuell wieder ein Bremer auf ihrer Einkaufsliste?

Eberl: (lacht) Dass ich kurz vor dem Spiel gegen Bremen dazu nichts sage, ist ja wohl verständlich. Ich kann nur noch einmal verdeutlichen, dass wir mit der Entwicklung von Jannik Vestergaard sehr zufrieden sind und dass er wirklich super Leistungen bei uns bringt.

Für beide Teams gilt das Spiel am Freitag als richtungsweisend: Gladbach könnte den internationalen Plätzen näher kommen, Werder hingegen dem Klassenerhalt. Was ist zu erwarten im Borussia-Park?

Eberl: Ich glaube, es wird vor allem deshalb ein sehr interessantes Spiel, weil beide Mannschaften Fußball spielen wollen.

Wie stark ist denn die Sehnsucht nach internationalem Fußball im Umfeld Ihres Vereins?

Eberl: Dass wir Blut geleckt haben nach zwei Champions-League- und zwei Europa-League-Teilnahmen, ist ja verständlich. Und diese Sehnsucht treibt uns auch an, aber die Realität ist nun einmal, dass die Hälfte der Liga dieses Ziel verfolgt. Daher dürfen geplatzte Träume nicht dazu führen, den eingeschlagenen Weg zu verlassen. Das ist der besagte schmale Grat, auf dem sich Vereine mit gestiegenen Ansprüchen begeben. Deswegen stehe ich mit unserem Umfeld im ständigen Austausch, dass uns eben nicht geschieht, was Traditionsvereinen wie Hamburg, Bremen oder Stuttgart passiert ist, die früher regelmäßig im Europapokal dabei waren, aber heute weit davon weg sind.

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