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Von links: Mirko Votava, Manfred Burgsmüller, Frank Neubarth und Karl-Heinz Riedle bejubeln das vorentscheidende 6:1 gegen Spartak Moskau.

Serie zum 120. Geburtstag des Vereins

Die größten Werder-Siege über 120 Minuten

Von Jan Könemann. Der SV Werder Bremen feiert am 4. Februar 2019 sein 120-jähriges Bestehen. Die DeichStube hat anlässlich des runden Geburtstags einige der kuriosesten, spannendsten und größten Werder-Spiele über 120 Minuten aus dem Archiv gekramt und in einer kleinen Serie zusammengefasst.

Zum Abschluss blicken wir mit Euch auf die größten Werder-Siege:

04. November 1987: Werder Bremen 6:2 Spartak Moskau (n.V.)

Das Wunder von der Weser

Die Jungs von Trainer Otto Rehhagel bekamen es in der zweiten Runde des Uefa-Pokals mit Spartak Moskau zu tun. Im Hinspiel in Russland stand am Ende eine bittere 1:4-Klatsche. Kaum ein Werder-Fan glaubte noch ernsthaft an das Erreichen des Achtelfinals, die Meisterschaft hatte außerdem Priorität.

Um überhaupt noch eine Möglichkeit auf das Weiterkommen zu haben, brauchte Werder ein frühes Tor. Für diesen Aha-Effekt sorgte vor allem Frank Neubarth: Bei einer Ecke stieg der Stürmer in der zweiten Spielminute am höchsten und köpfte zum 1:0 ein. Und nur Minuten später war er erneut zur Stelle und traf sogar zum 2:0. Die Bremer entfachten ein wahres Offensiv-Feuerwerk gegen völlig überforderte Moskauer. Mit den Fans im Rücken kannten die Bremer kein Erbarmen und erhöhten durch Frank Ordenewitz auf 3:0 zur Pause. Glück für Werder: Der Schiedsrichter verzichtete trotz starken Nebels darauf, das Spiel abzubrechen. 

Werders Frank Ordenewitz trifft beim „Wunder von der Weser“ zum zwischenzeitlichen 3:0 für Bremen gegen Spartak Moskau.

Die Spartak-Spieler  kämpften sich in der zweiten Halbzeit zurück ins Spiel und verkürzten in der 71. Minute durch Fedor Cherenkov. Bremen fehlte also wieder ein Tor, um sich zumindest in die Verlängerung zu retten. Das Stadion hatte sich in der Zwischenzeit in ein Tollhaus verwandelt. Nachdem sich die Grün-Weißen kurz geschüttelten hatten, spielten sie wieder mutig nach vorne. Acht Minuten nach dem Gegentreffer war Gunnar Sauer zur Stelle und sorgte für das 4:1 – der Wahnsinn nahm seinen Lauf. Bis zum Ende der regulären Spielzeit sollte kein Tor mehr fallen – die Verlängerung musste die Entscheidung bringen. 

Werder hatte sich in einen Rausch gespielt und in der 100. Minute war es dann Bremens Karl-Heinz Riedle, der sich bei einem Kopfball unnachahmlich in die Höhe schraubte und den Ball über Torhüter Rinat Dasaev hinweg zum 5:1 ins Tor köpfte. Und nur zehn Minuten später sorgte „Schlitzohr“ Manni Burgsmüller mit dem 6:1 für die Entscheidung. Spartak gelang nur noch Ergebniskosmetik. Das Unmögliche war möglich geworden, Werder stand in der nächsten Runde - dank eines Wunders von der Weser.

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16. März 2004: Werder Bremen 3:2 VfB Lübeck (n.V.)

Underdog Lübeck verlangt Werder auf dem Weg zum Pokal-Sieg alles ab

Werder Bremen war im März 2004 nur noch einen Schritt vom Pokalfinale in Berlin entfernt. Gegner im Weserstadion war Zweitligist VfB Lübeck, ein vermeintlich leichtes Los für den Tabellenführer der Bundesliga. Doch Werder hatte große Mühe und zog am Ende erst nach Verlängerung ins Finale ein. 

Der Bundesliga-Spitzenreiter setzte wie erwartet von Beginn an auf Offensive. Ailton vergab bereits nach knapp drei Minuten aus 14 Metern freistehend. Lübeck kam in den ersten zehn Minuten kaum über die Mittellinie, ging dann allerdings überraschend in Führung: Krstajic verlängerte eine Scharping-Ecke mit den Haarspitzen ins lange Eck (11.). Eine leichte Steigerung im Bremer Spiel war bis zur Pause zwar noch zu verzeichnen, doch Werder konnte beste Chancen nicht in Treffer ummünzen. 

Auch zu Beginn der zweiten Hälfte fand Werder nicht zu seinem gewohnten Kombinationsspiel. Die Mittelfeld-Achse Baumann, Lisztes, Ernst und Micoud glänzte nicht wie sonst in dieser Saison. Doch dann sorgte Baumann mit einem Geistesblitz dafür, dass Kristajic freigespielt wurde. Die Flanke setzte Micoud geschickt mit der Stirn ins rechte Eck - 1:1 (54.). In der Schlussviertelstunde entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, doch beide Mannschaften konnten nicht mehr treffen.

Johann Micoud bejubelt seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 1:1 - am Ende gewinnt Werder 3:2 nach Verlängerung gegen Lübeck und zieht ins Pokal-Finale ein.

 

Auch in der Verlängerung hatte die Elf von Trainer Dieter Hecking den besseren Start: Schanda legt den Ball in den Lauf von Torjäger Zandi, dessen Flachschuss Eigentorschütze Krstajic unhaltbar für Reinke zum 1:2 ins Netz lenkt (94.). Das Spiel blieb auch in der Folgezeit ein Pokalfight mit Chancen auf beiden Seiten. Im zweiten Abschnitt der Verlängerung, als der angeschlagene Thioune außen behandelt wurde und Lübeck in Unterzahl auf dem Feld stand, fand der eingewechselte Borowski Kugelblitz Ailton, der aus der Drehung trocken ins linke Eck traf (111.).

Werder drängte in der Folge auf die Entscheidung und wurde in der 114. Minute belohnt - Klasnic auf Valdez, der die Kugel aus 18 Metern flach links versenkte! Bremen ließ sich den Vorsprung nicht mehr nehmen und zog ins Finale ein - das Werder bekanntermaßen mit 3:2 gegen Alemannia Aachen gewinnen konnte und damit das Double perfekt machte.

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24. August 2010: Sampdoria Genua 3:2 Werder Bremen (n.V.)

Einwechsel-Kuriosität bei Werders Last-Minute-Einzug in die Champions-League

Werder spielte in der Qualifikation zur Champions-League-Saison 2010/2011 im Playoff gegen den italienischen Club Sampdoria Genua. Die Mannen von Trainer Thomas Schaaf gewann das Hinspiel im Weserstadion souverän mit 3:1 und fuhr guter Dinge zum Rückspiel nach Italien. Doch es wurde spannender, als gedacht. 

Werder geriet bei schwülen Temperaturen im August früh auf die Verliererstraße: Ein Doppelpack von Genua-Angreifer Giampaolo Pazzini (8. und 14.) schockte Werder bereits in der Anfangsphase und sorgte für eine hitzige Stimmung im „Stadio Luigi Ferraris", auch als „Marassi" bekannt. Werder berappelte sich in der Folge zwar und kam zu eigenen Chancen, doch bis zur Pause änderte sich am Ergebnis nichts mehr. 

Werder jubelt nach dem entscheidenden Treffer von Claudio Pizarro (zweiter von rechts) über den Einzug in die Champions Legaue.

Im Verlauf der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein offeneres Spiel als noch in Durchgang eins. Dann ereignete sich eine Kuriosität – zum Glück für Werder, wie sich später herausstellen sollte. Wagner zog sich eine blutende Wunde am Kopf zu, wollte nach kurzer Behandlung mit Turban wieder rein, durfte aber auf Grund seines blutverschmierten Trikots nicht. Weil so schnell kein neues Dress für Wagner zur Hand war, wechselte Werder-Trainer Thomas Schaaf in der 72. Spielminute dann Markus Rosenberg ein. 

Werder drückte auf das eine Tor, das zu diesem Zeitpunkt für das Weiterkommen gereicht hätte und wurde kurz vor Schluss ausgekontert. Antonio Cassano bugsierte den Ball mit der Hacke aus vier Metern zum 3:0 über die Linie. Doch Werder gab nicht auf und wurde in der Nachspielzeit belohnt: Der eingewechselte Markus Rosenberg schoss aus 20 Meter halbrechter Position trocken ins lange Eck (90.+3) und rettete Werder damit in die Verlängerung. 

Werder war jetzt klar die bessere Mannschaft, erspielte sich viele gute Chancen. In der 100. Spielminute war es dann Claudio Pizarro, der mit einem Rechtsschuss aus 22 Metern flach ins rechte Eck traf. Die Gegenwehr der Italiener war nun gebrochen und Werder zog trotz einer 2:3-Niederlage (bis heute zum letzten mal) in die Champions League ein. Kein Sieg über 120 Minuten im eigentlichen Sinne, unterm Strich sehr sehr wohl als ein solcher zu bewerten.

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Werder-Profi Kevin Möhwald im Deich-o-Meter-Interview - Teil 1

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