Nach seinem letzten Tor gegen Dortmund schickte Claudio Pizarro Küsschen ins Publikum. Allerdings liegt das schon ziemlich lange zurück – und ziemlich lang waren 2011 auch die Haare des Werder-Profis...
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Nach seinem letzten Tor gegen Dortmund schickte Claudio Pizarro Küsschen ins Publikum. Allerdings liegt das schon ziemlich lange zurück – und ziemlich lang waren 2011 auch die Haare des Werder-Profis...

Oldie noch ohne Tor

Das große Pizarro-Rätsel: Startet er noch mal durch?

Bremen - Von Björn Knips. Hinrunde und Winter-Vorbereitung liefen nicht optimal für Claudio Pizarro. Kann der 38-Jährige trotzdem nochmal durchstarten wie vor einem Jahr?

Das Gesicht ist schmerzverzerrt. Claudio Pizarro quält sich – und der Beobachter leidet mit. Der Werder-Profi dehnt sich so sehr, dass es beim Zuschauen weh tut. Zwangsläufig kommt der Gedanke auf: Warum tut sich einer das mit 38 Jahren noch an? Pizarros Antwort folgt prompt: Er lächelt. Selbst dieser unangenehme Teil des Profi-Fußballs macht ihm noch Spaß. Doch nicht nur diese Szene, sondern auch das Training und die Spiele in der Vorbereitung haben gezeigt: Pizarro fällt alles nicht mehr ganz so leicht. Es gibt berechtigte Zweifel, ob der Stürmer noch mal so durchstarten kann wie vor einem Jahr. Am Samstag gegen Dortmund (15.30 Uhr) kann Pizarro alle Kritiker widerlegen.

Bei Frank Baumann ist das natürlich nicht nötig. Selbstverständlich glaubt der Werder-Sportchef an seinen Stürmer Nummer eins. „Er ist auf dem Weg zu seiner Form“, behauptet der Ex-Profi, der selbst viele Jahre lang mit Pizarro zusammengespielt hat. Aus dieser Zeit weiß er noch sehr gut: „Claudio ist ein Wettkampftyp.“

Testspiele seien noch nie Pizarros Ding gewesen, erinnert sich Baumann: „Es ist auch ein Unterschied für einen Spieler wie ihn, ob er vor ausverkauftem Haus oder auf dem Platz eines Hotels spielt.“ So wie im Trainingslager in Spanien mit dem Test gegen den Karlsruher SC (1:1) vor gerade mal 100 Schaulustigen, die direkt neben dem Platz standen und vorher noch durch die Lobby des Mannschaftshotels geleitet worden waren. Auf dem Platz sahen sie dann einen Pizarro, der nicht wirklich im Spiel war und dem vor allem viele Bälle zu weit vom Fuß sprangen. Ungewöhnlich für einen feinen Fußballer wie den Südamerikaner. Gerade diese Ballsicherheit ist doch seine Stärke.

Pizarro kommt in Nouris Umschaltspiel nicht hinterher

Aber Pizarro hatte ganz offensichtlich auch ein Problem damit, seine Rolle auf dem Platz zu finden. Er irrte etwas umher. Trainer Alexander Nouri setzt eben extrem auf ein sehr schnelles Umschaltspiel. Doch dafür ist ein Pizarro mit seinen 38 Jahren einfach zu langsam. Er kommt nicht hinterher. Er könnte dabei vielleicht als Wandspieler hilfreich sein, doch das sieht Nouris Plan nicht vor. Also müsste Pizarro eigentlich viel weiter vorne bleiben, nur ist das nicht mehr zeitgemäß. Inzwischen verteidigen auch die Stürmer mit.

Ist Pizarro nun ein Auslaufmodell? Nicht unbedingt. Er braucht ein Kombinationsspiel, das er selbst mitprägt und das ihn dann im Strafraum in Szene setzt. Zu sehen war davon in den Testspielen herzlich wenig. Pizarro kam nicht zum Abschluss. Anders als zum Beispiel Aron Johannsson. Der US-Nationalspieler wirkte flinker, zielstrebiger und torgefährlicher. Er traf auch gegen Karlsruhe. Eine Alternative zu Pizarro ist der 26-Jährige trotzdem nicht. Eine Wadenprellung hat ihn außer Gefecht gesetzt. Aber auch gesund wäre er kein Thema für die Startelf – noch nicht. Pizarros Bedeutung für das Team ist weiterhin sehr groß.

Der 38-Jährige profitiert immer noch von seiner Ausstrahlung, die Gegner haben Respekt vor ihm. Alle wissen noch zu gut, wie torgefährlich dieses Schlitzohr sein kann. In der vergangenen Rückrunde hat der Peruaner in 14 Spielen zwölfmal getroffen. Damals hatte er auch eine verkorkste erste Saisonhälfte hinter sich gehabt. Erst im neuen Jahr war er fit genug, um durchzustarten. So soll es auch jetzt sein. Der Peruaner konnte fast alle Einheiten mitmachen. Im Test gegen Braunschweig verließ er zwar vorzeitig den Platz, aber das lag wohl nicht nur an den leichten Rückenproblemen, sondern auch am Schnee. Ein Pizarro muss nun wirklich nicht über die Plätze rutschen, wenn es dafür keine Punkte gibt.

Pizarro spielt, weil er Hoffnungsträger ist

Der Torlos-Pizarro hatte also auch in der Vorbereitung Bestand. Das ist nicht gerade gut für das Selbstvertrauen. „Er hat so viel Erfahrung, das wird kein Problem sein. Bei Claudio mache ich mir da keine Gedanken“, hält Baumann dagegen. Pizarro gestand im Trainingslager aber schon, dass ihn die Torflaute etwas nervt. Zähneknirschend räumte er sogar die Möglichkeit einer komplett torlosen Saison ein: „Ja, so etwas kann passieren.“ Ist es ihm ja auch schon. Einmal. Vor zwei Jahren war das – damals noch im Trikot bei den Bayern. Allerdings war er da nur selten zum Einsatz gekommen.

Bei Werder spielt er, weil er ein Hoffnungsträger ist und auch Hoffnung verbreitet – zumindest verbal. „Es wird nicht passieren“, stellte er schnell noch zur drohenden Torlos-Saison klar. Gleichzeitig wurde aus dem ernsten Blick ein freundliches Lächeln. Am Samstag soll dann gejubelt werden – so wie am 7. Mai 2011. Damals traf Pizarro zum letzten Mal gegen Dortmund. Werder gewann 2:0 – und das als Tabellenzwölfter gegen den Spitzenreiter, der allerdings als vorzeitiger Meister etwas siegestrunken angereist war.

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Quelle: kreiszeitung.de

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