Günter Hermann, Ex-Profi von Werder Bremen und Sportlicher Leiter beim FC Oberneuland, steht mit verschränkten Armen auf dem Fußballplatz und lacht
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Günter Hermann, Ex-Profi des SV Werder Bremen, ist heute Sportlicher Leiter beim FC Oberneuland.

Ex-Werder-Star sagte 1990er-Wiedersehen ab

Werder-Weltmeister Hermann: Wegen Corona verpasste er das Treffen der Legenden

Bremen – Auf dem Foto suchte man ihn vergeblich. Günter Hermann, der Ex-Nationalspieler von Werder Bremen und Mitglied im Weltmeister-Kader von 1990, fehlte beim kürzlichen Treffen der legendären Mannschaft in Italien. In den sozialen Netzwerken, in denen der Schnappschuss der Helden von einst ausführlich kommentiert wurde, fragte sogleich jemand, ob Hermann, nicht ganz despektierlich seit jenen Tagen „Reserve-Weltmeister“ genannt, der Fotograf gewesen sei.

Der 59-jährige Werder-Bremen-Star von früher, immer noch in Osterholz-Scharmbeck beheimatet, klärt im Gespräch mit der DeichStube auf: „Natürlich hatte ich wie alle anderen auch eine Einladung, doch ich habe abgesagt.“ Günter Hermann war der Aufwand zu groß und das Risiko des Trips zu hoch, gerade in diesen vom Coronavirus geprägten Zeiten. „Ich wäre gern dabei gewesen, um die alten Kumpel wiederzusehen, aber ich wollte mir den ganzen Stress für drei Tage in der Toskana nicht antun.“

Sein Lob gehört den Organisatoren um Kapitän Lothar Matthäus, Finaltorschütze Andreas Brehme und Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler, die das Wiedersehensfest 30 Jahre nach dem 1:0-Sieg gegen Argentinien 1990 in Rom auf die Beine gestellt hatten, nachdem die für Juli geplante offizielle Veranstaltung des DFB wegen der Pandemie abgesagt worden war. Doch Hermann hätte es besser gefunden, „wenn der Treff aufgrund der unruhigen Zeiten in Deutschland stattgefunden hätte. An einem zentralen Ort, der schnell zu erreichen gewesen wäre.“

Werder Bremen-Ex-Profi Günter Hermann stand überraschend im Weltmeister-Kader 1990

So wie er mögen auch einige der ehemaligen Kollegen gedacht haben. Nicht alle Weltmeister des Turniers in Italien waren vor Ort, außer dem Bremer fehlten Bodo Illgner, Klaus Augenthaler, Uwe Bein, Paul Steiner und Andreas Köpke, der Bundestorwarttrainer, der wegen der aktuellen Länderspiele unabkömmlich war.

Günter Hermann, von 1982 bis 1992 in 231 Bundesliga-Partien für Werder Bremen aktiv, absolvierte zwei A-Länderspiele und rückte als Edelreservist überraschend ins WM-Aufgebot. Wie auch Köpke, Steiner und Frank Mill kam er in Italien zu keiner Einsatzminute in dem hochkarätig besetzten Aufgebot, zumal Teamchef Franz Beckenbauer aufgrund der ausgezeichneten Leistungen kaum zu personellen Änderungen gezwungen war.

Werder Bremen-Ex-Spieler Günter Hermann distanziert sich mehr und mehr vom Profi-Sport

„Es ist schon so lange her“, denkt Hermann kaum noch an den Titelgewinn, den größten Triumph in seiner Vita. Nur noch selten werde er auf dieses Ereignis heutzutage angesprochen. Allenfalls in Fußballerkreisen, in denen der Endfünfziger weiterhin noch viel unterwegs ist. Als Sportlicher Leiter beim FC Oberneuland sowie als Trainer der F-Jugend in dem Club. Auch als Organisator eines Fußballcamps für den Nachwuchs ist der Besitzer eines Sportartikelgeschäfts weiterhin engagiert. „Bei diesen Gelegenheiten zeige ich den Jungen schon mal meine Medaille aus Rom“, berichtet Hermann, der ansonsten eher dezent mit dem WM-Sieg in der Öffentlichkeit umgeht und keineswegs mit diesem Triumph prahlt. „Für die Kleinen ist das was ganz Großes.“

Fußball an der Basis interessiert den Werder-Weltmeister, der große Profisport hingegen weniger. „Mich nervt vieles“, gesteht Günter Hermann, der sich mehr und mehr von der Branche distanziert, die mal sein Leben bestimmt hat. Viele Dinge in der Bundesliga und auch bei der Nationalelf laufen nach seiner Einschätzung falsch. Der Mann hat für sich die Konsequenzen gezogen. Hermanns Geständnis: „Ich schaue mir keine Länderspiele mehr an. Bei dem jüngsten Dreierpack gegen die Türkei, die Ukraine und die Schweiz habe ich keine Minute verfolgt.“ (hgk)

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