Sie nennen sich selbstironisch „die hässlichen Vögel“: Marvin Ducksch (li.) und Niclas Füllkrug vom SV Werder Bremen sind in Top-Form.
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Sie nennen sich selbstironisch „die hässlichen Vögel“: Marvin Ducksch (li.) und Niclas Füllkrug vom SV Werder Bremen sind in Top-Form.

„Die hässlichen Vögel“ bei Werder

„Hässliche Vögel“ stürmen die 2. Liga: Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug auf den Spuren großer Werder-Sturmduos

Paderborn/Bremen – Vermutlich weiß der Marabu nicht einmal, welchen unschönen Ruf er besitzt. Ebenso wenig wie der Waldrapp oder das Helm-Perlhuhn. Sie alle gelten nämlich aufgrund ihrer äußerlichen Erscheinung als ziemlich hässliche Vögel. Was das mit Werder Bremen zu tun hat? Neuerdings eine ganze Menge. Und das liegt an Niclas Füllkrug.

Er war es nämlich, der Ende vergangener Woche für reichlich Gelächter gesorgt hatte. In einem kurzen Video-Schnipsel, den Werder Bremen in den sozialen Medien veröffentlichte, war zu sehen und hören, wie Niclas Füllkrug unvorbereitet über einen möglichen Spitznamen für sich und seinen mittlerweile kongenialen Sturmpartner Marvin Ducksch philosophierte. Und nach längerem Überlegen zu folgendem überraschenden Ergebnis kam: die hässlichen Vögel.

„Ich habe ihn direkt darauf angesprochen, warum er sich keinen besseren Namen hat einfallen lassen“, erzählte Marvin Ducksch mit einem breiten Grinsen im Gesicht, als er nach dem Auswärtssieg in Paderborn (4:3) auf die wenig schmeichelnde Titulierung seines Teamkollegen angesprochen wurde. „Er ist nun einmal darauf gekommen, und ich nehme es jetzt einfach mit Humor. Ich habe selber keinen Vorschlag, habe jetzt aber oft ,Die Lückenfüller‘ oder ,Die Zahnlücken‘ gehört. Das hätte wahrscheinlich besser zu uns gepasst“, sagte Ducksch. Es gibt sie also tatsächlich noch, die Momente, in denen die beiden Angreifer sich nicht blind verstehen. Auf dem Rasen – und sei er noch so schlecht wie der in Paderborn – sieht das komplett anders aus. Ducksch und Füllkrug schießen Tor um Tor und harmonieren prächtig. So sehr, dass mittlerweile kaum mehr vorstellbar ist, dass es mal eine Zeit in dieser Saison gab, in der ernsthaft darüber diskutiert wurde, ob entweder Ducksch oder Füllkrug stürmen würde. Erst kurz vor seinem unrühmlichen Abgang stellte der damalige Trainer Markus Anfang sein System und damit auf eine Doppelspitze um, seit dem 12. Spieltag wird in eindrucksvoller Manier bewiesen, dass diese Entscheidung in dieser Liga die einzig richtige aus Sicht des SV Werder Bremen ist.

„Die hässlichen Vögel“ Niclas Füllkrug und Marvin Ducksch: Werder Bremens Sturmduo macht Spaß

Nun haben brandgefährliche Sturmduos am Osterdeich eine lange Tradition. Uwe Reinders und Norbert Meier, Rudi Völler und Frank Neubarth, Frank Ordenewitz und Karl-Heinz Riedle, Wynton Rufer und Marco Bode – sie alle sorgten jahrelang für Angst und Schrecken in den gegnerischen Strafräumen. Später folgten Claudio Pizarro und Ailton, die prompt zum fußballerischen Lieferdienst „Pizza Toni“ gekürt wurden. Einige Zeit darauf avancierten Miroslav Klose und Ivan Klasnic zum nicht weniger begeisternden „K&K“-Sturm. Nach vielen Jahren der Tristesse schicken sich Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug nun an, die fast schon vergessene Begeisterung um treffsichere Werder-Angreifer neu zu entfachen.

(Lest auch: Was macht Marvin Duckschs Berater beim SV Werder Bremen?)

Die nackten Zahlen sind dabei fast so atemberaubend wie das jüngste Spektakel im sonst so beschaulichen Ostwestfalen. Marvin Ducksch hat in den vergangenen sechs Partien fünf seiner inzwischen zehn Werder-Saisontore erzielt und fünf weitere vorbereitet. Bei Niclas Füllkrug lohnt der Blick sogar noch weiter zurück. In den ersten neun Spielen brachte er es auf einen einzigen, mickrigen Assist, ehe der große Kabinen-Streit mit Clemens Fritz, Werders Leiter Profifußball und Scouting, folgte. Und dieser hatte samt der anschließenden Neuausrichtung eine reinigende Wirkung. Denn seither läuft es. In den folgenden zehn Spielen gelangen Füllkrug acht Tore und fünf Vorlagen. Noch beeindruckender werden die Werte in Verbindung mit Ole Werner. Seit der 33-Jährige beim SV Werder Bremen das Traineramt übernommen hat, war sein Duo in fünf Begegnungen für neun Tore und sieben Assists verantwortlich. Allein gegen Paderborn hätten es sogar noch mehr sein können, doch gleich zweimal „klaute“ Füllkrug seinem Sturmpartner einen Treffer, weil er zuvor im Abseits gestanden hatte.

Marvin Ducksch und Niclas Füllkrug: Sturmduo des SV Werder Bremen mit Super-Quote unter Trainer Ole Werner

Keine Frage, die beiden „hässlichen Vögel“ sind ein ganz entscheidender Faktor auf Werders möglichem Weg in Richtung Wiederaufstieg. Das weiß auch Ole Werner, dem die kuriose Namensgebung natürlich nicht entgangen ist. „Das kommt glücklicherweise von Fülle selbst“, sagte er schmunzelnd. „Der Spitzname ist mir aber egal. Ich würde dennoch nicht behaupten, dass er zutrifft.“ Den Chefcoach interessieren naturgemäß eher die sportlichen Faktoren, die hinter den Namen stecken. „Es zeigt sich, dass wir eine außerordentliche individuelle Qualität haben, wenn alle da sind. Auch auf diesen Positionen.“ Vielleicht sogar vor allem auf diesen Positionen. Denn bei aller Offensiv-Euphorie offenbarte Werder Bremen zumindest gegen Paderborn auch wieder einige Defensiv-Defizite. Aber das ist eine andere Geschichte. Und so lange die „hässlichen Vögel“ weiterhin fleißig Eier in gegnerische Nester legen, dürfte die Bremer Fußball-Welt weiterhin eine ziemlich schöne sein. (mbü)

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