Ole Werner hat allen Grund zur Freude: Seit er als Trainer beim SV Werder Bremen den Ton angibt, haben die Grün-Weißen drei Siege in Serie eingefahren.
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Ole Werner hat allen Grund zur Freude: Seit er als Trainer beim SV Werder Bremen den Ton angibt, haben die Grün-Weißen drei Siege in Serie eingefahren.

Werder Bremen gewinnt zum 3. Mal in Folge

Ein wenig euphorisch: Vom Aufstieg will der SV Werder Bremen nach dem Sieg in Hannover aber immer noch nicht reden

Hannover – Ob er es dort oben auf dem Podium gehört hat, ist nicht überliefert. Falls ja, darf Ole Werner aber getrost als Meister der Selbstbeherrschung beschrieben werden. Als der Trainer des SV Werder Bremen auf der Pressekonferenz gerade dabei war, den 4:1 (1:1)-Sieg seiner Mannschaft bei Hannover 96 in gewohnt sachlichem Tonfall einzuordnen, lieferten seine Spieler, nun ja, den denkbar größten Kontrast dazu: In der benachbarten Gästekabine sangen sie ausgelassen den voll aufgedrehten Weihnachts-Evergreen „Last Christmas“ mit.

So unterschiedlich kann Freude zum Ausdruck gebracht werden, denn froh war Ole Werner definitiv auch. „Es war ein gelungener Jahresausklang für uns, sowohl vom Ergebnis als auch von der Leistung her“, sagte der 33-Jährige, der mit Werder Bremen den dritten Sieg im dritten Spiel seit Amtsübernahme gefeiert hatte. Was ziemlich beeindruckend ist – und kurz vor dem Weihnachtsfest dafür sorgt, dass das Thema „Wiederaufstieg“ rund um den Verein heißer denn je diskutiert wird.

Zugegeben, auf Tabellenplatz sieben zu überwintern, ist für Bundesliga-Absteiger Werder Bremen per se kein Anlass für übertriebene Freudensprünge. Angesichts von nur einem Zähler Rückstand auf den Relegationsplatz drei (auf dem der Hamburger SV überwintert) aber irgendwie doch. Weil es ausdrückt, dass die Mannschaft in den vergangenen Wochen unter Werner mächtig ins Rollen gekommen ist. Und weil es die sportliche Fantasie vor der zweiten Saisonhälfte mehr als beflügelt. „Ich bin ziemlich zufrieden mit dem Job, den wir in den vergangenen drei Spielen gemacht haben“, betonte Werner, wollte die Euphorie aber auf keinen Fall zu groß werden lassen: „Wir sind gerade erst bei der Hälfte der Saison. Wichtig ist, dass man sich auf die tägliche Arbeit konzentriert. Das ist mein Credo, aber natürlich darf man Ziele und Ansprüche haben.“

Werder Bremen gegen Hannover 96: „Wir haben sehr gut ins Spiel gefunden“

Den Aufstieg offiziell als Ziel ausgegeben hatte Werder Bremen vor Saisonbeginn nicht und hat es bis dato auch nicht nachgereicht. Fest steht: Vermessen wäre es nach einem Auftritt wie dem gegen Hannover 96 garantiert nicht gewesen. Die Bremer bestimmten im Grunde vom Anstoß weg das Geschehen und belohnten sich für ihren guten Auftritt vor den nur 5000 zugelassenen Zuschauern in der HDI-Arena mit einem sehenswerten Führungstreffer von Romano Schmid (22.).

„Wir haben sehr gut ins Spiel gefunden“, hielt Werner fest, für den es in der 34. Minute allerdings einen Schreckmoment geben sollte. Hannovers Sebastian Kerk schoss einen Freistoß aus 38 Metern Entfernung direkt aufs Tor und überrumpelte damit Werder-Keeper Jiri Pavlenka, der weit vor der Linie auf eine Flanke gewartet hatte – 1:1. Eine Szene, die das Spiel auch hätte kippen lassen können. Werder jedoch steckte sie weg. „Wir haben eine gute Reaktion gezeigt“, freute sich Werner, dessen Team im zweiten Durchgang nachlegte.

Der Ex-Hannoveraner Marvin Ducksch per Kopfball-Bogenlampe (51.) und Anthony Jung per Kopfball aus kurzer Distanz (72.) sorgten mit ihren Toren für das 3:1, was einer Vorentscheidung gleichkam. Zwischen den beiden Bremer Treffern hatten allerdings auch die Hausherren gute Gelegenheiten gehabt – unter anderem schoss Werder Bremens Marco Friedl Mitspieler Ömer Toprak an, von dessen Körper aus der Ball an die eigene Torlatte flog. Gerade nochmal gut gegangen. „Das dritte Tor hat den Spielverlauf dann endgültig in unsere Richtung gelenkt“, sagte Werner, der in der 84. Minute noch den Schlusspunkt von Friedl bejubeln durfte – 4:1.

Werder Bremen-Trainer Ole Werner nach dem Sieg in Hannover: „Freue mich, dass wir ein paar Tage Ruhe haben“

Nach dem 4:0 gegen Aue und dem 3:2 in Regensburg war es das dritte Werder-Spiel in Serie mit reichlich Unterhaltungswert. Und jetzt? „Jetzt freue ich mich erstmal, dass wir ein paar Tage Ruhe haben“, sagte Ole Werner. Am 2. Januar startet er mit seiner Mannschaft in die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte. Die Erwartungen, so viel dürfte feststehen, werden bis dahin nicht eben kleiner geworden sein. In Hannover waren alle Bremer Verantwortlichen aber noch sehr darum bemüht, dass Thema Aufstieg möglichst nicht zu einem Thema werden zu lassen. „Es ist schön, wieder in Reichweite zu sein, zumindest zum Relegationsplatz“, sagte Sportchef Frank Baumann – schob aber sofort die Anmerkung hinterher, dass auf die Plätze eins und zwei „schon noch ein gewisser Abstand“ vorhanden sei. Was zweifellos richtig ist. Spitzenreiter St. Pauli hat sieben, der zweitplatzierte SV Darmstadt sechs Punkte mehr als Werder Bremen.

Der guten Stimmung tat das am Sonntagnachmittag tief im Bauch der HDI-Arena aber keinen Abbruch. Kurz vor der Abfahrt ließ sich sogar Ole Werner zu folgendem Satz hinreißen: „Wenn man unter Euphorie versteht, dass man positiv und mit Selbstvertrauen an die Dinge rangeht, dann bin ich vielleicht sogar selbst ein ganz kleines Stück euphorisch.“ Na also. Oder wie seine Spieler es nebenan mit Inbrunst sangen: „Last christmas, I gave you my heart. . .“ (dco)

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