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Die Werder-Profis sehen schwarz, viel schwarz. Denn ihr Trainerteam hat nicht nur neue, dunkle Kleider bekommen, sondern ist personell auch noch mal angewachsen.

Kohfeldt will Profis noch individueller fördern

So viele Trainer hatte Werder noch nie

Bremen – Ein bisschen komisch fand das selbst Florian Kohfeldt, als der SV Werder Bremen am Sonntag mit nur elf Spielern, aber dafür gleich sechs Trainern die erste öffentliche Einheit in der Sommer-Vorbereitung absolvierte. Das Verhältnis wird sich freilich im Laufe der Vorbereitung noch ändern, wenn die Nationalspieler dazustoßen. Aber schon jetzt ist klar: So groß war das Trainerteam beim Bremer Bundesligisten noch nie.

Florian Kohfeldt setzt auf mehr Betreuung, während sein Vorgänger Alexander Nouri noch genau das Gegenteil gemacht hatte. „Wir möchten uns in Zukunft noch professioneller im Trainerteam aufstellen. Wir möchten die Spieler noch individueller fördern“, erklärte Kohfeldt bei der Verpflichtung von Ilia Gruev. Der Bulgare ist der dritte Co-Trainer im Kohfeldt-Team – dazu noch ein sehr erfahrener. Der Ex-Nationalspieler war selbst schon Cheftrainer beim Zweitligisten MSV Duisburg. Jetzt rückt der 49-Jährige freiwillig wieder in die zweite Reihe, genießt dafür aber ein besonderes Privileg: Er darf seinen Sohn Ilia Gruev trainieren. Der 19-Jährige ist bei den Grün-Weißen in den Profi-Kader aufgerückt. Es lebe die Werder-Familie!

Neuer Co-Trainer Ilia Gruev bei Werder Bremen gleich mittendrin

Aber diese Vater-Sohn-Geschichte war natürlich nicht der Grund, warum Gruev senior verpflichtet wurde. Kohfeldt kennt den Trainerkollegen schon aus Duellen in der Dritten Liga. Sie haben sich immer mal wieder ausgetauscht, funken sportlich auf einer Wellenlänge. „Er ist einfach auch ein sympathischer Typ“, hob Kohfeldt hervor. Und genau so präsentierte sich Gruev an seinen ersten Tagen. Er wirkte nicht wie ein Neuer im Team, sondern war gleich mittendrin.

Kohfeldt übernahm dabei die Rolle des Zuschauers. Schaute zu, wie erst Athletik-Koordinator Axel Dörrfuß der Mannschaft Beine machte. Dann kamen die Co-Trainer ins Spiel: Thomas Horsch, Tim Borowski und eben Gruev. Schließlich scheuchte Fitnesscoach Günther Stoxreiter die Profis über den Rasen. Ein Trainer fehlte sogar noch auf dem Platz: Christian Vander. Der Ex-Profi absolvierte mit den Torhütern ein eigenes Programm.

Werder Bremen: Zwölf Mitarbeiter im erweiterten Trainerstab

Die glorreichen Sieben könnte es also bei Werder heißen, wäre aber nicht ganz richtig. Denn zum erweiterten Trainerstab gehören auch noch Andreas Marlovits (Mentalcoach), Mario Baric (Chefanalytiker), Jens Beulke (Reha-Trainer) sowie die Videoanalysten Pascal Schichtel und Rafael Kazior. Macht zusammen zwölf Mitarbeiter in diesem Bereich. Damit liegt Werder im Bundesliga-Vergleich ziemlich weit vorne, wenngleich: Jeder Club definiert sein Trainer- und Betreuerteam unterschiedlich, mal gehören zum Beispiel die Analysten dazu, mal nicht.

Interessant ist in jedem Fall der Blick auf die Co-Trainer. Kohfeldt leistet sich seit dieser Saison drei Assistenten. Das ist auch in Mönchengladbach, Hoffenheim, Augsburg, Freiburg, Paderborn auf Schalke und bei Hertha der Fall. Zur Erinnerung: Nouri verzichtete 2017 ab seiner ersten Sommer-Vorbereitung als Werder-Chefcoach auf Co-Trainer Florian Bruns und wollte nur noch Markus Feldhoff als seinen Assistenten haben. Auch Mentaltrainer Andreas Marlovits blieb außen vor, kehrte dann aber mit Kohfeldt zurück und ist nun fester Bestandteil des Stabs. Lediglich Hoffenheim und Düsseldorf widmen sich in der Bundesliga dem Thema Sportpsychologie so intensiv wie Werder Bremen.

Werder Bremen: Ilia Gruev für den Bereich Standards verantwortlich

Die Arbeit im Profi-Fußball wird eben immer spezieller. Kohfeldt tauscht sich schon lange mit Tennis-Coach Jan de Witt aus. Dabei geht es vor allem um die noch bessere Förderung des einzelnen Spielers. Die Trainingspläne wurden schon längst personalisiert. Immer mal wieder fehlt ein Spieler im Teamtraining mit der Begründung „individuelle Belastungssteuerung“.

Mit Ilia Gruev soll nun der Bereich Standardsituationen gestärkt werden. Der Bulgare soll sich explizit um Freistöße und Ecken kümmern. „Da hat er den Hut auf“, berichtete Kohfeldt, der ansonsten stets die Teamarbeit der Trainer betont. Er selbst wird spätestens im Zillertal die reine Zuschauerrolle wieder verlassen und bei den Einheiten wie üblich mitwirken. Dann müssen auch nicht nur elf Spieler, sondern wieder über 20 trainiert werden.

Unterdessen müssen die Grün-Weißen einen Abwehr-Schock verkraften: Milos Veljkovic fällt lange aus, auch Sebastian Langkamp ist verletzt - aber Sportchef Frank Baumann will deswegen keinen Ersatz holen.

Die Trainer-Teams aller 18 Bundesligisten

Werder Bremen: Florian Kohfeldt (Cheftrainer), Tim Borowski, Thomas Horsch, Ilia Gruev (alle Co-Trainer), Christian Vander (Torhüter).

Bayern München: Niko Kovac (Cheftrainer), Robert Kovac, Hans-Dieter Flick (beide Co-Trainer), Toni Tapalovic (Torhüter).

Borussia Dortmund: Lucien Favre (Cheftrainer), Manfred Stefes, Edin Terzic (beide Co-Trainer), Matthias Kleinsteiber (Torhüter).

RB Leipzig: Julian Nagelsmann (Cheftrainer), Lars Kornetka, Robert Klauß (beide Co-Trainer), Frederik Gößling (Torhüter).

Mönchengladbach: Marco Rose (Cheftrainer), Frank Geideck, Alexander Zickler, Rene Maric (alle Co-Trainer), Uwe Kamps, Steffen Krebs (beide Torhüter).

1899 Hoffenheim: Alfred Schreuder (Cheftrainer), Matthias Kaltenbach, Pellegrino Matarazzo, Dick Schreuder (alle Co-Trainer), Michael Rechner (Torhüter)

FC Schalke 04: David Wagner (Cheftrainer), Frank Fröhling, Christoph Bühler, Matthias Kreutzer (alle Co-Trainer), Simon Henzler (Torhüter).

Bayer Leverkusen: Peter Bosz (Cheftrainer), Xaver Zembrod, Hendrie Küzen (beide Co-Trainer), David Thiel (Torhüter).

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter (Cheftrainer), Armin Reutershahn, Christian Peintinger (beide Co-Trainer), Manfred Petz (Torhüter).

FC Augsburg: Martin Schmidt (Cheftrainer), Jonas Scheuermann, Tobias Zellner, Stefan Sartori (alle Co-Trainer), Zdenko Miletic (Torhüter).

Mainz 05: Sandro Schwarz (Cheftrainer), Jan Moritz Lichte, Michael Falkenmayer (beide Co-Trainer), Stephan Kuhnert (Torhüter).

VfL Wolfsburg: Oliver Glasner (Cheftrainer), Michael Angerschmid, Thomas Sageder (beide Co-Trainer), Pascal Formann (Torhüter).

Hertha BSC: Ante Covic (Cheftrainer), Admir Hamzagic, Harald Gämperle, Marko Dickhaut (alle Co-Trainer), Zsolt Petry (Torhüter).

SC Freiburg: Christian Streich (Cheftrainer), Patrick Baier, Lars Voßler, Florian Bruns (alle Co-Trainer), Andreas Kronenberg (Torhüter).

Fortuna Düsseldorf: Friedhelm Funkel (Cheftrainer), Thomas Kleine, Axel Bellinghausen (beide Co-Trainer), Claus Reitmaier (Torhüter).

1. FC Köln: Achim Beierlorzer (Cheftrainer), Manfred Schmid, Andre Pawlak (beide Co-Trainer), Andreas Menger (Torhüter).

SC Paderborn: Steffen Baumgart (Cheftrainer), Daniel Scherning, Danilo, Philipp Maier (beide Co-Trainer), Niko Burchert (Torhüter).

Union Berlin: Urs Fischer (Cheftrainer), Sebastian Bönig, Markus Hoffmann (beide Co-Trainer), Michael Gspurning (Torhüter).

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