Jürgen Born lädt zum Hausbesuch.
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Jürgen L. Born hat die DeichStube zum Hausbesuch eingeladen.

Hausbesuch beim ehemaligen Werder-Boss Jürgen L. Born

„Man muss ein bisschen zaubern“

Bremen - Die Tür geht auf – und schon rast ein Bewohner grußlos heraus. Dafür ist der Herr des Hauses umso freundlicher. „Herzlich willkommen“, sagt Jürgen L. Born und lächelt.

Die DeichStube hatte beim ehemaligen Werder-Boss einen Hausbesuch angefragt – und der 76-Jährige mit einem „Klar, kommt vorbei“ sofort zugesagt. Hund Rocky ist von seinem Ausflug auf die Einfahrt des Grundstücks in Bremen schnell zurück und hat bereits sein Geschenk im Blick: Hunde-Leckerlis. „Das esse ich teilweise sogar selbst“, scherzt Born. Es soll nicht sein letzter Spaß an diesem Vormittag bleiben. Aber er spricht auch ganz ernst über die Zukunft von Werder.

Erst mal geht es rein in die gute Stube. Born bietet sofort Kaffee an. „Aber wir haben auch Mate-Tee“, sagt er: „Den gibt es bei uns immer frisch.“ Der ehemalige Banker hat schließlich lange in Südamerika gelebt und diese Spezialität mit nach Deutschland gebracht. Und weil er oft Besuch von Südamerikanern bekommt, ist er stets gut vorbereitet. Es ist gar nicht so lange her, da saß noch Claudio Pizarro auf der Couch im Wohnzimmer.

Hund Rocky checkt zunächst das Stuben-Team.

„Sein Fernseher war kaputt, da haben wir hier Fußball geguckt“, erinnert sich Born und wird ein bisschen sentimental: „Ich bin schon etwas traurig, dass Werder keine Südamerikaner mehr hat. Das hat schon Spaß gemacht, ihnen zu helfen und mit ihnen über Südamerika zu philosophieren. Der eine oder andere hat hier dann auch mal übernachtet.“ Und es wurde oft gegrillt. „Das können alle Südamerikaner“, sagt Born. Einer war an der Holzkohle ganz besonders stark: Ailton.

Aber es kann kommen, wer will, der Star im Hause ist immer derselbe: Rocky. „Ein Cavalier King Charles Spaniel“, klärt das Herrchen auf: „Der darf so ziemlich alles bei uns.“ Für Rocky schmeißt Born sogar eine Geburtstagsparty – in Grothenn's Gasthaus Arbergen mit weit über 100 geladenen Gästen. „Das gehört schon zum Veranstaltungskalender von Bremen“, sagt Born und schmunzelt: „Jeder, der sich traut, darf dort etwas aufführen. Das ist ein großer Spaß.“ Den habe sich Rocky aber auch verdient. „Sein Blick hilft einem über alles hinweg – vor allem über Werder-Niederlagen“, erklärt der 76-Jährige: „Aber dann will auch er gestreichelt werden, ihm gefallen die Niederlagen genauso wenig.“

„Könnte mir nie vorstellen, dass Werder etwas passiert“

Ohne Werder geht bei den Borns nichts. „Wir haben überall nur Werder-Handtücher, die habe ich alle mitgehen lassen“, behauptet der einstige Geschäftsführer des Bundesligisten und lacht. Stimmt natürlich nicht. Also im Gäste-WC trocknet man sich mit Frottee aus dem Hause Joop die Hände ab...

Ansonsten ist Werder schon sehr präsent. In der Küche stehen kleine Fähnchen und im Büro so manche Erinnerungsstücke wie kleine Versionen der Meisterschale und des DFB-Pokals. „Das Double 2004 war natürlich einmalig“, schwärmt Born. Er hat als Werder-Boss (1999 bis 2009) die ganz erfolgreichen Zeiten miterlebt, als der Bundesligist eine echte Nummer in Europa war. Oben auf einem Regal thronen Bilderrahmen mit den Pins der Champions-League-Teilnehmer der jeweiligen Saison.

DeichStuben-Reporter Björn Knips auf der Terrasse von Jürgen L. Born.

Borns fast wehmütiger Blick in diese Richtung ist nicht zu übersehen. Macht er sich nach den vielen Jahren ohne internationales Geschäft und dem Abstiegskampf Sorgen um seinen Club? „Ich bin grundsätzlich ein Optimist. Ich könnte mir nie vorstellen, dass Werder etwas Böses passiert“, sagt er und fügt dann nach einer kurzen Pause süffisant an: „Wir waren aber oft schon ziemlich nah dran.“

Doch diesen negativen Gedanken verscheucht er sofort wieder aus seinem Haus. „Wir teilen uns gewisse Ränge mit zehn Vereinen. An Dortmund und Bayern kommen wir nicht ran. Auch Leipzig und Hoffenheim sind inzwischen eine echte Potenz – und Schalke hat auch irgendwas vor. Aber da bleiben noch die Plätze sechs und sieben, auf die müssen wir schielen“, lautet seine klare Forderung. Aber kann das Werder finanziell überhaupt leisten? „Man muss ein bisschen zaubern, aber die Möglichkeiten sind immer gegeben.“

„Habe mich schlimm in die Bredouille gebracht“

Eine Möglichkeit wäre es, den Club an Investoren zu verkaufen. „So lange ich lebe, wird das nicht passieren“, behauptet der 76-Jährige: „Und das liegt nicht daran, weil ich noch so lange leben werde. Werder wird der letzte Verein sein, der alles hergibt. Der Verein gehört den Mitgliedern und ist nicht dazu gemacht worden, damit alles aus der Hand gegeben wird.“ Born ist selbst Mitglied, darf also mitentscheiden.

Ohnehin hat sein Wort im Club immer noch Gewicht. Zu den Besuchern in seinem Haus gehören auch Sportchef Frank Baumann oder Marco Bode. Mit dem Aufsichtsratschef läuft es gerade allerdings nicht ganz so gut. „Ich habe ihn neulich ganz schlimm in die Bredouille gebracht. Wir haben bei einem Golfturnier ein Team gebildet, und ich habe fürchterlich gespielt. Seitdem haben wir keinen Kontakt mehr.“ Born lacht. Spaß muss sein. Und den hat er mit den aktuellen Protagonisten bei Werder wieder.

Hausbesuch bei Jürgen Born

Hausbesuch bei Jürgen Born
Hausbesuch bei Jürgen Born © Gumz
Hausbesuch bei Jürgen Born
Hausbesuch bei Jürgen Born © Gumz
Hausbesuch bei Jürgen Born
Hausbesuch bei Jürgen Born © Gumz
Hausbesuch bei Jürgen Born
Hausbesuch bei Jürgen Born © Gumz
Hausbesuch bei Jürgen Born
Hausbesuch bei Jürgen Born © Gumz
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Hausbesuch bei Jürgen Born
Hausbesuch bei Jürgen Born © Gumz
Hausbesuch bei Jürgen Born
Hausbesuch bei Jürgen Born © Gumz
Hausbesuch bei Jürgen Born
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Hausbesuch bei Jürgen Born
Hausbesuch bei Jürgen Born © Gumz
Hausbesuch bei Jürgen Born
Hausbesuch bei Jürgen Born © Gumz
Hausbesuch bei Jürgen Born
Hausbesuch bei Jürgen Born © Gumz
Hausbesuch bei Jürgen Born
Hausbesuch bei Jürgen Born © Gumz

Bode sei nicht nur ein guter Fußballer und guter Golfer, sondern auch „ein guter Kerl“, betont Born und gerät ins Schwärmen: „Das ist ja das Schöne, dass wir jetzt Leute bei Werder haben, bei denen Eitelkeiten keine Rolle spielen. Deswegen glauben wir alle, dass in der aktuellen Saison ist davon noch nicht so viel zu sehen. „Lieber einen schlechten Start als ein schlechtes Ende“, redet Born die beiden Auftaktpleiten gegen Hoffenheim und Bayern einfach weg. Er hofft auf einen Erfolg nächsten Sonntag in Berlin. 

Vielleicht wird er selbst vor Ort sein. Mit seinem Freund Hans Schulz, dem Ex-Profi und ehemaligen Mitglied im Aufsichtsrat, ist er eigentlich bei allen Auswärtsspielen dabei, „die wir mit dem Auto erreichen können“. Nach Berlin geht es aber mit der Bahn, weil es dort eine Besonderheit gibt: „KDW (Kaufhaus des Westens, Anm. d. Red.), dritter Stock, Langustenschwanz und ein Glas Chablis.“ Mit diesem Zwischenstopp hatte Born seinen Kumpel Hans auch mal auf die Reise nach Cottbus gelockt. Und weil aus dem Glas, „zwei, drei Flaschen“ wurden, ging es nicht wie geplant mit dem Zug, sondern auf den letzten Drücker schnell noch mit dem Taxi weiter. „Dabei sind wir eingeschlafen und in Halle gelandet, weil sich der Taxifahrer nicht auskannte“, verrät Born und muss über die Tour noch immer herzlich lachen: „Wir haben das Steuer dann selbst übernommen, also fast, und sind noch pünktlich zum Anpfiff angekommen.“

Ein kleines Konzert für die DeichStube.

Born hat viel zu erzählen. Er ist ein Unterhaltungstalent. Und das nicht nur mit Worten. Er haut auch kurzerhand in die Tasten und spielt in seinem Büro auf einem kleinen Keyboard das Werder-Lied. Später greift er auch noch zum neuen Akkordeon, das selbstverständlich grün-weiß ist. Die Posaune bleibt aber im Koffer, denn ein bisschen drängt die Zeit. Der 76-Jährige muss in die Halle zum Fußball – wie jeden Mittwoch. „Von 18 bis 80 ist da alles dabei“, sagt Born: „Man kann sich da durch geschicktes Rumstehen anspielbereit erklären.“

Ein Blick fällt noch in den schönen Garten. „Es ist traumhaft hier. Sitzen Sie häufiger hier draußen auf der Terrasse?“ lautet die letzte Frage. „Nö, eigentlich nicht. Aber ich sehe auch gerade, ist wirklich ganz schön hier.“

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