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Zlatko Junuzovic verließ am Dienstagmittag das Weserstadion in seinem weißen SUV - mit Alexander Nouri auf dem Beifahrersitz.

Geht der Kapitän zu Trabzonspor?

Heißer Poker: Junuzovic will letzten großen Vertrag

Bremen - Trainer Alexander Nouri hatte ihn in der Schlussphase der vergangenen Saison zum Nachfolger von Kapitän Clemens Fritz ernannt, doch nun könnte es gut sein, dass Zlatko Junuzovic dieses Amt an der Weser gar nicht mehr ausfüllt.

Der Österreicher steht weit oben auf der Wunschliste des türkischen Erstligisten Trabzonspor, und Werder ist nicht abgeneigt, Junuzovic ziehen zu lassen – wenn denn das Geld stimmt. Trabzonspors Präsident Muharrem Usta befindet sich seit Wochenbeginn in Bremen, um mit Werders Sportchef Frank Baumann über den möglichen Transfer zu verhandeln. Junuzovics Vertrag läuft im kommenden Sommer aus, offenbar wittern die Bremer ihre letzte Chance auf ein gutes Geschäft. Als Ablösesumme für den 29-Jährigen soll Werder acht Millionen Euro fordern.

Es war am Dienstag gegen Mittag, als plötzlich alles ganz schnell ging. Junuzovic brauste mit seinem weißen Dienst-SUV auf dem Weg in Werders Geschäftsstelle in die Tiefgarage des Weserstadions – nur um sie 20 Minuten später schon wieder zu verlassen. Kurios: Auf dem Beifahrersitz saß Trainer Alexander Nouri, der bekanntlich große Stücke auf Junuzovic hält, ihn unbedingt im Club halten möchte. Einiges deutet jedoch darauf hin, dass Werder nach Clemens Fritz (Karriereende), Serge Gnabry (FC Bayern München) und Florian Grillitsch (1899 Hoffenheim) den nächsten Mittelfeldspieler verliert.

Trabzonspor winkt mit dem letzten großen Vertrag

Im Verein denken sie offenbar ernsthaft darüber nach, Junuzovic ziehen zu lassen. Der Spieler selbst hatte kürzlich verlauten lassen, dass er von Werder noch kein Angebot zur Vertragsverlängerung bekommen habe – nun hat er sich wohl für einen anderen Karriereweg entschieden, weil der letzte große Vertrag seiner Laufbahn winkt. Trabzonspor sieht seine Chance gekommen. Fraglich ist aber, ob sich der Verein aus der türkischen Hafenstadt Trabzon den Transfer in der Größenordnung, die Werder vorschwebt, überhaupt leisten kann. Beide Seiten sollen nach Informationen der WerderStube noch weit auseinander liegen.

Klar ist: Finanziell würde der Abgang des Österreichers den Bremern guttun. Das Geld, das Junuzovic einbringen würde, könnte Baumann in den Kader reinvestieren. Er hätte plötzlich deutlich mehr Spielraum bei der Suche nach einem neuen Stürmer und einem neuen Innenverteidiger. Auf der anderen Seite würde von einem Abgang Junuzovics eine stark negative Signalwirkung ausgehen. Werder möchte schließlich für Kontinuität stehen.

Baumann wollte eigentlich Stamm der Mannschaft beisammenhalten

„Wir haben in der vergangenen Saison lange gebraucht, um als Mannschaft zusammenzufinden. Deshalb wollen wir diesmal den Stamm beisammenhalten“, hatte Baumann am Montag während der Saisonauftakt-Pressekonferenz betont. Dann einen Mann ziehen zu lassen, der gerade erst vom Trainer zum Kapitän ernannt wurde, der Leitfigur und Fanliebling in Personalunion ist – es passt so überhaupt nicht in dieses Bild.

Vielleicht steckt am Ende auch etwas ganz anderes hinter den Verhandlungen mit Trabzonspor. Der „Kicker“ berichtet, Junuzovic strebe dem Vernehmen nach keinen Wechsel an, schon gar nicht in die politisch instabile Türkei soll es den Familienvater ziehen. Das Sportmagazin stellt die These auf, dass der Poker von Junuzovics Berater inszeniert worden sein könnte, um Werder in Sachen Vertragsverlängerung Druck zu machen.

Sollte der Bremer Kapitän tatsächlich in der Türkei landen – es wäre noch aus einem anderen Grund eine Überraschung. Trabzonspor hatte Junuzovics Landsmann und ehemaligen Nationalmannschafskollegen Marc Janko vor drei Jahren übel abserviert. Kaum vorstellbar, dass der Bremer das nicht mehr weiß. Janko sprach damals, kurz nach dem Ende seines Engagements in der Türkei, von „einer Ehe voller Missverständnisse“.

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