Werder Bremen startet gegen Hertha BSC in die neue Bundesliga-Saison. Die letzte Begegnung endete im März 2020 2:2.
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Werder Bremen startet gegen Hertha BSC in die neue Bundesliga-Saison. Die letzte Begegnung endete im März 2020 2:2.

Werder startet in die neue Bundesliga-Saison

Bremer Bundesliga-Auftakt: So viel Werder steckt in Hertha BSC

Bremen - Eine Bestandsaufnahme vor knapp einem Jahr fiel so aus. Die Hertha, so wertete die Berliner Morgenpost im Oktober 2019, verfolge im Grunde den gleichen Ansatz wie Werder Bremen. Und die Kollegen aus der Hauptstadt begründeten ihr Urteil, indem sie einen Vergleich der anvisierten Spielstile zogen: „Offensiv, attraktiv, mutig!“ Wobei diese vermeintliche Differenz auch notiert worden ist: „In der Umsetzung“, so die professionellen Beobachter an der Spree, habe Werder „noch Vorsprung“.  

Solche Ähnlichkeiten in der Herangehensweise mögen vor allem in der publizierten Selbstdarstellung vorhanden gewesen sein, auf dem Platz, wo es bekanntlich darauf ankommt, waren sie weder in Berlin noch beim SV Werder Bremen im Übermaß zu besichtigen. Arge Zweifel an dieser These sind angebracht, wie die abgelaufene Spielzeit, schon vor den durch das Corona-Virus entstandenen Wirren, in brutaler Deutlichkeit zeigte. Sowohl der selbst ernannte „Big-City-Club“, den die Millionen des Investors Windhorst und die Sprüche des Fußball-Entertainers Jürgen Klinsmann in andere Sphären hieven sollten, als auch der auf Bodenständigkeit fixierte Traditionsclub Werder liefen den eigenen Ansprüchen hinterher wie ein ausgelaugter Langstreckenläufer. Dabei ging den Hanseaten noch mehr die Puste aus: Rettung erst in der Relegation. Hertha BSC indes verfehlte zwar auch das Saisonziel, hielt mit Platz zehn in der Abschlusstabelle den Schaden jedoch in Grenzen.

Hier gibt es Werder Bremen gegen Hertha BSC im Live-Ticker!

Werder Bremen startet gegen Hertha BSC in die neue Bundesliga-Saison! Ex-Bremer Bruno Labbadia soll es in Berlin richten

Ein Verdienst des Mannes, der eine Bremer Vergangenheit aufweist: Bruno Labbadia, von 1996 bis 1998 im Weserstadion des SV Werder Bremen als Torjäger beschäftigt, brachte die „alte Dame“ auf Vordermann. Der 54-Jährige bestätigte seinen Ruf als Retter, vor dem Gastspiel in der Bundeshauptstadt eindrucksvoll bereits in Wolfsburg untermauert. Die gar nicht mehr so bissigen „Wölfe“ führte er aus der Relegation in den europäischen Wettbewerb, musste nach einem chronischen Zerwürfnis mit Geschäftsführer Jörg Schmadtke dennoch gehen bei dem VW-Verein. Auch bei der Hertha sorgte er für eine schnelle Stabilisierung, die nach den abenteuerlichen Rochaden auf dem Trainersessel vonnöten gewesen ist.

Erst die unsägliche Episode mit dem aus den Staaten eingeflogenen Sonnyboy Klinsmann, vom Investor-Berater und Aufsichtsrat zum Chefcoach befördert. Dann das nicht minder schmucklose Kapitel mit den Ex-Bremern: Alexander Nouri, von „Klinsi“ als Assistent installiert, Seite an Seite mit Markus Feldhoff, einem weiteren Co mit Werder-Stallgeruch. Das Duo scheiterte grandios. Aus nach fünf Partien, darunter ein niederschmetterndes 0:5 im Heimspiel gegen den 1. FC Köln. Der Karriereknick für den Trainer mit iranischen Wurzeln: die dritte Entlassung nach den Stationen Werder Bremen und Ingolstadt.

Hertha-Trainer Bruno Labbadia war auch bei Werder Bremen ein Thema

Anders die Sache mit Bruno Labbadia, nach Ante Covic, Klinsmann und Nouri der vierte Boss im letzten Spieljahr bei Hertha BSC. Der sorgfältige Arbeiter, der authentisch und glaubwürdig auftritt, der mit Energie und Tatkraft als versierter Motivator sich präsentiert, bewies einmal mehr, dass er in der Branche häufig unterschätzt wird. In der öffentlichen Wahrnehmung nur als Feuerwehrmann eingestuft, besitzt er auch andere Qualitäten. „Es gibt wenige, die gezeigt haben, dass sie eine Mannschaft führen können“, singt Jens Hegeler, der ehemalige Leverkusener, ein Loblied auf den früheren Coach.

Ein Profil, das den „schönen Bruno“, wie der Frauentyp dank seines immer schicken Outfits und seines makellosen Auftretens in der Branche genannt wird, auch für den SV Werder Bremen interessant gemacht hat in der jüngeren Vergangenheit. Mehrfach tauchte sein Name auf, wenn in der unruhigen Ära nach Thomas Schaaf der Trainerjob mal wieder zur Disposition stand. Zuletzt in der vergangenen Spielzeit, als trotz öffentlicher Bekundungen öfter über die Zukunft von Florian Kohfeldt diskutiert worden ist. Spekulationen, die endgültig erst beendet waren, nachdem Labbadia in Berlin angeheuert hatte. Auch im Februar 2017, als nach den gescheiterten Experimenten mit Viktor Skripnik und Alexander Nouri auch das Nachfolgemodell mit einem weiteren Kandidaten mit Werder-Vergangenheit zur Debatte gestanden haben mag. Doch Bruno Labbadia wurde es nicht, nicht vorgestern, nicht gestern. Ein möglicher Grund: Zweimal hatte er beim Erzrivalen Hamburger SV gearbeitet, zudem erfolgreich, was für die Akzeptanz bei den Fans eher schädlich gewesen sein mag.

In Berlin vertrauen die Bosse um Geschäftsführer Michael Preetz und dem vom „Performance-Manager“ zum Sportdirektor beförderten Arne Friedrich den Ideen Labbadias, der einen klar fixierten Plan für die Zukunft verfolgt. Das Spiel soll offensiver, soll attraktiver, soll dominanter werden. Eine Entwicklung, die in der gründlich missratenen Vorbereitung, jedenfalls von den nackten Resultaten her, noch in Ausnahmefällen zu bestaunen gewesen ist. Und die schon im ersten Pflichtspiel, bei der Pokal-Niederlage in Braunschweig am letzten Freitag, einen ersten herben Rückschlag erlitt. Vorbei die Zeiten, als unter Pal Dardai, dem langjährigen Fußballlehrer, eher zurückhaltend agiert wurde. Wie Sebastian Langkamp, zwei Jahre in Diensten des SV Werder Bremen, zuvor von 2013 bis 2018 bei der Hertha engagiert, bestätigt. Er verweist auf das ehedem unterschiedliche Aufbauspiel: „Trainer Florian Kohfeldt legt enorm viel Wert darauf, über die Mitte zu gehen und Tiefe zu suchen, statt quer zu spielen.“

Werder Bremen gegen Hertha BSC : Berlin ein „Anti-Werder“?

Bruno Labbadia setzt andere Akzente, kann es auch, weil sein aufgeforsteter Kader über genügend Qualität besitzt. Der Marktwert des Aufgebots wird auf über 220 Millionen Euro taxiert, Werders Status bei nur knapp 120 Millionen angesetzt. Bestes Beispiel: Werder Bremen will Milot Rashica, den begehrtesten Akteur, unbedingt verkaufen, Hertha BSC leistete sich einen Superstar wie den aus Leipzig geholten Brasilianer Matheus Cunha, rein preislich in etwa die Kragenweite des Kosovaren. Anderes Exempel: Bremen dachte in der Not im Winter an einen Ehemaligen wie den in Berlin aussortierten David Selke, eine sündhaft teure Leihgabe, die bei einem erneuten Klassenerhalt fest gekauft werden muss.

Dies sind die aktuellen Dimensionen zwischen dem Dritten in der Ewigen Tabelle in der höchsten deutschen Spielklasse und der Hertha, die in dieser Rubrik nur den zwölften Rang belegt. Auf den Punkt gebracht: Hertha gilt als ein schlafender Riese, der durch das üppige finanzielle Engagement des Lars Windhorst, des Wunderkinds der deutschen Wirtschaft, wach geküsst werden könnte. Werder Bremen erscheint wie ein Goliath von einst, der sich seit einem Jahrzehnt schlafen gelegt hat. In dieser Hinsicht nimmt sich der zweimalige Deutsche Meister gewissermaßen wie ein Gegenstück zu dem norddeutschen Traditionsverein aus. „Gewissermaßen das Anti-Werder“, wie der Tagesspiegel im März konstatierte. In Anspielung auf die Halbwertzeit der Trainer und im Gegensatz zum in dieser Personalie stringenten Kurs in Bremen stellten die Fußballschreiber der Zeitung fest: Hertha sei „dauererregt, aktionistisch und ein wenig erratisch.“ Es deutet vieles darauf hin, dass dieser Zustand anhält.

So viel Werder Bremen steckt in Hertha BSC – Vier Fragen an Peter Niemeyer

Er spielte für beide Vereine. Peter Niemeyer, nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn nun Manager bei Preußen Münster, stand bei Werder Bremen drei Jahre bis 2010 unter Vertrag und spielte danach bis 2015 für Hertha BSC. Der 36-Jährige spricht über die beiden Klubs.

Sind Werder und Hertha zu vergleichen?

Nein, weil Clubs auch von den Städten geprägt werden, in denen sie beheimatet sind. Die Hauptstadt hat eine ganz andere Dimension und einen anderen Background als Bremen. So unterschiedlich die Standorte sind, ich habe mich an beiden pudelwohl gefühlt.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen den Clubs?

Auch ein klares Nein. In Berlin existieren ganz andere Möglichkeiten, nun erst recht nach dem Einstieg des Investors Windhorst. Bremen muss auf Kreativität setzen und mit Einfallsreichtum versuchen, die schlechteren Startbedingungen in wirtschaftlicher Hinsicht auszugleichen.

Zu welchem Ihrer Ex-Clubs haben Sie heute noch engen Kontakt?

Zu Werder, Bremen weil dort noch viele Mitspieler von früher präsent sind. Und zudem ist Clemens Fritz einer meiner besten Freunde.

Mit dem Managerjob in Münster starten Sie in einen neuen Beruf. Wie sind die ersten Eindrücke?

Super, besser hätte ich es beim Einstieg in dieses Berufsfeld nicht treffen können. Schon nach wenigen Wochen weiß ich, dass ich viel lernen kann und muss. Bei Preußen muss ich viele Aufgaben, nicht nur auf sportlichem Sektor, selbst erledigen. Mir macht es Spaß, in gewisser Weise ein Hans Dampf in allen Gassen zu sein.

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