+
Wissenswertes vor dem Spiel von Werder Bremen gegen Hertha BSC: Hans-Günter notiert es auf seinem Klemm-Brett.

Klemm-Brett zum 25. Spieltag

Notizen vor Werder gegen Hertha: Klinsmann-Chaos, Nouri-Neustart, Transfer-Rekorde

Von wegen Rente: Hans-Günter Klemm, langjähriger Kicker-Redakteur mit Werder-Expertise, hält für die DeichStube Augen und Ohren offen – fällt ihm 'was zum kommenden Gegner der Grün-Weißen auf, notiert er es auf seinem Klemm-Brett. Vor dem 25. Spieltag geht es um Hertha BSC.

Spruch zum Trainer-Transfer von Jürgen Klinsmann

„Wenn sich Hertha schon einen Retter aus Malibu holt, hätte es dann nicht wenigstens David Hasselhoff sein können?“

Eintrag bei Twitter am Tag der Klinsmann-Berufung

Der DFB und die spezielle Freistellung von Andreas Köpke

Seine Berufung ins Trainerteam von Jürgen Klinsmann überraschte: Andreas Köpke, der Bundestorwarttrainer, heuerte bei der Hertha an. Köpke, dessen Sohn Pascal zum Hertha-Aufgebot zählt, amtierte nur als Aushelfer. Der DFB, der eigentliche Arbeitgeber, stellte den 57-Jährigen „bis Jahresende für ein vorübergehendes und befristetes Engagement frei“. Ab 2020 setzte Köpke seine Tätigkeit bei der Nationalelf fort.

Verfolgt das Bundesliga-Kellerduell des SV Werder Bremen gegen Hertha BSC im Live-Ticker der DeichStube!

Hertha BSC: Trainerteam und die Bilanz von Alex Nouri

So kann sich eine Bildungsreise auszahlen. Im Sommer 2018 hat Alexander Nouri ein längeren Trip nach Amerika unternommen. Damals besuchte er auch Jürgen Klinsmann, den Wahl-Kalifornier. Daran erinnerte sich Klinsmann. Kennengelernt habe er Nouri als „wissbegierigen, neugierigen Trainer“, so der frühere Bundestrainer. „Ich habe eine hohe Wertschätzung.“ Also machte „Klinsi“ den früheren Bremer zu seinem Assistenten, der prompt zum Chef auf Zeit avancierte, als sein Förderer hinwarf. 

Das war‘s mit dem Engagement bei Hertha BSC: Jürgen Klinsmann hat sich als Chef-Trainer zurückgezogen. Der Ex-Coach von Werder Bremen, Alexander Nouri, hat übernommen.

Seine Bilanz: Sieg zum Einstand mit 2:1 in Paderborn, danach das ernüchternde 0:5 im Heimspiel gegen Köln und schließlich ein glückliches 3:3 in Düsseldorf. Auf Nouri hatte nach seiner Zeit bei Werder kurzzeitig in Ingolstadt gearbeitet. Im Klinsmann-Team waren neben Nouri und Torwartcoach Andreas Köpke auch Markus Feldhoff (bei Werder Assistent unter Nouri) als Co sowie der ehemalige Nationalspieler Arne Friedrich, der als Bindeglied zwischen Mannschaft und Management amtieren soll. „Performance Manager“, hatte Klinsmann die Rolle von Friedrich ein wenig überhöht tituliert. Weiter neu dabei: Werner Leuthard als Konditionstrainer. Dagegen wurde Torwarttrainer Zsolt Petry freigestellt. Nach Klinsmanns Demission wurde dieser postwendend zurückgeholt.

Hertha BSC und das große Missverständnis Jürgen Klinsmann 

„Es bedurfte eines Anschubsers“, wie Manager Michael Preetz bei der Inthronisation von Jürgen Klinsmann sagte. Als Sport-Bevollmächtigter des Investors Lars Windhorst war der Weltmeister von 1990 in den Aufsichtsrat des Erstligisten eingezogen, in dieser Funktion für die sportliche Expertise zuständig. Bald saß der 55-Jährige als Nachfolger von Ante Covic auf dem Trainerstuhl, kurzfristig, wie sich zeigte. Als Nothelfer bei „dem spannendsten Fußball-Projekt in Europa“, wie er selbst es etwas hochtrabend formuliert hat. „Ich bin gut vorbereitet“, erklärte die Lichtgestalt, 127 Monate nach seinem Aus bei Bayern München wieder in der Liga präsent. Der vermeintliche Heilsbringer bekräftigte: „Wenn ich etwas tue, dann mache ich es 100-prozentig.“ 

Nur nicht ganz so lange, denn das Ganze dauerte exakt 76 Tage. Dann warf „Klinsi“ am 11. Februar hin. Hals über Klopf verkündete der Mann seinen Rücktritt. Stillos und ohne Format, ein Abgang, der abermals zeigte, was er für ein Egomane ist. Ohne die überraschte Führung des Clubs zu informieren, sagte er in einem Schreiben an die Fans auf Facebook adieu, ein schlimmer Alleingang. Seine Beweggründe: Als Cheftrainer habe er das Vertrauen der handelnden Personen nicht gespürt. Der Hintergrund: Klinsmann pokerte hoch, wollte mehr Geld, mehr Kompetenz und den Job als Technischer Direktor nach Saisonende. 

Hertha wollte dies im Abstiegskampf nicht zusichern und abwarten. Besonders erfolgreich war Klinsmanns Mission nicht: nur drei Siege in neun Spielen, dazu das Pokal-Aus auf Schalke. Ein dramatischer Absturz: Klinsmann verlor sein Mandat im Kontrollgremium, auch das Vertrauen des Investors Windhorst bröckelte. Es heißt, den Posten als persönlicher Berater in der Beteiligungsfirma Tennor Holding B.V. soll er ebenso verlieren wie den lukrativen Job als Experte bei RTL.

Jürgen Klinsmann und das ominöse Tagebuch

Der Revoluzzer verlangte einen Putsch. „Die Geschäftsführung muss sofort komplett ausgetauscht werden“ - so die Forderung Klinsmanns, die in seinem Tagebuch steht. Die Sportbild hatte das Dossier veröffentlicht, das einer Generalabrechnung mit allen Protagonisten beim Hauptstadt-Club gleicht. In seinem „Abschiedsbrief“, dessen Echtheit vom dilettantischen Klinsmann-Umfeld bestätigt worden ist, greift der Ex-Bundestrainer vor allem Manager Michael Preetz an, dem er katastrophale Versäumnisse und eine „Lügenkultur“ bescheinigt. Zudem werden Präsident Werner Gegenbauer sowie die medizinische Abteilung und der Bereich Medien scharf attackiert. „Ungehörig und perfide“, wies Preetz diese Angriffe zurück. Boss Gegenbauer sprach in einem Schreiben an alle Hertha-Mitglieder von absurden Behauptungen, um den Rücktritt zu rechtfertigen.

Michael Preetz: „10 Jahre – 12 Trainer – Ein Verantwortlicher“

Es sollte eine Kurskorrektur sein. Manager Preetz wollte einen anderen Fußball, wollte einen spektakuläreren Stil, als ihn Pal Dardai gepflegt hat. Folgerichtig wechselte er den Trainer aus: Ante Covic übernahm, jener Mann, der sich über Jahrzehnt im Nachwuchsbereich bewährt hatte. Dardai stand für ein kompaktes, stabiles Spiel, mit dem Sicherheitsaspekt im Vordergrund. Covic sollte für mehr Ballbesitz, Offensivdrang und mehr Risiko stehen. So war es geplant, doch es kam anders. Unter dem Dardai-Nachfolger ging es abwärts: nur elf Punkte aus zwölf Spielen. Am Ende stand das 0:4-Fiasko in Augsburg, ein desolater Auftritt, wahrlich ein Trauerspiel. Das Ende für Ante Covic, der weiterhin einen unbefristeten Vertrag als Nachwuchscoach besitzt, wie übrigens auch Dardai. Die Luft für Manager Preetz wird dünner. Das Plakat beim Klinsmann-Einstieg sprach Bände: „10 Jahre – 12 Trainer – Ein Verantwortlicher.“

Investor Lars Windhorst will mit der Hertha mittelfristig in die Champions League

Investor Lars Windhorst, nicht bekannt für seine Bescheidenheit, will immer hoch hinaus. So auch bei der Berliner Hertha, wo er bei seinem Einstieg ins Fußballgeschäft die großen Ziele klar benannte. Mittelfristig wird die Champions League angepeilt. Um dieses Vorhaben realisieren zu können, hat Windhorst binnen fünf Monaten 224 Millionen Euro in die Kommanditgesellschaft Hertha gepumpt, die den Profifußball in der Hauptstadt finanziert. So hat er 49,9 Prozent der Anteile erworben. Dass so sich die Machtverhältnisse bei der alten Fußball-Dame grundlegend geändert haben, versteht sich von selbst. 

Auch wenn er das Gegenteil zu vermitteln versucht, gerät Geschäftsführer Preetz immer mehr unter Druck. So wird vermutet, dass Arne Friedrich von den neuen Machthabern um Windhorst schon in Position gebracht worden ist, um zukünftig die sportliche Leitung zu übernehmen. Doch zunächst ist die aktuelle Krise zu bewältigen. Vom internationalen Geschäft ist die Hertha momentan so weit entfernt wie Berlin vom Mittelmeer. Die Lage muss stabilisiert werden, damit es nicht so kommt wie vor knapp einem Jahrzehnt. Hertha war Vierter in der Liga geworden, dies versprach eine glorreiche Zukunft, doch in der Spielzeit 2009/10 stieg die Mannschaft aus der Bundesliga ab. Damals wie heute dabei: Arne Friedrich an der Seite so prominenter Kicker wie Rafael, Lukasz Piszczek, Cicero und Adrian Ramos.

Hertha BSC und die kuriosen Familiengeschichten

Die Platzhirsche Ibisevic und Kalou mussten draußen bleiben. Ins Team kam beim 1:0 in Leverkusen einer, dessen familiäre Bindung zum Trainerteam womöglich ausschlaggebend gewesen könnte: Pascal Köpke, 24-jähriger Sohn des interimsmäßig amtierenden Torwarttrainers Andreas. Vater und Sohn – es ist eine lange Geschichte bei der Hertha. Als Pal Dardai der Chef war, stand sein Sohn Palko im Kader und brachte es auf sieben Einsätze. Dieser wurde gestrichen, als Ante Covic das Zepter übernahm. 

Dafür holte der inzwischen abgelöste Coach seinen Sprössling Maurice ins Aufgebot, der nur in der Reserve in der Regionalliga spielt. Weiteres Kapitel: Jonathan Klinsmann, Sohn des neuen Bosses Jürgen, zählte bis Sommer zur Hertha-Garde, ist inzwischen in der Schweiz bei St. Gallen unter Vertrag. Bei den Profis bekam der Keeper in Berlin keine Chance. Es mag dem Torwarttrainer zum Verhängnis geworden sein. Möglicherweise kostete es Zsolt Petry, der den Klinsmann-Nachwuchs betreut hatte, vorübergehend den Job. Vater Jürgen wollte mit ihm nicht zusammenarbeiten, holte seinen alten Kumpel Köpke. So schließt sich der Kreis.

Vladimir Darida - der große Gewinner der Hertha

Eindrucksvoll hat er sich zurückgemeldet. Vladimir Darida, der Dauerläufer aus Tschechien, war über zwei Spielzeiten lang so gut wie unverzichtbar bei der Hertha. Dann plagten ihn Verletzungen, er verlor seinen Platz im Team und wollte schon wechseln. Doch nun der 29-Jährige zu alter Stärke zurückgefunden. Bei der kriselnden Hertha war der Mittelfeldmann einer der wenigen Lichtblicke.

So könnte die Aufstellung des SV Werder Bremen gegen Hertha BSC aussehen!

Abgänge bei Hertha BSC

In der Vorsaison noch erste Wahl, nun auf dem Abstellgleis: Ondrej Duda trat die Flucht aus Berlin an. Der Slowake, der es in der Hinserie nur auf sieben Einsätze gebracht hat, ist bis Sommer an Norwich City verliehen worden. Andere folgten. Großreinemachen unter Klinsmann: Eduard Löwen nach Augsburg ausgeliehen, Sidney Friede nach Wehen verkauft. Maurice Covic zu Ascoli abgegeben, Daishawn Orpheo Redan als Leihspieler beim FC Groningen, Dennis Jastrzembski beim FC Paderborn. Salomon Kalou, auch ohne Chance, ebenfalls auf dem Abstellgleis. Und auch der Bremer Junge suchte das Weite: Nach dem personellen Aufrüsten an der Spree sah Davie Selke für sich keine Perspektive mehr, spekulierte auf einen Wechsel nach England und schloss sich Werder an. Klausel: Im Spiel gegen seinen Ex-Klub darf der Mittelstürmer nicht mitwirken.

Hertha BSC mit Transferrekord im Winter

Was die Ausgaben auf dem winterlichen Transfermarkt betrifft, ist Klinsmanns „Big-City-Club“ ganz weit vorn – nicht nur in der Bundesliga, sondern in Europa. Vier Spieler für rund 77 Millionen Euro kaufte die Hertha in der letzten Transferperiode, überbot so spielend den erst im letzten Sommer aufgestellten Transferrekord, den der Wechsel von Dodi Lukebakio aus Düsseldorf mit etwa 20 Millionen Euro aufgestellt hatte. Die vier Neuen: Santiago Ascacibar für elf Millionen aus Stuttgart, Matheus Cunha für elf Mio. aus Leipzig, Krzysztof Piatek aus Milan und Lucas Tousart aus Lyon für jeweils 23 Mio. Euro. Der Franzose wird erst im Sommer nach Berlin kommen, wurde sogleich wieder verliehen an seinen Ex-Club.

Auch interessant

Neu und nur in der DeichStube!

DIE DEICHSTUBE ALS KOSTENLOSE APP

Die DeichStube gibt es jetzt auch als kostenlose App. Einfach downloaden!

Was denkst Du über den Artikel?

Kommentare