Sein letztes Pflichtspiel für den SV Werder Bremen absolvierte Stefanos Kapino im April letzten Jahres gegen den SC Freiburg.
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Sein letztes Pflichtspiel für den SV Werder Bremen absolvierte Stefanos Kapino im April letzten Jahres gegen den SC Freiburg.

Werder Bremen zu Gast bei Hertha BSC

Abstiegskampf für Werder-Ersatztorwart Stefanos Kapino wirklich nur „Kindergarten“?

Mit 17 Jahren wurde er zum jüngsten Nationalspieler seines Landes. Mit 19 Jahren avancierte er beim nationalen Spitzenclub Panathinaikos Athen zur Nummer eins. Mit 23 Jahren gewann er dann als Stammkeeper mit Rekordmeister Olympiakos Piräus den Titel. Und mit 25 Jahren steht Stefanos Kapino erstmals in einem Bundesliga-Spiel in der Startelf von Werder Bremen.

Im Spiel bei Hertha BSC muss der selbstbewusste Grieche den verletzten Stammkeeper Jiri Pavlenka im Tor des SV Werder Bremen ersetzen. Dass er das kann – auch in der aktuellen, hochprekären Situation –, daran bestehen bei Trainer Florian Kohfeldt keine Zweifel. Nicht zuletzt wegen Stefanos Kapinos Karrieredaten.

„Kapi ist zwar noch jung, aber er hat schon viel Erfahrung gesammelt und viel Druck erlebt. Wenn er mir von seinen Zeiten in Griechenland erzählt, dann ist das bei uns hier Kindergarten, was Druck angeht“, sagt der Coach und gibt sich den erzwungenen Torwartwechsel betreffend völlig gelassen. Zwar sei Pavlenka, der mit einem Muskelfaserriss im Adduktorenbereich die kommenden zwei Spiele verpassen wird, „unsere klare Nummer eins, und natürlich wird er uns fehlen. Aber Kapi brennt darauf, zu zeigen, was er kann. Und er kann eine Menge“, meint Kohfeldt.

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Werder Bremen: Stefanos Kapino musste gegen Freiburg ran

Für Werder Bremen durfte der 1,96-Meter-Hüne das bislang allerdings nur in einem Pflichtspiel zeigen. Vor elf Monaten musste er im Spiel gegen den SC Freiburg nach der Pause für Pavlenka einspringen und wurde am Ende von den Kollegen gefeiert. 2:1 gewonnen, gut gehalten, alles richtig gemacht. Etwas frischer ist jedoch der Eindruck, den Kapino im vergangenen Oktober im Testspiel bei Zweitligist FC St. Pauli (0:1) hinterließ. Werder spielte katastrophal an diesem Abend, aber der Keeper parierte phänomenal. So gut, dass er hinterher deutlich seine Ansprüche auf den Platz im Werder-Tor anmeldete – allerdings erst für die Zeit nach Pavlenka. „Wenn Jiri geht, kann ich die Nummer eins sein. Da bin ich mir sicher“, erklärte er.

Werder Bremen: Mit Kapino wird es lauter auf dem Platz

Danach setzte er sich aber wieder klaglos auf die Bank. Auch das schätzt Kohfeldt an dem temperamentvollen Griechen. „Kapi ist Pavlas gegenüber immer sehr loyal. Aber er freut sich auch darauf, dass er nun auf dem Platz seinen Beitrag leisten kann.“ Die Mitspieler können sich schon darauf einstellen, dass es hinter ihnen nun lauter wird. Denn während Pavlenka eher ein ruhiger Torhüter ist, geht Stefanos  Kapino auf dem Platz richtig aus sich heraus. Die Kommandos kommen klar und deutlich, die Kritik oft auch. Kohfeldt lacht: „Kapi ist eine wichtige Stimme in der Mannschaft, die auch gehört wird. Er ist sehr anerkannt. Und er ist ein richtiger Wettkampftyp, will jedes kleine Trainingsspiel unbedingt gewinnen. Dabei kann er auch mal aufbrausend sein, dann ist es besser, ihn mal für eine halbe Stunde in Ruhe zu lassen.“

Werder Bremen muss auch Ömer Toprak ersetzen 

Die Hertha wird ihn am Samstag aber gewiss nicht in Ruhe lassen. Kohfeldt hat größten Respekt vor der Offensivreihe der Berliner, selbst aber Probleme in der Defensive. Schließlich muss er nicht nur den Torwart wechseln, sondern auch Ömer Toprak (Risswunde an der Wade) ersetzen. Obendrauf kommt dann noch der Druck des Abstiegskampfs, des unbedingt Gewinnenmüssens. Ob dieser Mix wirklich nur „Kindergarten“ ist für einen Torhüter mit null Spielpraxis? Ja, meint der Coach: „Ich bin mir sicher, dass Kapi sehr stressresistent ist. Da mache ich mir überhaupt keine Gedanken.“ (csa)

Zur Person: Stefanos Kapino

Wieder gegen Hertha BSC! Gegen die Berliner hatte Stefanos Kapino im Februar 2015 im Trikot von Mainz 05 bereits sein Bundesliga-Debüt gefeiert. Damals rückte er zwischen die Pfosten, weil Loris Karius nach einer Notbremse Rot gesehen hatte, kassierte prompt den anhängigen Elfmeter und sieben Minuten später auch das 0:2. Mainz verlor, Kapinos Premiere war gründlich in die Hose gegangen. Auch das folgende Spiel lief nicht besser – 2:4 gegen Borussia Dortmund. Danach spielte Kapino nie wieder für Mainz, wechselte zurück in die Heimat zu Olympiakos Piräus, wurde dort Stammkeeper und Meister. 2018 versuchte er sich für eine Halbserie beim englischen Zweitligisten Nottingham Forest, ehe er im Sommer für 800.000 Euro Ablöse zum SV Werder transferiert wurde. In Bremen ist Kapino als Nachfolger von Jiri Pavlenka eingeplant, falls der Tscheche im Sommer verkauft werden sollte.

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