Sandro Schwarz, Trainer von Hertha BSC, ist vor dem Spiel gegen Werder Bremen voll des Lobes für den Gegner.
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Sandro Schwarz, Trainer von Hertha BSC, ist vor dem Spiel gegen Werder Bremen voll des Lobes für den Gegner.

Vor Werder gegen Hertha

„In Bremen wird tolle Arbeit geleistet“: Hertha-Trainer Sandro Schwarz lobt Werder im DeichStube-Interview

Berlin/Bremen - „Der Platzverweis in der 14. Spielminute relativiert viel“, sagt Sandro Schwarz über das Thema des Wochenendes aus Bremer Sicht, das frühzeitige Rot für Marco Friedl bei der Niederlage in Freiburg (0:2). Ansonsten gibt es viel Lob für den SV Werder Bremen und Coach Ole Werner vom Trainer des nächsten Gegners Hertha BSC (Freitag, 20.30 Uhr), der seit Sommer den Traditionsverein aus der Hauptstadt betreut.

Werder besitzt die klare Handschrift des Trainers“, betont der 44-Jährige, der vor dem Engagement in Berlin zwei Jahre lang bei Dynamo Moskau und zuvor beim FSV Mainz 05 tätig war. Im Interview mit der DeichStube spricht Sandro Schwarz zudem über sein Verhältnis zum neuen Präsidenten von Hertha BSC, Kay Bernstein, die Unruhe um Investor Lars Windhorst und die berühmte Mainzer Trainerschule um Jürgen Klopp und Thomas Tuchel.

Ihr Kollege Christian Streich hat nach dem jüngsten Sieg ausgiebig den gegnerischen SV Werder Bremen gelobt. Ihm mache es immer Spaß, sagte der Coach aus Freiburg, die Bremer spielen zu sehen. Bereiten Ihnen die Partien der Grün-Weißen auch so viel Vergnügen, Sandro Schwarz?

Das Videostudium der Bremer Spiele zur Vorbereitung auf unser Aufeinandertreffen ist in erster Linie seriöse Arbeit, um sehr gut auf diese Partie vorbereitet zu sein. Werder stellt eine gute Mannschaft, spielt sehr strukturiert mit einer klaren Handschrift des Trainers. Wir freuen uns auf das Spiel und diese Aufgabe am Freitagabend.

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Ist der Spielstil der Bremer ähnlich dem der Berliner Hertha? Vorwärtsgewandt und aktiv, ein attraktiver Offensivfußball...

Ich bin kein Freund von solchen Vergleichen, finde auch nicht, dass es mir zusteht, mich über den Fußball von Werder zu äußern. Aber ich beantworte gern, was unseren Stil betrifft und was uns wichtig ist. Wir wollen zum einen eine Aktivität in der Arbeit gegen den Ball. Offensiv streben wir einen attraktiven Fußball an, mit Geschwindigkeit, ob im Positionsspiel oder über Umschaltaktionen.

Also darf sich der neutrale Zuschauer auf dieses Duell freuen, wenn zwei Mannschaften mit diesem Ansinnen auf den Platz gehen. Oder?

Nicht nur die neutralen Zuschauer, ich denke, vor allem auch an unsere Fans, die wir glücklich machen wollen. Ich denke, dass es zwei Mannschaften sind, die beide von der Aktivität leben und es daher lebhaft werden könnte. Wir freuen uns auf dieses Spiel, auf die besondere Atmosphäre im Bremer Stadion an einem Freitagabend unter Flutlicht. Unser Ansporn und Ziel ist es, unsere Leistung wie in den letzten Spielen auf den Platz zu bekommen. Wir haben seit einigen Wochen eine gute Stabilität in unserem Spiel. Und endlich wurden wir dafür auch belohnt mit dem ersten Heimsieg gegen Schalke.

Hertha BSC-Trainer Sandro Schwarz vor Spiel gegen Werder Bremen: „Früher Platzverweis relativiert vieles“

Zuvor wurde gut gespielt, doch nicht so optimal gepunktet. Nun kam im sechsten Heimspiel der erste Dreier. Kann das der Wendepunkt gewesen sein?

Ich bin kein Freund davon, hier von einem Wendepunkt zu reden. Für uns war es wichtig, dass wir unseren Anhängern, die uns herausragend unterstützt haben, nach der Unentschieden-Serie etwas zurückzugeben und mit ihnen dieses ersehnte Erfolgserlebnis gemeinsam in der Kurve zu feiern. Am Freitag um 20.30 Uhr erwartet uns dann eine neue Aufgabe. In dieser Trainingswoche müssen wir alles wieder neu erarbeiten und uns seriös darauf vorbereiten. Ich mache mir keine Gedanken darüber, was das Resultat gegen Schalke auslösen könnte. Es gilt, unsere stabilen Leistungen auch in Bremen wieder auf den Platz zu bringen.

Als Trainer haben Sie bestimmte Vorstellungen, wie Ihre Mannschaft spielen und auftreten soll. Kommt die aktuelle Performance Ihrem Idealbild schon recht nahe?

Wir haben bisher gute Entwicklungsschritte getan. Wir sind auf einem guten Weg in diesem Prozess, wenn ich sehe, wie die Spieler tagtäglich arbeiten und wie sie miteinander umgehen. Es ist jedoch nicht so, dass wir hier in Berlin nach dem Sieg jetzt nur noch zufrieden durch die Gegend laufen und uns vormachen, dass wir es nun schon geschafft haben. Es kommt auf die Kontinuität und die Beharrlichkeit an, sich in der täglichen Arbeit ständig zu verbessern.

Werder hat eine schwarze Woche erlebt – zwei Niederlagen in der Bundesliga und das Pokal-Aus. Hertha hat den ersten Heimsieg eingefahren. Spricht der Lauf für Berlin und gegen Bremen?

Auch von solchen Gedankenspielen bin ich kein Freund. Ich sehe einfach nur die nächste Aufgabe, unabhängig davon, wie die letzten Ergebnisse ausgefallen sind. Uns ist bewusst, dass Bremen diese Niederlagen in der Meisterschaft kassiert hat und das unglückliche Scheitern im DFB-Pokal mit dem einkassierten Tor erlitten hat…

… unglücklich war auch der Verlauf in Freiburg mit der frühzeitigen Roten Karte, die auch diskutabel war.

Der Platzverweis in der 14. Spielminute relativiert vieles, Werder agierte danach lange in Unterzahl. Die Anfangsphase haben wir natürlich bei der Spielvorbereitung berücksichtigt. Von der restlichen Spielzeit werden wir eher nur wenige Videobilder auswerten, weil Zehn gegen Elf weniger aussagekräftig ist.

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Vor Spiel gegen Werder Bremen: Hertha BSC-Trainer beeinträchtigt die Unruhe um den Investor „nullkommanull“

In Berlin hat Lokalrivale Union der Hertha momentan den Rang abgelaufen. Wie sehen Sie diese Konkurrenzsituation?

Bei meiner täglichen Arbeit sehe ich keine Konkurrenzsituation, nur bei den direkten Duellen. Der Fokus liegt bei mir eindeutig auf uns, nicht darauf, was Union macht. Wir wollen uns stetig weiterentwickeln.

Unruhe herrscht bei Hertha BSC eigentlich immer, zuletzt wieder mal wegen des Investors Lars Windhorst. Beeinträchtigt das die Tagesarbeit? Hat es Auswirkungen auf die Mannschaft?

Nullkommanull. Natürlich bekommen wir die Diskussionen mit, doch es hatte sportlich keinerlei Konsequenzen. Das vor ein paar Wochen aufgekommene Thema hat der Club sehr gut kommuniziert, eine klare Haltung gezeigt.

Was macht Kay Bernstein, den neuen Präsidenten, aus?

Er ist sehr nahbar, in der Kommunikation nach außen und auch in der Kommunikation, was das Innenleben betrifft. Kay Bernstein lebt diesen Club, er verkörpert komplett seine Rolle, ohne sich selbst zu wichtig zu nehmen. So wie er als Mensch ist, so tritt er auf. Der Kontakt und der Austausch mit ihm sind sehr angenehm.

Sie zählen zur berühmten Mainzer Trainerschule, angefangen bei Wolfgang Frank über Jürgen Klopp zu Thomas Tuchel. Gibt es ein kennzeichnendes Merkmal dieser Schule?

Der größte gemeinsame Nenner ist relativ einfach zu benennen: Mainz 05. Was Charaktereigenschaften anbelangt, ist es so, dass Menschen unterschiedlich sind. Es gibt eine bestimmte Spielidee, eine Identität, die Mainz 05 auszeichnet und über Jahre gewachsen ist. Doch jeder Coach hat seine eigene Geschichte. Aber alle haben – auch dies ist eine Übereinstimmung – die Möglichkeit bekommen, sich in Mainz zu entwickeln und frei zu entfalten. Der Verein hatte immer wieder den Mut, jungen Trainern die Verantwortung als Cheftrainer in der Bundesliga zu übertragen.

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Hertha BSC-Trainer Sandro Schwarz: „Ich erkenne, dass Werder Bremen sehr gewachsen ist“

Könnte der gemeinsame Nenner eventuell das taktische Mittel Gegenpressing sein?

Es ist nicht nur dieses eine Spielelement. Ich sehe vielmehr grundsätzlich die Ausrichtung auf Aktivität und den Versuch, auf dem Platz die Initiative zu übernehmen.

Drei Mal in Folge war die Hertha tief verwickelt in den Abstiegskampf. Glauben Sie an eine ruhige Spielzeit und frühzeitige Rettung?

Wir haben erst den zwölften Spieltag absolviert. In meiner Karriere habe ich gelernt, dass es wenig Sinn macht, sich zu einem solchen Zeitpunkt darüber Gedanken zu machen, was am Ende sein wird. Ich befürworte eher, total im Hier und Jetzt zu leben und zu agieren.

Momentan ist Werder ein bisschen aus dem Tritt geraten, doch zuvor hat die Mannschaft vollends überzeugt. Hat Sie dieser Start des Aufsteigers verblüfft?

Nein. In Bremen wird unter Ole Werner eine tolle Arbeit geleistet, schon in der 2. Liga. So einfach ist es ja nun auch wieder nicht, den sofortigen Wiederaufstieg zu schaffen. Einige Zweitligisten haben in den vergangenen Jahren erfahren, wie mühselig es sein kann, wieder nach oben zu kommen. Ich erkenne, dass Werder sehr gewachsen ist. Man hat es geschafft, diese spezielle Art des Fußballs schnell auf das höhere Level zu transportieren. Dazu kommt noch die Euphorie, die wieder entfacht worden ist. Deshalb ist es für mich keine Überraschung, dass Werder so erfolgreich gestartet ist.

Euphorie herrscht an der Weser auch bezüglich Niclas Füllkrug, der in Zusammenhang gebracht wird mit der Nationalelf. Wie stehen Sie dazu?

Zum Glück muss ich mir darüber keine Gedanken machen. (lacht) Ich kenne nicht die Kaderstruktur, die Hansi Flick für die WM vorschwebt. Niclas Füllkrug hat bisher eine gute Runde gespielt. Alles andere ist allein Sache des Bundestrainers. Mein Fokus gilt ausschließlich Hertha BSC.

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